Willkommen an der Fleet-Akademie

Willkommen an der Fleet-Akademie

Oppermann-Volontäre in renommierter Journalistenschmiede in Hamburg

Es kommt die Zeit in einem Volontärsleben, da geht es für einen Monat raus aus der Redaktion und rein in die theoretische Welt des Journalismus. Der vierwöchige Volontärskurs ist Inhalt der Ausbildung zum Redakteur und für jeden Volo obligatorisch. Auch für die Oppermann-Volontäre steht diese Etappe auf dem Ausbildungsplan. Seit Anfang 2018 dürfen sie dafür nach Hamburg an eine der renommiertesten Journalistenschulen Deutschlands gehen, um das journalistische Handwerk von der Pike auf zu lernen – an der Akademie für Publizistik.

Auch ich, Volontärin Nadine Hartmann, war von der ersten Minute verliebt in die schöne Hansestadt.

Auch ich, Volontärin Nadine Hartmann, war von der ersten Minute verliebt in die schöne Hansestadt.

Ankommen am Cremon
Einige glückliche Umstände spielten uns Volos, die im Mai dieses Jahres die Akademie stürmten, um das journalistische Handwerk tiefgehender zu erlernen, in die Hände. Zum einen ein überaus sonniger und beständiger Mai, der mit bestem Sommerwetter aufwartete und Hamburg von seiner schönsten Seite präsentierte. Und der Umstand, dass die Akademie Anfang 2017, zum zweiten Mal in ihrer Geschichte, umziehen musste und die tolle Location am Cremon bezog. An der Speicherstadt gelegen, umgeben von Kontorhäusern und flankiert vom Nikolaifleet und der Deichstraße, eine der ältesten Straßen Hamburgs, befanden wir uns einer beeindruckenden, akademisch-inspirierenden Umgebung, die jeder von uns sogleich in sein Herz schloss. Ein guter Start für lehr- und ereignisreiche vier Wochen. Die Akademie, 1970 gegründet, ist die führende Institution für die journalistische Aus- und Weiterbildung in Deutschland und entwickelt mit ihren Dozenten Angebote von hoher Qualität in einer wertschätzenden und ermutigenden Atmosphäre. In einer Atmosphäre „unter Freunden“ soll so ein fruchtbarer Austausch stattfinden und das Knüpfen von Netzwerken erleichtert werden – absolut zutreffend, wie wir bald feststellen sollten.
Bereits am ersten sonnigen Tag wurde uns allen ersichtlich, dass wir uns die nächsten vier Wochen in einer offenen, modernen und lockeren Umgebung bewegen werden und mit einem selber 19 andere angehende Journalisten „in einem Boot“ sitzen. Kontakte wurden schnell geknüpft, Gemeinsamkeiten waren natürlich ohne Ende vorhanden, schließlich arbeiten wir alle im selben Beruf und haben oft ähnliche Erfahrungen gemacht. Der Mai-Kurs wurde von zahlreiche Magazin-, Tageszeitungs- und Agenturvolontären bestückt, als einziger Anzeigenvolo durfte ich teilnehmen. Eine illustre Runde aus ganz Deutschland, angefangen beim südlichen Freiburg über Mainz, Osnabrück und Hildesheim bis hoch in den hohen Norden Hamburgs, fand sich also zusammen, unter der Federführung von unserem Kursleiter, Ruhepol und seinerseits selber freier Redakteur für den NDR, Felix Klabbe.

Vier Wochen lang war hier unsere neue, temporäre Heimat: Am Cremon 32.

Vier Wochen lang war hier unsere neue, temporäre Heimat: Am Cremon 32.

Lernen am Nikolaifleet
Bereits am ersten Tag starteten wir motiviert und hoch interessiert in die erste Lektion „Themenfindung – sie sollen auf der Straße liegen“ mit Josephine von Zastrow von den Lübecker Nachrichten. Mit offenen Augen die Medienlandschaft sichten, mit der Nase spannende Themen erschnüffeln, auf die lokale Ebene herunterbrechen – sogleich waren wir mittendrin in der ursprünglichsten Form des Journalismus – den Nachrichten. In kleinen Grüppchen und nach Medienrichtung geordnet erstellten wir unsere eigene Titelseite samt aktueller Themenauswahl, die wir so an diesem Tage veröffentlichen würden. Als Lokalredakteurin widmete ich mich natürlich einer Titelseite einer lokalen Hamburger Zeitung – und unser Ergebnis wurde wohlwollend und anerkennend angenommen. Erste Prüfung gemeistert, und diese Lektion schlug auch gleich den Bogen zu den Einheiten, die uns in den nächsten Tagen und Wochen noch begegnen sollten. Christoph Stukenbrock, Büroleiter des Sport-Informations-Dienstes in Hamburg, beschäftige sich mit uns am folgenden Tag mit dem Schreiben fundierter Nachrichten, bevor es in die erste „Nachtrecherche“ in Hamburg ging. Leicht müde aber immer noch hochmotiviert widmeten wir uns am Mittwoch mit der ehemaligen Textchefin von stern.de, Annette Bolz, den kleinen Texten und ihrer großen Wirkung. Emsig wurden Teaser und Bildunterschriften verfasst, und die ersten großen Erkenntnisgewinne folgten auf dem Fuße. Die Wirkung von Bildunterschriften und Teasern wurde und wird oft unterschätzt, dabei können diese kleinen Zeilen doch große Wirkung erzielen und erst dafür sorgen, dass ein Artikel wirklich gelesen wird. Mit dieser lehrreichen Lektion im Gepäck starteten wir am nächsten Tag mit Katharina Kütemeyer in die Social Media Einheit. Kütemeyer selber hat das Social Media Team des Stern mit aufgebaut und später geleitet. Durch ihre Expertise lernten wir Wichtiges für das Posten in den unterschiedlichen Sozialen Medien und für die User-Kommunikation.

So ruhig und friedlich war es bei weitem nicht oft in unserem großzügigen Seminarraum - wurde hier meist lautstark gefachsimpelt, sich beraten und ausgetauscht.

So ruhig und friedlich war es bei weitem nicht oft in unserem großzügigen Seminarraum – wurde hier meist lautstark gefachsimpelt, sich beraten und ausgetauscht.

Wer muss mir was sagen?
Zum Freitag wartete die Akademie dann mit einem richtigen Spezialisten auf: Peter Hornung aus dem Reporterpool des NDR, der sich dort mit investigativen Recherchen zur Wirtschaft und Gesundheit beschäftigt und bereits für seine Arbeit den Ernst-Schneider-Preis für Publizistik erhalten hat. Seit 2015 arbeitet er ebenfalls im Ressort Investigation des NDR und war unter anderem bei den Recherchen um die Aufdeckung der Panama Papers und dem VW-Diesel-Skandal beteiligt. Mit seiner unaufgeregten und abgeklärten Art vermittelte er uns die Grundlagen der Recherche und darüber hinaus. Wer muss uns was sagen, wie können wir das verwenden und wo kommen wir an schwer erhältliche Informationen wie Adressen und Telefonnummern – auf fast alle diesen Fragen kannte Hornung die Antwort. Wir recherchierten soweit, dass wir selbst ins Staunen gerieten, welche Informationen uns auf einem Male vorlagen und uns die Sprache wegblieb. Wir blickten hinter Kulissen, durchforsteten Quelltexte und tätigten Rückwärts-Suchen. So starteten wir sprachlos und überaus beeindruckt in das bevorstehende Hafengeburtstag-Wochenende.