Lihra meint

Lihra meint

Schon für morgen träumen
Leider scheint das einigen Zeitgenossen kaum möglich zu sein. Visionen haben. Wie sieht unsere Stadt morgen aus? Was können wir tun, um sie attraktiv zu machen? Wie sieht das Minden der Zukunft aus? Ich habe das vor einiger Zeit einmal gemacht. Es war ein Freitag, ideales Wetter um in die Stadt zu fahren, zu shoppen, etwas zu trinken, ein paar Leute zu treffen. Meine Frau und ich machten uns auf, um mit offenen Augen durch die Innenstadt zu gehen.

Es wunderte uns, dass an solch einem schönen Tag kaum etwas los war. Warum war kaum jemand in der Bäckerstraße oder auf dem Scharn unterwegs? Wir setzten uns bei Hagemeyer ins „Pano“, mit Blick in die Bäckerstraße. Kaum Menschen. In Timmendorfer Strand an einem grauen Novembertag ist mehr los, als in Minden an einem sonnigen und warmen Tag. Nach einem Cappuccino fassten wir den Entschluss, einmal mit den Augen eines Fremden durch die Innenstadt zu gehen und uns dabei zu fragen, warum sollte man in Minden einkaufen?

Unser Weg führte über den Scharn Richtung Marktplatz. Auf der linken Seite die Baustelle. Gehört halt dazu. Die Besucher Mindens können ja nicht wissen, was in dieses Geschäftshaus demnächst für tolle Mieter einziehen. Dann kamen wir am zweiten Filetstück von Minden vorbei. Genau gegenüber. Woolworth! Draußen am Eingang empfingen uns Geisterpuppen. Oder waren es in Lumpen gehüllte Skelette? Einfach nur grausig. Wir marschierten an den Skeletten vorbei in den Laden. Welch ein Chaos. Überall standen Rollcontainer mit Pappkartons im Weg. Und die Waren auf den Krabbeltischen erst. Welch ein Kram. Nur raus hier. Wir gingen über den Marktplatz. Vor den Cafés saßen einige Leute in der Sonne und ließen es sich gut gehen. Das sah schon besser aus. Wir sparzierten dann die Obermarktstraße hoch, bis zum Kaak. Ein Frisör neben dem anderen. Aber auch Lichtblicke. Einige schöne Inhabergeführte Läden, zwei, drei Cafés. Eine Galerie, eine Möbeltischlerei und – Leerstände. Mit dem traurigen Höhepunkt: Obermarktpassage. Tja, wer bisher noch nicht überzeugt war, unbedingt Minden zu besuchen, der wird es ab diesem Punkt sicherlich nie mehr werden. Da hilft auch kaum noch der neue Lebensmitteleinzelhandel am Kaak. Viel frisches Obst und Gemüse wurde dort angeboten. Frischfleisch vom Rind, Lamm und Geflügel. Getränke und viele Dinge des täglichen Bedarfs. Das hatte etwas.

Wir drehten um, schauten uns die Bäckerstraße an. Viele Geschäfte, aber etwas Besonderes? Die meisten austauschbar. Filialisten halt, wie sie in jeder Stadt zu finden sind. Dafür muss man auch nicht unbedingt nach Minden fahren. Und welch ein Chaos im unteren Teil der Bäckerstraße. Am Wesertor. Baustelle! Hier mussten wir aufpassen, dass wir uns nicht die Füße brachen. Schrecklich auch der Durchgang zur Schlagde. Nein und nochmals Nein! Mit den Augen eines Besuchers sagten wir uns: nach Minden muss man nicht zum Einkaufen fahren.

Träumt denn in Minden keiner für morgen? Es gibt doch Visionäre. Warum sitzen die nicht in der Verwaltung? Warum gehören die Eigentümer mancher Geschäftshäuser in bester Lage nicht dazu? Außer Hagemeyer ist scheinbar niemand da, der das morgen träumt. Dabei helfen auch kleine Dinge um Minden interessant zu machen. In Berlin gibt es das Ampelmännchen aus der damaligen DDR. In Duisburg gibt es jetzt einige Bergmannsampeln. Die kleinen grünen und roten Männchen halten eine Grubenlampe in der Hand und tragen einen Helm. Wie wäre es in Minden mit dem Weserspucker als Ampel? Wenn Minden nicht für morgen träumt ist diese Stadt bald nicht mehr zu retten, obwohl sie eigentlich so viel zu bieten hat. Lassen Sie uns einfach einmal träumen – für morgen.