Sicherheit durch Beton und Wasser

Sicherheit durch Beton und Wasser

Gegensätzliche Auffassungen zu Anti-Terror-Sperren in der Region

Ein Rückblick: Kurz vor Weihnachten 2016, genauer gesagt am 19. Dezember herrschte reges Treiben und vielerorts gute Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz nahe der Gedächtniskirche. Dies änderte sich in dem Moment als der Tunesier Anis Amri bei hoher Geschwindigkeit in einem zuvor gestohlenen tonnenschweren LKW in die Menschenmassen raste, 12 Menschen gezielt tötete und mehr als 70 Personen schwer verletzte. Damit in unserer Region nichts Ähnliches passiert, unternehmen die hiesigen Veranstalter der Weihnachtsmärkte einiges. Doch es gibt uneinheitliche Ansätze, die im Folgenden beschrieben werden.

Nicht schön, aber wirkungsvoll - eine Anti-Terror-Sperre in der Bäckerstraße.

Nicht schön, aber wirkungsvoll – eine Anti-Terror-Sperre in der Bäckerstraße.

Tonnenschwere Sperren in Minden
Sie sind nicht besonders schön, doch sie schützen effektiv – tonnenschwer und quadratisch. Seit einigen Wochen sind die massiven Anti-Terror-Sperren in Mindens Innenstadt zu sehen. Diese schweren Würfel wurden im Zuge der Vorbereitungen des Weihnachtsmarktes aufgestellt und sollen mit Wasserfüllung und Beton vor Anschlägen wie jenem in Berlin schützen.

"Im Rahmen der Absicherung des Weihnachtsmarktes wurden insgesamt 14 Betonabsperrungswürfel in der Innenstadt positioniert." (Katharina Heß, Pressesprecherin Stadt Minden)

„Im Rahmen der Absicherung des Weihnachtsmarktes wurden insgesamt 14 Betonabsperrungswürfel in der Innenstadt positioniert.“ (Katharina Heß, Pressesprecherin Stadt Minden)

Wie bereits im Vorjahr habe man an den Zuwegungen zur Fußgängerzone und dem Weihnachtsmarkt unter Berücksichtigung des Sicherheitskonzeptes und entsprechender Rettungswegsituationen Absperrungen errichtet, berichtet Katharina Heß von der Pressestelle der Stadt Minden. Zuvor habe eine Bewertung der sicherheitsrelevanten Aspekte der Veranstaltung durch das Sicherheitsgremium stattgefunden, an dem neben dem Veranstalter auch Ordnungsbehörde, Feuerwehr, Polizei und die Städtischen Betriebe Minden beteiligt waren, so Katharina Heß. „Im Rahmen der Absicherung des Weihnachtsmarktes wurden insgesamt 14 Betonabsperrungswürfel in der Innenstadt in den Bereichen Obermarktstraße, Markt, Hufschmiede und Bäckerstraße positioniert. Die derzeit verwendeten Sperren bestehen aus Beton und wiegen circa 3,6 Tonnen“, unterstreicht Heß die Massivität der Sperren. Der Kostenaufwand der Betonsperren lasse sich aufgrund unterschiedlicher Einzelfallveranstaltungen nicht näher bestimmen. „Das heißt: Es gibt für die Veranstaltungen, in denen bisher mobile Absperrungen eingesetzt wurden, keine einzelnen Budgets.“ Die außerdem verwendeten wasserbefüllten Behälter befänden sich im Eigentum des Veranstalters (Minden Marketing), die sich auch um Auf- und Abbau sowie die Wartung kümmerten, so Pressesprecherin Heß.

"Auf dem „Weihnachszauber“ sorgt ein privater Sicherheitsdienst für Recht und Ordnung" (Reiner Brombach, Bückeburger Bürgermeister)

„Auf dem „Weihnachszauber“ sorgt ein privater Sicherheitsdienst für Recht und Ordnung“ (Reiner Brombach, Bückeburger Bürgermeister)

Konträre Ansätze in der Region
Während Minden seine Innenstadt also wie gehabt absichert, sind die Vorkehrungen in der Region anders. In Porta Westfalica gebe es keine entsprechenden Anti-Terror-Vorrichtungen, weiß die Pressesprecherin der Stadt Porta Westfalica Babette Lissner zu berichten: „Eine solche Vorrichtung ist nach derzeitiger Lage nicht erforderlich. Entsprechende Sicherheitsmaßnahmen werden je nach Einschätzung der Gefahrenlage durchgeführt.“ Ohnehin betreibe die Stadt Porta Westfalica selber keinen Weihnachtsmarkt, so Lissner. „Alle Weihnachtsmärkte werden von den Bürgerinnen und Bürgern selbst organisiert.“

