Aktuelle Entwicklungen im Hiller Mordprozess

Aktuelle Entwicklungen im Hiller Mordprozess

Angeklagte belasten sich gegenseitig mit grausigen Vorwürfen

Seit Anfang September wird in Bielefeld über die Morde in Hille-Neuenbaum verhandelt. Jörg W. ist des dreifachen Mordes angeklagt, Kevin R. des Mordes, Totschlags und der Beihilfe zum Mord.

Auch das Grundstück eines der Opfer, Gerd F., wurde später zum Mordschauplatz: hier wurde der Stadthäger Fadi S. erschlagen.

Auch das Grundstück eines der Opfer, Gerd F., wurde später zum Mordschauplatz: hier wurde der Stadthäger Fadi S. erschlagen.

Was bisher geschah
Anfang März wurde ein 30-jähriger Stadthäger zunächst vermisst und dann erschlagen auf einem Gehöft in Neuenbaum aufgefunden wurde. Es verdichtete sich der Verdacht gegen den 51-jährigen Jörg W.. Nach einer Flucht bis nach Bayern wurde W. gefasst und gestand die Tat. Später stellte sich heraus, dass auch der Besitzer des Hofes Gerd F., auf dem der Stadthäger gefunden wurde, und ein Hilfsarbeiter Jochen K., seit August 2017 verschwunden waren. Kurz darauf wurden auf W.’s Grundstück von der Mordkommision „Wilhelm“ zwei vergrabene Leichen entdeckt. Später stießen die Profiler auf den 24-jährigen Kevin R., der sich schnell als Mittäter verdächtigt machte und ebenfalls festgenommen wurde. Beide wurden des dreifachen Mordes angeklagt, der Prozess startete Anfang September. Hier wurden unter anderem die Tatortberichte der Polizei verlesen, auch das Motiv der Habgier bestätigte sich weiter. Der Vorsitzende Richter wies ebenfalls darauf hin, dass beiden Angeklagten Sicherheitsverwahrung drohe.

Auf dem Grundstück von W. sollen sich grausige Momente zuugetragen haben - Fakt ist: hier wurden zwei Leichen gefunden.

Auf dem Grundstück von W. sollen sich grausige Momente zuugetragen haben – Fakt ist: hier wurden zwei Leichen gefunden.

Grausige Details
Mit Prozessfortsetzung im Oktober wurden weitere grausige Details zu den Verdächtigen und deren Lebensverhältnissen bekannt. So wurde eine Erklärung des Angeklagten Kevin R. verlesen; des Weiteren wurden Nachbarn, Bekannte und auch Angehörige im Zeugenstand befragt. Demnach habe R. einen Realschulabschluss sowie eine abgeschlossene Ausbildung zum Elektroniker und sich Ende 2016 bei der Bundeswehr verpflichtet. Anfang 2017 sei er dann auf den Hof in Neuenbaum gezogen; es hätte ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Ehepaar W. bestanden. R. habe rund 500 Euro monatlich an W. gezahlt, zudem habe er einen Kleinkredit aufgenommen, von dem 12.000 Euro an W. gingen. Gemeinsam hätten sie sich um den Nachbarn F. gekümmert, bis zu dessen Verschwinden. W. hätte nach Aussagen R.’s immer wieder über Geldprobleme berichtet, trotz der regelmäßigen Zahlungen von R.; der Rente seiner Frau sowie Einnahmen durch Reitstunden, Pensionspferde und sporadische Beschäftigungen W.’s sowie Pflegegeldern in Höhe von rund 3000 Euro monatlich für die Betreuung eines Pflegekindes bekommen hatte. Auch die Rolle der Ehefrau rückt weiter in den Fokus, da unter anderem SMS-Verläufe den Verdacht zulassen, dass diese über die Morde im Bilde war und ab September 2017, also kurz nach den ersten Morden, ein auffälliges Abhebeverhalten bei der Bank gezeigt habe. Auch die Details zu den Tatabläufen sind grausig – beide Opfer wurden schlimm zugerichtet und wiesen exzessive Verletzungen auf. Am Mordabend von K. hätten die Angeklagten mit Nachbarn, dem Pflegekind und dem späteren Opfer gesellig zusammen gesessen, bevor das perfide Tatgeschehen seinen Lauf genommen habe. Ob das Pflegekind auch als Zeugin verhört werden soll, ist noch unklar. Auch das andere Mordopfer F. sei hinterrücks angefallen und so umfangreich verletzt worden, dass die Todesursache nicht festzustellen war. Nachbarn und Kollegen zeigten sich geschockt und ungläubig über die Ereignisse. Einem Arbeitskollegen habe W. auch das verschwundene Moped und den Trecker von K. zum Verkauf angeboten – wieder ein Versuch, sich an seinen Opfern zu bereichern. Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt. (nh)

Im Zuge der Ermittlungen stieß die Mordkommission auf immer mehr grausige Details und Verbindungen.

Im Zuge der Ermittlungen stieß die Mordkommission auf immer mehr grausige Details und Verbindungen.