Minden wird nicht abgehängt

Minden wird nicht abgehängt

Fernverkehr-Halte bleiben vorerst erhalten

Bereits seit längerem wird über den Fernverkehr in OWL diskutiert. Mit Bekanntwerden von Überlegungen seitens der Deutschen Bahn, IC-Halte in Bünde, Minden und Bad Oeynhausen zu streichen, sowie den Überlegungen über eine ICE-Sprinter-Linie zwischen Köln und Berlin ohne einen Halt in Bielefeld nahm die Diskussion erneut Fahrt auf. Die Fernverkehrsanbindung von Minden ist wichtig – für Pendler, die Unternehmen und auch den Tourismus. Doch erst einmal winkt die Entwarnung – derzeit stehen die IC-Halte in Minden nicht zur Diskussion und sollen erhalten bleiben. Wie es mit den wenigen ICE-Halten in Minden sowie der Hochgeschwindigkeitsstrecke weitergeht, bleibt abzuwarten.

Berufspendler in Minden
„Für mich und andere mir bekannte Zugnutzer ist das alles kein Problem“, sagt ein Berufspendler, der werktäglich beruflich aus Hannover nach Minden und zurückfährt. „Ich fahre mit dem Regionalexpress oder der S-Bahn. Beide verkehren im Halbstundentakt. Hinzu kommt die Anbindung durch den IC“, sagt er und verweist auf den geringen zeitlichen Unterschied. Dieser sei für ihn absolut im Rahmenbereich. „Ich mache mir daher überhaupt keine Gedanken über das Thema eines ICE-Halteverlustes. Den ICE brauchen aus meiner Sicht nur die Fernreisenden nach beispielsweise Basel oder Düsseldorf.“ Die derzeitigen Ankunfts- und Abfahrtzeiten kämen für Berufspendler ohnehin nicht in Frage, so die Meinung des Pendlers. Bei einem Blick auf die Ankunftszeiten wird deutlich, was er meint. Diese sind aktuell nachts um 1.50 und 4.10 Uhr, morgens um 6.10 Uhr sowie spätabends um 23.45 Uhr. Zu anderen Zeiten hält der ICE Ein Minden.

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Ähnlich sieht dies auch Thomas Rippke von der Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn in Schaumburg, Minden und Porta (BIGTAB): Im Fall der Fälle fielen für Pendler damit Reisemöglichkeiten weg. „Ihre Reisealternativen werden weniger. Für Nicht-ICE Pendler ändert sich erst einmal nichts“, zeigt sich Rippke entspannt. Dennoch hat Rippke klare Forderungen. „Die Knoten-Bahnhöfe müssen ausgebaut werden. Für Minden sind da die Bahnhöfe Hannover und Dortmund sehr wichtig. Darüber hinaus ist es ebenfalls wichtig, dass die Serviceleistung in den Zügen und auch an den Bahnhöfen verbessert werden. Je komfortabler das Reisen ist, desto eher werden Personen auf den Zug im Fern- und Nahverkehr wechseln.“ Auch in Bezug auf den Trassenbau hat der BIGTAB-Sprecher deutliche Erwartungen: „Bei einem Ausbau der Strecke und der angestrebten Digitalisierung der Eisenbahnleittechnik ist aus unserer Sicht der Fahrplan für das Einzugsgebiet des Mindener Bahnhof wesentlich attraktiver zu gestalten. Sowohl für den Nah- als auch für den Fernverkehr durch mehr Linien in kürzeren Abständen.“

Neubautrasse in OWL
Ebenfalls eine klare Position zum Thema Neubautrasse in OWL bezieht die Initiative Deutschland-Takt. Rainer Engel von Deutschland-Takt sagt dazu: „Zunächst muss man wissen: Die am 9. Oktober 2018 vorgestellten Pläne sind keine Pläne der Deutschen Bahn und wohl auch mit ihr nicht abgestimmt‘, sondern eher ein Kontrapunkt zu den derzeitigen ‚Sprinterplänen‘ der DB. Daher findet sich an keiner Stelle der Pläne – man sollte sie derzeit ‚Vorschläge aus einem Gutachten‘ nennen – die Aufgabe von Haltestellen im Fernverkehr. Die Gutachter haben nach siedlungsgeografischen Zusammenhängen gearbeitet. Daher steht die Initiative Deutschland-Takt klar zu dem vorgestellten Konzept im Fernverkehr.

