Willkommen an der Fleet-Akademie - Teil 4

Willkommen an der Fleet-Akademie – Teil 4

Oppermann-Volontäre in renommierter Journalistenschmiede in Hamburg

Es kommt die Zeit in einem Volontärsleben, da geht es für einen Monat raus aus der Redaktion und rein in die theoretische Welt des Journalismus. Der vierwöchige Volontärskurs ist Inhalt der Ausbildung zum Redakteur und für jeden Volo obligatorisch. Auch für die Oppermann-Volontäre steht diese Etappe auf dem Ausbildungsplan. Seit Anfang 2018 dürfen sie dafür nach Hamburg an eine der renommiertesten Journalistenschulen Deutschlands gehen, um das journalistische Handwerk von der Pike auf zu lernen – an der Akademie für Publizistik.

Am beliebten Elbstrand führten wir eine Video-Umfrage über die dortige Sauberkeit durch.

Am beliebten Elbstrand führten wir eine Video-Umfrage über die dortige Sauberkeit durch.

Wasteland Hamburg – unser Multimedia-Projekt
Um uns ordentlich in die Organisation des Projektes und die vielfältigen Möglichkeiten einzuführen, hüpfte im wahrsten Sinne des Wortes ein vor Energie sprudelnder Björn Erichsen in die Akademie. Erichsen, Redakteur für Stern, MoPo, Welt am Sonntag, Elf Freunde und viele mehr und seinerseits Experte für das multimediale Erzählen von Geschichten, sollte ebenfalls unser Projekt mit betreuen. Dass er der richtige Mann dafür sein würde, wurde schnell klar – voller Begeisterung stürzte er sich mit uns an die Arbeit und riss uns alle mit seiner Begeisterung mit. Einer seiner letzten Meisterstreiche: er hat „Superkühe“ mit Sensoren ausgestattet und so ihr Leben, ihre Nahrungsaufnahme und Verdauung in einer „Sensorstory“ dokumentiert, und die Netzwelt konnte den Kühen in Echtzeit dabei folgen. Auch wir waren heiß aufs Produzieren – Texte, Bilder, Reportagen, Umfragen und Videos. Ehe wir uns versahen, wurde aus einem Haufen Volontäre eine autonome Redaktion mit ihrer eigenen Dynamik: Termine wurden gesetzt, Presseanfragen versendet, Reporterteams gebildet. Doch erstmal benötigten wir eine Domain, die Homepage wurde angelegt, ein Logo erstellt und natürlich brauchten wir, multimedial wie wir sind, einen Projekttrailer. Das Trailer-Team, bestehend aus vier weiteren Volo-Kollegen und mir, überlegte sich ein Konzept, besprach sich mit Maik Vukan über Möglichkeiten, Tools, Darstellungsformen und die optimale Länge. Wir recherchierten über Müllmengen, bastelten animierte Bilder und einzelne Szenen, und fanden uns plötzlich selber vor der Kamera im Filmraum wieder. Hochprofessionell drehten wir einzelne Spots, das Aneinanderschneiden (auf dem iPhone!) mit „Splice“ war dann meine ehrenvolle Aufgabe. Viel Frickelei später durften wir dem Plenum das Ergebnis präsentieren – die Begeisterung und positive Resonanz war groß. Stolz stellten wir den Trailer online, das Projekt, nun betitelt mit „Wasteland Hamburg“, nahm mehr und mehr Formen an.

Niemals zuvor hatten wir so viele Augen für den Müll um uns herum.

Niemals zuvor hatten wir so viele Augen für den Müll um uns herum.

