Waschen, Schleudern und Tanzen

Waschen, Schleudern und Tanzen

Neue Show verwandelt das GOP Bad Oeynhausen in einen Waschsalon

Waschmaschinen rumpelt eifrig vor sich hin, die Waschmittelmaschine spinnt und spuckt nur noch Seifenblasen. Ein Straßenjunge hält ein Nickerchen auf den Maschinen, ein Yuppie will seinen Anzug waschen. Die Sportlerin schaut genervt auf ihre Uhr und die schicke Lady im Kostüm kann über diese Gestalten nur müde die Nase rümpfen. Eine Mutter mit Kinderwagen betritt den Waschsalon und das weinende Baby schafft es für einen kurzen Moment, dass geschäftige Treiben zu unterbrechen und alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein ganz normaler Tag in einem Waschsalon.

Claudia Coco Baricz verbiegt sich im Luftwürfel so elegant, dass dem Publikum der Atem stockt.

Claudia Coco Baricz verbiegt sich im Luftwürfel so elegant, dass dem Publikum der Atem stockt.

Doch dies ist nicht irgendein Waschsalon, sondern die GOP-Variante dessen. Kaum verwunderlich das die unterschiedlichen Salonbesucher plötzlich eine flotte Sohle aufs Parkett legen und die Waschmaschinen in Requisiten ihrer fulminanten Show verwandeln. Sängerin und Choreografin Sibongile Prudence Mtshali begeisterte das Publikum nicht nur mit ihrem kräftigen Gesang, sondern auch mit der von ihr geschaffenen Choreografie, die zeitweilig das GOP in eine Musicalbühne verwandelt. Asha Mohamed vollführt wundersames mit erst einem, dann zweien, dreien und später unzähligen Hula Hoop-Reifen, bevor sie wenig später vom Vertikaltuch getragen in luftige Höhen schwebt und die Zuschauer ein zweites Mal verzaubert. Auch humoristisch soll das Publikum aber im Waschsalon nicht zu kurz kommen – die Herren der Show unterhalten mit minimalistischer Slapstik und tollpatschigen Verrenkungen. Doch die leicht genervte Sportlerin, verkörpert von Claudia Coco Baricz, vertreibt die ulkigen Gesellen schnell von der Bühne, schließlich hat sie keine Zeit und noch viel Wäsche zu erledigen. Nebenbei wird sich verbogen und verrenkt, wie es einer wahren Kontorsions-Meisterin würdig ist. Ihr folgt auf dem Fuße die schicke Lady, verkörpert von der Quick-Change-Koryphäe Natalie. In Windeseile wird das Outfit gewechselt, sodass der Zuschauer mit recht an Zauberei denkt. Nebenbei wirbelt sie runde Teppiche wie Pizzateige durch die Luft und vollführt Balanceakte, auf ihren Händen stehend, versteht sich natürlich. Diese Faszination des Publikums wird unterbrochen durch den wortkargen, dafür aber reich an Humor gestalteten Auftritt von Tom Murphy, der dafür sorgt, dass kein Auge trocken bleibt. Dabei vollzieht er einen Strip bis auf die Unterhose und unterhält die GOP-Gäste mit Geräuschen, Kinn-Balance und sympathischer Tollpatschigkeit. Ein groß gewachsener Handwerker betritt den Salon – Mohamed Tadei ist der freundliche Herr, der für absolute Stille im Saal sorgt. Denn nicht nur seine Handstandkunst begeistert – sein Wagemut, während er auf der Waschmaschinen mit seinen Rola-Rolas immer größere und wackeligere Türme baut und darauf scheinbar furchtlos balanciert, lässt das Publikum so ruhig werden, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Doch alles gelingt, und die Zuschauer können aufatmen. Darren Burrell beruhigt das Publikum etwas mit seiner Seifenblasenkunst, die ihresgleichen sucht. Scheinbar mühelos steckt er die eine in die größere Seifenblase, füllt sie mit Rauch und spielt mit den feinen Blasen. Herr Benedict betritt die Bühne, im Gepäck das Cyr Wheel. Mit ihm tanzt der junge Berliner förmlich, bis er sich selber in den Reifen schwingt und federleicht mit ihm über die Bühne fegt. Der junge Mann scheint eins zu werden mit dem mannshohen Ring und sorgt für Faszination im Publikum.

Doch jeder Tag hat auch seine Ende und irgendwann kehrt auch im wildesten Waschsalon wieder Ruhe ein. Der GOP-Waschsalon jedoch wirbelt noch bis zum 6. Januar 2019 weiter in Bad Oeynhausen. Ein Besuch dort lohnt sich für Freunde weißer Wäsche und fulminanter Unterhaltung allemal. (nh)