Lihra meint

Lihra meint

Tag der Deutschen Einheit

Diese Woche feierten wir in Deutschland den Tag der Deutschen Einheit. Er bezieht sich auf die Überwindung der deutschen Teilung. Wir feierten also Mittwoch den Fall der Mauer, die Deutschland trennte und den Tag, an dem die Deutschen wieder zu einer Einheit verschmolzen.

Na ja, das klappt zurzeit nicht überall. Es gibt noch Grenzen in den Herzen mancher Menschen. Nicht überall sind die Mauern wirklich gefallen. Nein, das ist auch falsch. Sie waren weg, werden aber hin und wieder neu aufgerichtet. Nicht sichtbar. Aber in den Köpfen so einiger Zeitgenossen. Damals wollten alle die Einheit. Man wollte nicht mehr getrennt sein durch Mauern und Ideologien. Und Deutschland schaffte das unvorstellbare. Die Mauer fiel und die Menschen waren frei.

Leider ist es heute so, dass schon wieder Mauern gebaut werden. Mauern in den Köpfen. Mauern, die dann auch in die Herzen wandern. Mauern, die die Freiheit und das Leben beeinflussen. Auch in Minden. Ich möchte noch einmal an die Hetze in den „sozialen Netzwerken“, wie Facebook erinnern. Vor etwa zwei Wochen ging es um die neuen Lebensmittelgeschäfte am Obermarkt. „Haut ab“, so wurde gehetzt. Wie Schlimm und schrecklich. Und nun ging es diese Woche schon wieder los. Anders, aber ebenso schlimm. In Minden fand der verkaufsoffene Sonntag statt. In Verbindung mit der dritten Auflage von „Hopfen und Malz“ auf dem Marktplatz. Minden bekam ein Bierfest, ausgerichtet von der Werbegemeinschaft Minden. Dafür wurde der Marktplatz komplett mit Bierzeltgarnituren und Stehtischen versehen, Livemusik gespielt.

Und trotzdem ist Minden ein „Schauplatz von Kleinkriegen“, wie jemand schrieb , denn auf Facebook wurde schon wieder kräftig ausgeteilt und für eine giftige Atmosphäre in der Stadt gesorgt. Gastronomen ärgerten sich darüber, dass die Werbegemeinschaft vor ihren Läden Verkaufsstände aufstellte. Vor einem ansässigen Burger Laden stand ein Verkaufswagen der ebenfalls Burger verkaufte. Ein Versehen? Angeblich ja, nur daran glauben kann ich nicht so richtig. Denn viele Gastronomen sind keine Mitglieder in der Mindener Werbegemeinschaft und zahlen somit auch keine Beiträge. Und die Werbegemeinschaft ist für dieses Fest zuständig und Ausrichter gewesen. Alle Gastronomen, das haben sie im Pachtvertrag mit der Stadt unterschrieben, müssen bei Veranstaltungen ihre Außengastronomie abräumen. Das ist jeder Geschäftsfrau und jedem Geschäftsmann bekannt. Und so kam es zu dieser fatalen Situation, die mich innerlich zum Schmunzeln bringt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wenn alle Seiten einmal nachgedacht hätten, wäre es zu dieser Eskalation nicht gekommen. „Denken“ bedeutet nicht“ ICH“. ICH bin der Größte, ICH darf das, ICH mache alles richtig, ICH will, ICH kann, ICH – ICH – ICH! Liebe Beteiligte, denkt daran: ICH macht einsam! Ich macht auch Kleinkriege! 
„Alles Gute für Minden“ . Eines steht jedenfalls fest: mal wieder wurde eine Mauer aufgerichtet. Mitten in Minden. Emotional ging es bei Facebook zu. Jeder griff jeden an. Vor allem Facebook User mischten kräftig mit. Zum Teil unterhalb der Gürtellinie. Tag der Deutschen Einheit in Minden? Einheit sieht anders aus. Wenn man an einem Strang zieht, ist man eine Einheit. Eine Mauer hat immer zwei Seiten. Auf der einen Seite stehen in diesem Fall einige am Markt ansässige Gastronomen, auf der anderen die Werbegemeinschaft. Dabei geht es doch um Minden, um unsere Innenstadt. Diese muss u.a. auch durch verkaufsoffene Sonntage attraktiv bleiben, denn die Konkurrenz ist groß. Da ist es falsch, sich gegenseitig auszuspielen. Da wird man schnell zum Verlierer. Denn auch die Gewerkschaft Verdi und die Kirchen spielen in diesem Kampf noch mit. Die wollen, dass Minden möglichst keine verkaufsoffenen Sonntage hat. Und wenn das so kommt, verliert nicht nur die Werbegemeinschaft, die Gastronomie, die Betreiber der Verkaufswagen, Nein, dann verliert Minden. Und Minden sind wir! Also, reißt die Mauern wieder ein, setzt euch zusammen, bringt euch ein. Alle. In diesem Fall gibt es nicht Schuld und Unschuld. Die Bürger unserer Stadt können von allen Streithähnen erwarten, dass man miteinander redet. Zum Wohle unserer Stadt.