Auch in Bückeburg sieht die Situation etwas anders aus. Dazu erklärt der Bückeburger Bürgermeister Reiner Brombach: „Bei den Veranstaltungen der Stadt und des Schlosses Bückeburg werden mit Veranstalter, Polizei und eventuell weiteren zu beteiligenden Behörden Sicherheitsbesprechungen durchgeführt, in denen die einzelnen zu treffenden Maßnahmen und Sperren festgelegt werden.“ Dies, so Brombach, habe bisher dazu geführt, dass sich die Besucherinnen und Besucher bis dato sicher und wohl in Bückeburg gefühlt hätten. Im Detail bedeutet dies, dass vor dem Bückeburger Schlosstor auf dem Marktplatz im Rahmen des beliebten Dezembermarktes „Weihnachtszaubers“ drei massive Steine positioniert worden seien. Der Grund hierfür finde sich in dem für die Besucherströme derzeit geöffneten Schlosstor. „Auf dem „Weihnachszauber“ sorgt ein privater Sicherheitsdienst für Recht und Ordnung“, berichtet Brombach. In der Vergangenheit habe man zur Absicherung auch bereits mit quergestellen LKWs gearbeitet, so der Bürgermeister. Für die Bückeburger Fußgängerzone sei aktuell hingegen keine weitere Anti-Terror-Vorrichtung eingeplant.

"Wir stehen in engem Austausch zu den Veranstaltern und der Ordnungsbehörde." (Thomas Bensch, Pressesprecher Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke)

„Wir stehen in engem Austausch zu den Veranstaltern und der Ordnungsbehörde.“ (Thomas Bensch, Pressesprecher Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke)

Polizei rät zu Achtsamkeit
„Wir stehen in engem Austausch zu den Veranstaltern und der Ordnungsbehörde“, sagt Thomas Bensch von der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke in Bezug auf den Mindener Weihnachtsmarkt. „Wie in den letzten Jahren sind gezielt Präsenzstreifen in der Mindener Innenstadt unterwegs, die je nach Bedarf angepasst werden können und die durch den Wach- und Wechseldienst sowie die Bezirksdienstbeamten gewährleistet werden.“ Man erwarte seitens der Polizei zwar weiterhin einen friedlichen Verlauf des Weihnachtsmarktes, nichtsdestotrotz sei Achtsamkeit nicht zuletzt in Bezug auf Taschendiebe aber wichtig. Diese würden sich Getümmel und Alkoholkonsum erfahrungsgemäß oft zu nutzen machen und ihre Chance wittern, so Bensch. „Auch die Gefahr in Geschäften bestohlen zu werden, darf nicht unterschätzt werden. Die Menschen dürfen sich nicht verunsichern oder einschüchtern lassen. Wertgegenstände sollten eng am Körper oder unter den Jacken getragen werden“, rät Thomas Bensch und verweist auf die Polizeikampagne ‚Augen auf, Taschen zu’, die auf der Internetseite der Polizei NRW zu finden ist und zahlreiche Tipps und Hinweise enthält.

Versenkbare Sperren in 2019?
Damit Minden auch zukünftig sicher bleibe, seien die Städtischen Betriebe Minden (SBM) übrigens auch mit der Umsetzung der lange diskutierten beweglichen Schwerlastpoller beschäftigt, versichert Katharina Heß von der Stadt Minden. „Der Auftrag zur Erstellung der beweglichen Schwerlastpoller ist vergeben. Inklusive Planung sind für sämtliche Poller 1,5 Millionen Euro eingeplant.“ Das sei allerdings nur eine erste Kostenschätzung. „Den ersten Planungsentwurf erwarten wir in einigen Wochen.“ Zwar müsse man diese Entwürfe im Detail noch mit den Entscheidungsträgern besprechen, was einige Zeit beanspruchen würde, aber man sei guter Dinge, dass die Umsetzung zügig erfolgen könne. „Die Städtischen Betriebe Minden planen weiterhin im Jahr 2019 mit der Bauphase anzufangen“, so Katharina Heß.

In Bezug auf das im kommenden Jahr bevorstehende Mindener ‚Freischießen’ sei noch keine Entscheidung über entsprechende Vorkehrungen gefallen. „Hinsichtlich der Veranstaltung ist noch kein Antragsverfahren eingeleitet worden.“ Auch hier, so Heß, werde allerdings wie gehabt präventiv eine entsprechende Bewertung der Veranstaltung erfolgen. (ns)