Lihra meint...

Lihra meint…

Vom Glück geflutet?

Es war einer dieser wunderbaren Spätsommertage. Die Felder um Minden waren in warmes, honiggelbes Licht getaucht, die Sonnenstrahlen brachen sich in den Blättern der Bäume. Ein leichter Wind ging – kein Mensch weit und breit. Nur meine Frau und ich. Wir standen da, an unsere Fahrräder gelehnt und konnten unser Glück kaum fassen. Eine unglaubliche Wärme durchflutete unsere Körper, alles schien plötzlich leicht, der Alltag und mit ihm all die großen und kleinen Sorgen waren auf einmal unendlich weit weg. Es war einer jener Momente, die Herbert Grönemeyer in seinem Song „Sekundenglück“ so treffend umschreibt: „Und du denkst, dein Herz schwappt dir über…. Es sind die einzigartigen tausendstel Momente. Das ist, was man Sekundenglück nennt“.

Das Lied widmet sich den leisen, intimen Momenten, dem großen Glück im Kleinen, diesem Moment, den wir an jenem Spätsommertag erlebt haben. Kennen Sie das auch? Vielleicht, als Sie vom Glück beseelt an der Weser entlanggelaufen sind? Als Ihre Kinder völlig enthemmt in einer Pfütze herumgesprungen sind? Die liebevolle Umarmung mit Blick auf den „Wilhelm“? Keine Spur von dicken Autos, prächtigen Villen und fader Innenstadt Mindens.

Irgendwie sind uns diese Momente abhandengekommen. Der Wohlstand hat sich in Minden in den vergangenen Jahrzehnten erhöht, gleichzeitig scheint mir das Glücks- und Zufriedenheitsgefühl gesunken zu sein. Skandinavier sind glücklicher. Woher rührt das stabil hohe Lebensglück dort? Sie leben anders als wir! Vertrauen ist dort größer. Man darf dort man selbst sein. Es gibt unter den Menschen mehr Gemeinschaft und eine starke Verbundenheit zur Natur.
Gemeinschaftsgefühl entsteht nicht von selbst. Mindener müssen zusammen Dinge in Angriff nehmen und dadurch soziale Kontakte intensiv pflegen. Jeder muckelt hier so vor sich hin. In Skandinavien ist das Vertrauensniveau extrem hoch. Auch in unserem nördlichstem Bundesland. Warum nicht in Minden? Wir sehen oftmals alles negativ, haben den Tunnelblick. Da müssen wir raus, offen sein und eine klare Vorstellung vom Glück in Minden haben. Wir müssen uns realistische und sinnvolle Ziele setzen. Lassen Sie uns die persönlichen, die sozialen Beziehungen und die Beiträge zur Gesellschaft ins Blickfeld nehmen.

Seitdem ich einen Lebensmittelpunkt an der Ostsee habe, lebe ich anders. Wie die Menschen dort. Viel häufiger sind sie draußen unterwegs. Bei jedem Wind und Wetter. Das erdet. Das geht in Minden auch. Schauen Sie doch einmal auf die Weserwiesen, die Porta Westfalica, unsere wunderschöne Landschaft. Mich überkommen dann Glücksgefühle. „Und du denkst, dein Herz schwappt dir über…“ Ergeben Sie sich diesen Momenten.