Die Knabstrupper von Petershagen

Die Knabstrupper von Petershagen

Das Gestüt „af Wendandi“ züchtet die vom Aussterben bedrohte Pferderasse

Aus der Reithalle des Knabstruppergestüts „af Wendandi“ in Petershagen ist das Schnauben eines Pferdes zu hören. „Schön ruhig weiter so“, klingt die Stimme von Melanie Enk entgegen. Sie führt den weißgeborenen Knabstrupper-Wallach an der langen Longe. Gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Mathias Enk und ihrem Sohn Ken-Jack Krüger leitet sie das Gestüt auf dem Hof, der seit über 200 Jahren in Familienbesitz ist.

22 Knabstrupper sind derzeit in den Stallungen des Gestüts untergebracht. Auf die Frage, warum sie ausgerechnet Knabstrupper züchten wollte, antwortet Melanie Enk: „Ich hatte damals einen Hannoverarner und eine Freundin von mir besaß einen so schönen bunten Knabstrupper. Ich wusste sofort: So einen will ich auch.“ Melanie Enk tätschelt die Flanke ihres Wallachs.

Der wohl bekannteste Knabstrupper ist das Pferd „kleiner Onkel“ von Pipi Langstrumpf. „Doch viele wissen gar nicht, das war gar kein Knabstrupper. Der kleine Onkel war ein Schimmel, der mit braunen Flecken bemalt worden ist“, sagt Enk und muss schmunzeln.
Vor 50 Jahren war die Rasse der Knabstrupper beinahe ausgestorben. Nur noch 50 Exemplare lebten weltweit. Ihre bunte braun gefleckte Fellfarbe, Tigerscheckenfärbung genannt, war nicht sehr beliebt. „Besonders in den 70er Jahren wollte man eher ein modernes Sportpferd. Die beiden vorherigen Weltkriege waren auch der Rasse der Knabstrupper, den Pferden für die klassisch barocke Reiterei, ebenfalls nicht zuträglich“, erklärt Ken-Jack Krüger, der mit den edlen Tieren aufgewachsen ist.

Ken-Jack Krüger mit seinem Azrael.

Ken-Jack Krüger mit seinem Azrael.

Das „Originalpferd“ vom Anbeginn der Knabstrupper wird heute nur noch auf ganz wenigen Gestütshöfen gezüchtet. Das Knabstruppergestüt af Wendandi will als Knabstruppergestüt der Gegenwart verstanden werden. ”Mit unseren sechs gekoerten Hengsten geht es uns weder um die Rückzüchtung nach Jahrhunderte alten Kriterien, noch um eine reine Farbzucht, sondern vielmehr um eine Modellierung von Pferden, die die althergebrachten Vorzüge der Knabstrupper in sich tragen und den heutigen Ansprüchen der barocken Reiterei genügen“, sagt Krüger, der gemeinsam mit seiner Mutter auf dem Hof auch eine Reitschule für barocke Reiterei betreibt. „Etwa zehn Reitschüler unterrichte ich hier derzeit“, sagt er und geht durch den langen Gang in der Stallung auf die Box seines Hengstes „Azrael“ zu. Der Deckhengst ist 14 Jahre alt und Krüger hat ihn mit viel Geduld und in langjähriger Arbeit selbst ausgebildet. „Bei uns auf dem Gestüt werden die Pferde gezeugt, geboren, aufgezogen, ausgebildet und wenn Interessent und Pferd zueinander passen, auch verkauft. Der Prozess der Ausbildung ist langwierig und im Prinzip nie abgeschlossen. Es gibt immer noch Etwas, was man in der Ausführung verbessern kann“, erklärt Krüger. Sein Hengst stupst ihn von der Seite an die Schulter. Mit ihm ist Ken-Jack Krüger im Jahr 2016 deutscher Vizemeister in der klassischen barrocken Reiterei geworden.
Das Gestüt „af Wendandi“ hat sich zum Ziel gemacht, diese bedrohte, gelehrige und verlässliche Pferderasse zu erhalten. (Foto: jh)