Keine Tiere als Weihnachtsgeschenke

Keine Tiere als Weihnachtsgeschenke

Regionaler Tierschutz und Experten gegen das Verschenken von Haustieren

Heiligabend steht vor der Tür. Das Fest der Familie, der Nächstenliebe und des Zusammenseins. Oft steht man vor der Frage: Was schenke ich den Liebsten? Worüber freuen sich die Kinder? Einige Menschen möchten gerne zum Fest ein Haustier verschenken – an den Partner, die Familie oder an die Kinder. Doch gerade über das Verschenken von Haustieren sollte langfristig nachgedacht und gesprochen werden – bevor aus den gut gemeinten Geschenk ein ungewolltes Haustier wird und dieses im schlimmsten Falle nach Weihnachten weitergegeben, im Tierheim abgegeben oder gar ausgesetzt wird. Tierheime und Tierschutzvereine in dieser Region geben aus diesem Grund zum Fest keine Tiere mehr heraus und auch Experten raten von flauschigen Geschenken zum Fest ab.

Keine Tiere zum Fest
Das Mindener Tierheim samt Tierschutzverein und auch der Tierschutz aus Lübbecke geben prophylaktisch vor dem Fest keine Tiere mehr heraus – eben um zu vermeiden, dass diese als (ungewollte) Geschenke unterm Weihnachtsbaum landen. Doch Sabrina Driftmann, Leiterin vom Mindener Tierheim, stellt ebenfalls klar: „Wir unterscheiden hier natürlich. Ist dort jemand, der wirklich ein Tier möchte und nun aufgrund der Feiertage mehr Zeit hat, sieht die Situation schon anders aus. Doch sobald wir merken: das Tier soll verschenkt werden, machen wir klar: Das gibt es nicht!“ Sie würden den Personen dann ins Gewissen reden, schließlich meinen sie es auch nicht böse. Dennoch sollte die Anschaffung eines Tieres grundsätzlich gut und langfristig überlegt sein, nicht nur an Weihnachten, sondern das gesamte Jahr über. Daher würden die Mitarbeiter des Tierheims das gesamte Jahr auch ein Auge darauf haben, ob Interessenten möglicherweise das adoptierte Tier verschenken möchten, erklärt Driftmann. Cornelia Rosemann vom Tierheim Lübbecke berichtet, dass zu Weihnachten tatsächlich vermehrt Menschen ins Tierheim kommen würden, um ein Haustier zu adoptieren. Allerdings sei der Hauptgrund hierfür, dass viele zu dieser Zeit Urlaub hätten und dadurch natürlich auch mehr Zeit dafür hätten, beispielsweise einen Hund auszuführen, kennenzulernen und sich in Ruhe ein Tier auszusuchen und ihm ein Zuhause zu geben. „Bisher haben die meisten Interessenten immer Verständnis dafür, dass wir sie dann auf das neue Jahr vertrösten“, erklärt Rosemann. Falls jemand diese Gründe nicht nachvollziehen könne, würde er ich ohnehin nicht als Tierhalter eignen. Interesse bestehe zur Weihnachtszeit an allen Tierarten gleichermaßen, also sowohl an Katzen und Hunden als auch Kleintieren wie Kaninchen.

Christa Reinhold von der Hundeschule Petershagen: „Das Weiterreichen von Mensch zu Mensch oder die Abgabe zurück ins Tierheim können auch bei den Tieren zu psychischen Schäden führen“.

Christa Reinhold von der Hundeschule Petershagen: „Das Weiterreichen von Mensch zu Mensch oder die Abgabe zurück ins Tierheim können auch bei den Tieren zu psychischen Schäden führen“.