„Mülldetektive“ in Hamburg
Die nächsten Tage standen für uns alle im Zeichen des Produzierens: Beiträge in Text-, Bild- und Videoform, animierte Bildchen und kurze Spots. Wir ließen eine Müllhalde im Seminarraum wachsen, um zu dokumentieren, wie viel Müll zwanzig Volos in vier Tagen produzieren. Wir schwärmen aus ins Hamburger Umland, und erlebten nebenbei auch bei uns selber einen Sinneswandel – nie zuvor hatten wir mehr Augen für den Müll um uns herum und nie zuvor haben wir so viel darüber nachgedacht. Vanessa Trzewick, Volontärin beim Platow Brief in Frankfurt, und ich pilgerten mit Smartphone, Halterungen, Verstärker und Mikrofon bewaffnet an den Elbstrand, um eine Umfrage über die Sauberkeit dort durchzuführen. Wenn auch die ersten potenziellen Protagonisten beim Anblick unserer Ausrüstung die Flucht ergriffen, ließen wir uns nicht beirren und interviewten wild drauf los. Das Zusammenschneiden des rund zweiminütigen Films mit „Final Cut“ lag dann wieder in meinen Händen. Währenddessen waren andere von uns mit Mülldetektiven auf Streife, testeten upgecycelte Armbänder aus Fischernetzen und probierten Restaurants aus, die versuchen auf das Produzieren von Müll komplett zu verzichten. Nebenbei wurde ein unterhaltsames Vorstellungsvideo mit uns allen in den Hauptrollen gedreht und weiter fleißig die Social Media Kanäle mit Content befeuert. Zum finalen Donnerstag, Deadline-Tag, fand ich mich mit meinem Kollegen Gregor Elsbeck von der Lebensmittelzeitung in Frankfurt um 6.30 Uhr auf einem Müllschiff in Wilhelmsburg wieder. Unsere Reportage über die Müllabfuhr auf der Elbe entwickelte sich zu einer sonnigen, aber auch langen Tour entlang den Landungsbrücken, vorbei an der Elbphilharmonie und der Speicherstadt, um an einem Binnenschiff, einem Containerfrachter und einer Helgoland-Fähre den flüssigen und festen Müll einzusammeln. Für die Endproduktion hetzten wir zurück an den Cremon und werkelten eifrig an der finalen Endversion unseres Projekts. Die Deadline leicht überzogen, aber zufrieden, wurde der letzte Abend gemeinsam bei Speis und Trank verbracht. Die vergangen vier Wochen wurden resümiert, und langsam aber sicher stieg die erste Wehmut aufgrund des nahenden Abschieds in uns allen auf.

In der letzten Woche unseres Volo-Kurses widmeten wir uns unserem multimedialen Projekt "wasteland-hh.de".

In der letzten Woche unseres Volo-Kurses widmeten wir uns unserem multimedialen Projekt „wasteland-hh.de“.

Und, wie waren wir?
Nach einer langen und überaus amüsanten Nacht, in der uns auch Felix, Björn und Maik begleiteten, strandeten wir am finalen Freitagmorgen leicht müde in unserem Seminarraum. Finales Fazit über unser Projekt fällte die Leiterin der Akademie, Nadja Stavenhagen, ehemalige Redaktionsleiterin bei GEO.de, mit dem Zitat: „Eines der besten Projekte, was ich seit langem an der Akademie gesehen habe“. Stolz waren wir auf unser Werk und verfolgten die stetig steigenden Followerzahlen auf unseren Social Media Accounts. Doch nun war die Zeit des Abschieds gekommen: schweren Herzens und doch mit Vorfreude auf unsere Heimat verabschiedeten wir uns voneinander, natürlich nicht bevor auch die letzten Kontaktdaten ausgetauscht wurden. Die ersten Verabredungen für zukünftige Treffen wurden gemacht, bevor wir wieder in das ganze Bundesgebiet ausschwärmten. Eine anstrengende, aber auch schöne und lehrreiche Zeit lag hinter uns, und wir alle waren uns einig, dass wir diese nie wieder missen wollen würden.

Mein Dank für diese aufregende Zeit geht zum einen an die Akademie, an die Lehrkräfte und die tollen Volo-Kollegen, die diese Zeit erst zu diesem spannenden Abenteuer gemacht haben. Zum zweiten geht mein Dank an den Oppermann-Verlag, der mir diesen Kurs ermöglicht hat und mir die Zeit und dem Raum gab, diese schöne Reportage als krönenden Abschluss zu schreiben. (nh)