Mit Kellen, Pfeifen und Warnwesten für Sicherheit sorgen

Mit Kellen, Pfeifen und Warnwesten für Sicherheit sorgen

Ein Morgen mit den Schülerlotsen

Es ist kalt und dunkel, wenn die Schülerlotsen des Mindener Herder-Gymnasiums morgens ihre ehrenamtliche Arbeit beginnen. Deutlich früher als viele ihrer Mitschüler sind sie bereits auf den Beinen, damit eben diese sicher auf den Straßen unterwegs sein können.

Bereits von 7.15 bis 7.45 Uhr stehen die jungen Leute im Alter zwischen 14 bis 16 Jahren an der Ecke Königstraße / Parkstraße. Ausgerüstet mit Kellen, Pfeifen und Warnwesten von der Verkehrswacht regeln sie den Verkehr, um den Schulweg sicherer zu machen. Bei Verstößen gegen die Weisungen der Lotsen notieren sie sich die Kennzeichen der Fahrzeuge, um diese anschließend an die Polizei weiterzugeben. Von diesen zahlreichen nicht ganz risikofreien Aufgaben profitieren nicht nur die Schülerinnen und Schüler des Herder-Gymnasiums, sondern auch anderer Schulen. „Ich würde mir wünschen, dass sich neben dem auch aktiven Ratsgymnasium auch weitere Schulen an diesen Tätigkeiten beteiligen würden“, erklärt Melanie Eberhardt, stellvertretende Mittelstufenkoordinatorin und Verantwortliche für Verkehrserziehung des Herder-Gymnasiums. „Wir freuen uns im Jahr 2018 über insgesamt zehn ehrenamtliche Lotsinnen und Lotsen, die immer in kleinen Teams morgens vor der Schule tätig sind. Mal sehen wie viele es 2019 werden“, sagt sie.

Zum aktiven Lotsenteam zählen auch Liv, Noah und Paul – alle 14 Jahre alt und seit Anfang 2018 in dieser Funktion tätig. Zusammen besuchen sie eine neunte Klasse des Gymnasiums. „Es macht Spaß im Team zusammen zu arbeiten. Zwar ist noch nie etwas Ernstes passiert, aber wir wissen stets um unsere Verantwortung“, sagt Noah. Man erlebe ständig etwas Neues. So auch ganz zu Beginn ihrer Lotsenzeit. „Direkt am ersten Tag kam eine Radfahrerin mit Kindersitz und Kind vorbei und fuhr mit hoher Geschwindigkeit trotz unseres Signals laut schreiend weiter“, erzählt Lotsin Liv. Auch Paul weiß zu berichten, dass die Aufgabe Spaß mache, wenngleich noch unklar sei, ob es für ihn im kommenden Jahr weitergehen werde. „Das muss ich mal sehen. Ich werde das mit meinem Team besprechen.“

Liv, Noah und Paul freuen sich zusammen mit ihrer Lehrerin Melanie Eberhardt auf die Reise nach Berlin. (v.l.n.r.)

Liv, Noah und Paul freuen sich zusammen mit ihrer Lehrerin Melanie Eberhardt auf die Reise nach Berlin. (v.l.n.r.)

Damit die Lotsinnen und Lotsen stets sicher unterwegs sind, ist eine vorherige Schulung mit Unterstützung der Polizei Minden und der Verkehrswacht unumgänglich. Der zuständige Polizeihauptkommissar Michael Langer (Verkehrssicherheitsberater der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke) weiß die Arbeit sehr zu schätzen: „Das ist ein ganz wichtiger Teil des Ehrenamtes und nicht hoch genug anzurechnen. Bei den vorherigen Schulungen geht es besonders um die Sicherheit der Lotsinnen und Lotsen. Das ist für uns das Wichtigste überhaupt. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei unter anderem nur mit einem Fuß auf die Straße zu treten.“ Einige Fahrzeugführer seien dennoch unberechenbar, wie das Beispiel der genannten Fahrradfahrerin zeige. „Das ist brandgefährlich und wird von uns streng geahndet. Ich möchte hier wirklich dazu aufrufen, den Signalen der Lotsinnen und Lotsen Beachtung zu schenken“, erklärt Langer. Infolge von Verkehrsverstößen sei es auch bereits zur Anzeigen gekommen.

Eine kleine Belohnung gibt es übrigens auch für das Engagement. „Als Dankeschön fährt das Team mit der Verkehrswacht nach Berlin und erhält dort unter anderem eine Führung im Bundestag“, weiß Melanie Eberhardt zu berichten. Darauf freuen sich Liv, Noah und Paul und die andern sehr. „Das haben sie sich redlich verdient“, versichert Koordinatorin Melanie Eberhardt. (ns)