Gut überlegt
Die Anschaffung eines Tieres sollte generell gründlich überlegt sein – egal für wen das Tier bestimmt ist. Cornelia Rosemann vom Lübbecker Tierheim und ihre Kollegen würden sich wünschen, dass sich jeder schon lange im Vorfeld mit den jeweiligen Bedürfnissen und den möglichen Charaktereigenschaften eines Tieres auseinandersetzt. Ebenso sollte darüber nachgedacht werden, wer sich in Urlaubszeiten oder im Falle einer Krankheit um das Tier kümmern könnte. „In den allermeisten Fällen, in denen Tiere bei uns abgegeben werden, sind die Gründe Überforderung der Besitzer, Krankheitsfälle, Trennungen sowie Fehleinschätzungen bezüglich der zeitlichen Auslastung oder der Tierarztkosten“, berichtet Rosemann. Auch Sabrina Driftmann stimmt dem zu: „Ein Tier anzuschaffen darf keine Kurzschlussreaktion sein. Für das Tier geht es um das ganze Leben, sie gewöhnen sich an den Menschen und ihr neues Zuhause“. Wenn es dann wieder nach einer gewissen Zeit abgegeben werden, kann das auch für das Tier traumatisch sein. Christa Reinhold von der Hundeschule Petershagen erklärt auf MiKu-Anfrage, dass diese Tiere durch das Weiterreichen von Mensch zu Mensch oder die Abgabe zurück ins Tierheim geprägt werden und einen psychischen Schaden erleiden könnten. „Auch Tiere können unter Verlustängsten leiden“, erklärt sie weiter. Daher ist auch sie der Meinung: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum. Gerade wenn Eltern Haustiere wie Hunde für ihre Kinder anschaffen, sei die Begeisterung anfangs sehr groß. Doch Kinder verlieren meist nach kurzer Zeit das Interesse und hätten noch nicht die Ausdauer, sich verantwortungsvoll um einen Vierbeiner zu kümmern. Und dann bleibe die Arbeit an den Eltern hängen. Im schlimmsten Falle werde dieses mit den besten Gedanken angeschaffte „Geschenk“ dann wieder abgegeben oder ausgesetzt.

Sabrina Driftmann, Leiterin des Tierheims Minden: „ Ein Tier anzuschaffen darf niemals eine Kurzschlussreaktion sein!“

Sabrina Driftmann, Leiterin des Tierheims Minden: „ Ein Tier anzuschaffen darf niemals eine Kurzschlussreaktion sein!“

Wer ein Tier adoptieren möchte
Generell ist die Anschaffung eines Haustieres, vor allen Dingen für Kinder, eine tolle Sache, die aber eben gut überlegt sein sollte. Das Mindener und das Lübbecker Tierheim geben ab Januar wieder Tiere heraus, aber auch hier natürlich nur mit einem entsprechenden Vorlauf samt Vorgespräch. In Minden beispielsweise können Hundeinteressenten erstmal in Ruhe ihren favorisierten Vierbeiner kennenlernen, mit ihm spazieren gehen und sich mit dem Charakter des Tieres vertraut machen. Ebenso gibt es bei der Vermittlung von Hunden und Kaninchen eine Vorkontrolle. Katzen werden immer mittwochs vermittelt, Interessenten können vorbeikommen und sich die Katzen ansehen, kennenlernen und erst nach einer Bedenkzeit von mindestens einer Woche das Tier mit nach Hause nehmen. Doch natürlich nicht ohne eine Schutzgebühr: Diese beträgt bei unkastrierten Hunden 250 Euro, bei kastrierten 350 Euro. Welpen haben eine Schutzgebühr von 300 Euro. Bei Katzen wird eine Schutzgebühr von 60 bis 100 Euro inklusive 50 Euro Kastrationsgebühr fällig. Bei Kleintieren wie Kaninchen belaufe sich die Schutzgebühr auf 40 bis 80 Euro.

In dieser Thematik sind sich sowohl der regionale Tierschutz als auch Experten einig: Wer sich, unabhängig von den Festtagen und nach reiflicher Überlegung, ein Haustier anschaffen möchte, kann sich gerne bei den Tierheimen in der Region informieren und sich genau überlegen: Welches Tier passt zu mir und kann ich ihm das geben, was es braucht? Denn wenn diese Umstände geklärt sind, wird einem glücklichen Zusammenleben mit einem flauschigen Familienzuwachs auch nichts mehr im Wege stehen. (nh)