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Das erarbeitete Gesamtkonzept bestehe aus der Neubaustrecke Hannover – Bielefeld und der Schnellfahrstrecke Bielefeld – Hamm und ICE für 300 km/h-Züge. Nur mit dem Gesamtkonzept sei der Einsatz von 300 km/h schnellen ICE sinnvoll. Auf circa 400 Kilometern Streckenlänge könne diese Geschwindigkeit genutzt werden. Die Verbesserung von Anschlüssen in Bielefeld und Hamm sei sehr groß, da diese Bahnhöfe zu sogenannten „Nullknoten“ mit Rundum-Anschlüssen werden. Mit den bisherigen Plänen würde Bielefeld suboptimal erreicht werden und vor allem in Hamm wären gerade alle wichtigen Anschlusszüge weg.

Lothar Ebbers, Pressesprecher vom Fahrgastverband PRO BAHN NRW e.V., erklärt, dass zwei grundsätzliche Varianten für eine Neubautrasse im Korridor Bielefeld-Hannover vorlägen. Im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans (BVWp) sei eine Neubaustrecke für 230 km/h mit einer Fahrzeitverkürzung um acht Minuten im Korridor zwischen Bad Oeynhausen/Porta Westfalica und Seelze vorgesehen . In dem weiteren vorliegenden Entwurf der Gutachter für den Deutschlandtakt sei eine Trasse zwischen Bielefeld und Seelze für 300 km/h und ein Ausbau zwischen Hamm und Bielefeld ebenfalls für 300km/h bei gleichzeitiger Ertüchtigung der Gütergleise zwischen Hamm und Minden für den Personenverkehr vorgesehen. Dadurch könne die Fahrzeit zwischen Hamm und Hannover um mehr als eine Viertelstunde verkürzt werden. „Die PRO BAHN bevorzugt die Konzeption des Deutschlandtakts, da damit die größeren verkehrlichen Vorteile verbunden sind“, erläutert Lothar Ebbers. Konkrete Trassenvorschläge würden bislang nicht vorliegen. In Teilbereichen sei mit einer autobahnnahen Trassierung zu rechnen. Der ICE-Systemhalt in Bielefeld sei jeweils vorgesehen; der IC-Verkehr würde mit den bisherigen Halten über die ertüchtigte Bestandsstrecke geführt.

„Im Gesamtkonzept schließlich wird Minden nicht abgehängt. Der Amsterdam-IC kann gar nicht vorbeifahren, und für drei Halte lohnt sich auch der IC von Köln nach Dresden. An einem einzigen Halt fährt man hingegen gerne mal vorbei, wenn man 10 Minuten einsparen kann“, erklärt Engel.

Zukunft der Haltestelle Minden
Das Gutachten schreibt nicht völlig neue Fahrpläne vor, sondern setzt auf dem heutigen Fahrplan auf. „Das ist gerade der Sinn des integralen Taktfahrplans, Fahrzeiten zu optimieren, nicht alles umzukrempeln. Die guten Anschlüsse in Hannover sind der Ausgangspunkt. Da die Fahrzeit nach Minden sich nicht grundlegend verändert, bleiben sogar die Abfahrtszeiten in Minden etwa so, wie wir sie kennen“, sagt Rainer Engel. Der ICE werde nicht in Minden halten. Der Intercity sei eingeplant wie bisher. All das seien allerdings nur Rechengrößen, um zu identifizieren, wo das Schienennetz ausgebaut werden muss, damit der Zielfahrplan funktioniert.
„Eine ‚Zusage’, dass die Halte in Minden auch bedient werden, ist das nicht, denn das entscheidet viel später das Unternehmen, das den IC fährt. Nur: Der maßgeschneiderte Ausbau der Schienen lässt nicht sehr viele sinnvolle Alternativen zu“, erläutert Engel.

Lothar Ebbers erklärt, dass in beiden Trassenkonzepten ein Fernverkehrshalt in Minden weiterhin fest vorgesehen sei. Auch einzelne ICE-Halte beispielsweise am Tagesrand und von Verstärkerzügen seien weiterhin möglich. Des weiteren beobachte die PRO BAHN die Wünsche aus den Niederlanden zur Beschleunigung der IC-Verbindungen Amsterdam-Berlin. Hierdurch könnten kleinere Halte gefährdet werden, erklärt Ebbers. Grundsätzlich habe Minden das Potenzial für einen Intercity-Halt. Aber wenn leicht und schnell woanders mehr zu verdienen (oder mehr einzusparen ist, als man mit dem Halt verdient) ist, dann tut die DB das und lässt auch einen IC-Halt wegfallen. „Der Deutschland-Takt zieht gerade darauf ab, solches zu erschweren“, versichert Engel.