Willkommen an der Fleet-Akademie - Teil 2

Willkommen an der Fleet-Akademie – Teil 2

Oppermann-Volontäre in renommierter Journalistenschmiede in Hamburg

Es kommt die Zeit in einem Volontärleben, da geht es für einen Monat raus aus der Redaktion und rein in die theoretische Welt des Journalismus. Der vierwöchige Volontärskurs ist Inhalt der Ausbildung zum Redakteur und für jeden Volo obligatorisch. Auch für die Oppermann-Volontäre steht diese Etappe auf dem Ausbildungsplan. Seit Anfang 2018 dürfen sie dafür nach Hamburg an eine der renommiertesten Journalistenschulen Deutschlands gehen, um das journalistische Handwerk von der Pike auf zu lernen – an der Akademie für Publizistik.

 Die Seminartage waren lang und anstrengend, doch zugleich überaus interessant und lehrreich - und viele gesellige Stunden haben wir ebenfalls zusammen verbracht.

Die Seminartage waren lang und anstrengend, doch zugleich überaus interessant und lehrreich – und viele gesellige Stunden haben wir ebenfalls zusammen verbracht.

Tiefer in die Materie eindringen
Woche zwei startete gleich mit einem obligatorischen Thema – der Einführung in das Presserecht. Rechtsanwalt Georg Fechner informierte uns über das, was wir dürfen, und das, was wir lieber sein lassen sollten. Der Nachmittag war dann gefüllt mit einem verwandten Thema: der Ethik im Journalismus. Tom Schimmek, Mitbegründer der TAZ und unter anderem in der Vergangenheit für den Spiegel, die Zeit, den Stern und Geo tätig, diskutierte mit uns über Grenzen und Grenzüberschreitungen im Journalismus. Einen Eindruck hinterlassende und spannende Lektion für uns alle, die gleichzeitig zum Nachdenken anregte. Doch der Tag war noch lange nicht vorbei – bis spät in den Abend saßen wir zusammen in der Themenkonferenz für unser multimediales Projekt und sprudelten über vor Ideen. Nach und nach entwickelte sich hieraus unser Thema – Müll und Verschmutzung in Hamburg. Der Grundstein zu „wastelandhh.de“ war gelegt. Am nächsten Morgen erwartete uns Elisabeth Schmidt-Landenberger, die unter anderem schon für Arte und Vanity Fair gearbeitet hat und eine absolute Leidenschaft für das lebendige und bildhafte Erzählen besitzt. Und eben dieses würde sie uns näherbringen, daher auch eine Hausaufgabe für die kommende Woche. Wir sollten eine Reportage im Storytelling-Stil schreiben, mit einem Thema unserer Wahl. Doch bevor wir uns darüber Sorgen machen konnten, wartete noch ein unterhaltsamer und auch lehrreicher Abendtermin auf uns: Speed-Dating mit freien Journalisten. Felix Klabbe, Kai Hirth und Stephanie Arndt erklärten uns die wichtigsten Fakten und Wissenswertes, falls wir irgendwann als ‚Freie‘ durchstarten wollen würden. Am nächsten Tag referierte Maike Dugaro, freie Journalistin und unter anderem langjährig für Geo und den Stern tätig, über das richtige und angemessene Redigieren, samt einem unterhaltsamen Rollenspiel. Rigoroses Kürzen – damit taten wir uns anfangs schwer, doch einmal den Rotstift angesetzt, kam das Redigieren ins Rollen.

Ein Glücksfall für uns: Die Akademie zog im Jahr 2017 in Hamburgs schöne Speicherstadt.

Ein Glücksfall für uns: Die Akademie zog im Jahr 2017 in Hamburgs schöne Speicherstadt.

Auf der Suche nach „Fenstern“
Am Nachmittag wartete auch schon ein groß gewachsener und redseliger Andreas Bormann von der NDR-Redezeit auf uns Volontäre. Der Nordfriese ist ein Meister darin, Menschen im Interview Informationen zu entlocken und sogenannte „Fenster“ zu finden, um immer mehr und tiefergehendes über sein Gegenüber herauszufinden. Und eben diese Fenster zu finden, Informationen aus Menschen heraus zu kitzeln, sollte am nächsten Tag auch unsere Aufgabe sein. Mit einem kurzfristig servierten Interviewpartner, wenig Vorbereitungszeit, aber vor laufender Kamera, würden wir am folgenden Tag ein Interview abhalten – ob wir wollten oder nicht.

Kamera, Action!
Also stand der darauffolgende Tag ganz im Zeichen unserer Interviews. Fünf potenzielle Gesprächspartner wurden uns präsentiert, samt wenig Hintergrundinformationen. Frohen Mutes und doch ein wenig nervös stürzten wir uns in den getakteten Zeitplan und befeuerten unser Gegenüber mit Fragen, auf der Suche nach „Fenstern“, die uns den Einstieg in die tieferen Lagen des Interviewpartners ermöglichen würden. Aber bitte nicht in die Kamera gucken. Für einige von uns waren die fünf Minuten quälend lang, andere bemerkten gar nicht, dass die Zeit bereits lange vorüber war und löcherten ihren Gegenüber einfach weiter. Aufatmen, nachdem dies überstanden war – und gespanntes Warten auf die Auswertung am Nachmittag. Bormann nahm sich für uns alle die nötige Zeit, gemeinsam sichteten wir die Videoaufnahmen und besprachen unsere Leistung. Ein lehrreicher und auch überaus unterhaltsamer Tag, aus dem wir alle Viel für unsere Arbeit in den Redaktionen mitnehmen konnten. Der darauffolgende Freitag und das Pfingstwochenende standen dann gänzlich im Zeichen unserer Storys. Fleißig wurde geschrieben und redigiert. Zusätzlich genossen wir alle die Möglichkeit, uns untereinander auszutauschen über Bedenken, Schreibstil oder Ideen – und nebenbei entwickelten sich aus lockeren Bekanntschaften die ersten zarten Freundschaften.

von Nadine Hartmann

Fortsetzung folgt