Willkommen an der Fleet-Akademie - Teil 3

Willkommen an der Fleet-Akademie – Teil 3

Oppermann-Volontäre in renommierter Journalistenschmiede in Hamburg

Es kommt die Zeit in einem Volontärsleben, da geht es für einen Monat raus aus der Redaktion und rein in die theoretische Welt des Journalismus. Der vierwöchige Volontärskurs ist Inhalt der Ausbildung zum Redakteur und für jeden Volo obligatorisch. Auch für die Oppermann-Volontäre steht diese Etappe auf dem Ausbildungsplan. Seit Anfang 2018 dürfen sie dafür nach Hamburg an eine der renommiertesten Journalistenschulen Deutschlands gehen, um das journalistische Handwerk von der Pike auf zu lernen – an der Akademie für Publizistik.

Alle aufs Bild und Lächeln
Mit unseren Stories im Gepäck sollte der erste sonnige Tag in der dritten Woche aktiv gestaltet werden. Ulf Dahl, Pressefotograf und Leiter der Fotoredaktion der Kieler Nachrichten, nahm uns, ausgestattet mit Kameras, an die Hand und schwärmte mit uns aus auf den Fleet. Emsig klickten die Verschlüsse, es wurde wild fokussiert, Einstellungen verfeinert und Modi ausprobiert. Mit dem nötigen theoretischen Wissen fotografierten wir uns sowie unsere Umgebung und hatten neben einem großen Lerneffekt auch noch jede Menge Spaß dabei. In der anschließenden abendlichen Themenkonferenz stürzten wir uns wieder auf unser stetig wachsendes Multimedia-Projekt. Das Thema Müll war gesetzt, nun sammelten wir erste Ideen zu möglichen Beiträgen. Im Trello, einem Tool zur Projektorganisation und -management, sammelten wir auf unserem Board die zahlreichen Ideen. Schnell wurde klar, wer auf Fotoreportage geht, wer als Reporter ausschwirrt und wer später den Desk und das Social Media Team besetzen wird. Eine Eigendynamik setzte sich in den Gang, die nicht mehr aufzuhalten war.

Die Speicherstadt eignete sich nicht nur für einen mittäglichen Spaziergang, auch für Fotoshootings ist sie wie gemacht.

Die Speicherstadt eignete sich nicht nur für einen mittäglichen Spaziergang, auch für Fotoshootings ist sie wie gemacht.

Mut zur Meinung
Die kommenden beiden Tage aber sollten erstmal im Zeichen des Kommentars stehen. Dieses wichtige, aber auch schwierige journalistische Mittel, brachte uns Dr. Lutz Kinkel näher, der unter anderem von Spiegel-Online, stern.de und Tagesschau.de für seine mutigen und oft polarisierenden Kommentare bekannt ist. Dann hieß es auch für uns „Ran an die Tastatur und Mut zur Meinung“ – nun gut, so einfach sollte es nicht sein. Dass ein Kommentar nicht nur aus einer Meinung besteht, mit Fakten und Argumenten untermauert ist und eine klare Gliederung aufweisen sollte, und am besten dabei noch in der Kürze die Würze liegt, gestaltete dieses Unterfangen doch schwieriger als zunächst gedacht. Doch nach und nach wurden wir mutiger, formulierten striktere Thesen und belegten diese mit fundierten Argumenten. Wie wir uns geschlagen hatten, das wurde uns von Kinkel in aller Geduld erklärt. Auch unsere Stories sollten an diesem Tag bewertet werden, in zwei Gruppen stellten wir uns dem Urteil von Elisabeth Schmidt-Landenberger. Und dieses fiel, ermutigenderweise für uns, durchweg positiv aus – Verbesserungsvorschläge natürlich inklusive.

Und was machst du so?
Zu Beginn der Seminare wurden die Morgenkonferenzen eingeführt, in denen wir einerseits Feedback gaben und andererseits, einer nach dem anderen, unser Medium und unsere Arbeit dem Plenum vorstellten. Gerade für mich als Volontärin bei einer Anzeigenzeitung war es interessant zu erfahren, wie meine Volo-Kollegen ihren Arbeitsalltag erleben und ihr Volontariat organisiert ist. Es gab schon einige Unterschiede zu unserer Arbeit beim Minden Kurier – spätestens als ich unser Medium und meine Arbeit dem Plenum vorstellte, wurde dies deutlich. Während andere Volontäre sich häufig in einem Ressort aufhalten, darf ich alle Gebiete bedienen und Geschichten über ziemlich alle Themenbereiche schreiben. Während viele selten eigenmächtig Entscheidungen treffen dürfen und wenig Verantwortung tragen, habe ich als Volontärin beim Minden Kurier viel mehr Verantwortung und treffe viele redaktionelle Entscheidungen allein oder in Absprache mit meinem Kollegenkreis. Die Volo-Kollegen zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt unseres Produktes und dem Umfangreichtum meiner Arbeit. Was bei allen enorm gut ankam: unser farbenfrohes und modernes Layout.

 In den Räumlichkeiten der Akademie wurde in ermutigender und inspirierender Atmosphäre gelernt.

In den Räumlichkeiten der Akademie wurde in ermutigender und inspirierender Atmosphäre gelernt.

Dein Smartphone kann was
Am Freitag eröffnete uns dann ein versierter und abgeklärter Mensch eine ganz neue Welt: Maik Vukan, virtuoser Journalist vor und hinter der Kamera, führte uns ins Mobile Reporting ein. Ein Gebiet, zudem wir alle bisher kaum Berührungspunkte gehabt hatten, aber neugierig waren wir allemal. Überraschenderweise stellten wir fest, dass Vukan zahlreiche seiner Beiträge inzwischen komplett mit dem Smartphone filmt, bearbeitet, schneidet und vertont. Vukan ließ uns durch seine jahrelange Expertise profitieren, die er unter anderem im Investigativ-Team bei Spiegel TV, bei N-TV, dem MDR und NDR gesammelt hat. Eine knackige Einweisung ins mobile Equipment – Stativ, Mikros, Verstärker – und kurz die 5-Shot-Methode vermitteln, schon ging es für uns ans Filme produzieren. In Zweiergruppen filmten wir aus den verrücktesten Perspektiven, kämpften mit dem entsprechenden Zubehör, führten Tontests durch und machten uns daran, unseren ersten Film zu schneiden. Nützliches Wissen, welches ich in der nächsten Woche noch häufiger anwenden sollte – spätestens als es ans Produzieren unseres Projekttrailers ging. Glücklicherweise sollte uns Maik noch eine ganze Weile erhalten bleiben, da er uns auch während der multimedialen Projektwoche zu Seite stehen würde.