Aufklärung über Cybermobbing

Aufklärung über Cybermobbing

Feingefühl beim Umgang mit Opfern und mit Tätern

Mobbing ist nach wie vor Thema. Während dieses Phänomen früher größtenteils auf den Schulhöfen, Klassenfluren und -räumen anzufinden war, verlagert es sich nun an einen anderen, digitalen Ort: das Internet und seine sozialen Netzwerke. Durch mediale Vernetztheit, leichtem Zugang und der Möglichkeit, jemanden zu verspotten, ohne ihm ins Gesicht sehen zu müssen, kann das sogenannte „Cybermobbing“ zum Martyrium für Betroffene werden.

Diplom-Psychologe Mirco Fridrici von der regionalen Schulberatungsstelle für den Kreis Minden-Lübbecke berichtet auf MiKu-Anfrage, dass man davon ausgehen könne, dass (deutschlandweit) rund ein Drittel der Schüler zwischen 14 und 20 Jahren bereits negative Erfahrungen mit Anfeindungen und Übergriffen im Cyberspace gemacht hätten; für Cybermobbing im engeren Sinne, also wiederholte Übergriffe mit schädigender Absicht, lägen die berichteten Opferzahlen bei fünf bis zehn Prozent. Studien würden allerdings auch zeigen, dass mit zunehmenden Alter die Häufigkeit des Cybermobbings steige, ein „Höhepunkt“ zeige sich etwa in der achten und neunten Klassenstufe. Des Weiteren gebe es Hinweise, dass unter Gymnasiasten weniger CM stattfinde als auf anderen Schulformen.

Opfer kann jeder werden
Generell sei bekannt: Opfer von Mobbing könne jeder werden, denn die Anonymität des Internets senke die Hemmschwelle für die Täter, erklärt Fridrici weiter. Auslöser können hierbei ganz banal sein, manchmal reiche schon etwas Ärger oder ein Streit im realen Miteinander aus. Es komme aber auch vor, dass der Auslöser schlichtweg ein schlechter Scherz oder Langeweile sei; in extremen Fällen sehen die Täter CM gar als „Freizeitspaß“. Es gebe sogar gezielt Personen, die durch Mobbing anderer bewusst Anerkennung suchen und sich profilieren möchten. Derweil hätten sogenannte Dulder eher Angst, selber zum Opfer zu werden. So macher Täter nutze auch das Internet, um sich für selbst erlebtes Mobbing zu rächen.

Umgang mit Tätern und Opfern
Für Opfer kann CM zu einem Martyrium werden. „Ausgegrenzt zu werden gehört zu den schlimmsten Erfahrungen und Belastungen im Jugendalter“, erläutert Fidrici. Beim CM komme erschwerend hinzu, dass die Opfer zum Teil nicht wüssten, wer hinter den Übergriffen stecke, was Angst und Bedrohlichkeit weiter verstärke. Folgen können auf schulischer Ebene Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungseinbrüche sein, auf persönlicher Ebene können sich Gefühle von Schutzlosigkeit bis hin zur Depression entwickeln. Was die Betroffenen am dringensten brauchen würden, seien aufmerksame und vertrauensvolle Zuhörer, die offen nachfragen, Empathie und Einfühlungsvermögen sowie Interesse zeigen und keinerlei Vorwürfe, Anschuldigungen oder gar Strafen an die Betroffenen richten. Der Umgang mit Tätern gestaltet sich noch schwieriger, da viele zunächst nicht auszumachen seien. Diese nehmen aufgrund der physischen Distanz oft nicht mal das Leid ihrer Opfer wahr, was natürlich Hemm-Mechanismen außer Kraft setze. Bei Identifizierung komme es bei strafrechtlich-relevanten Vergehen bei einer Anzeige zu einer polizeilichen Ermittlung. Beim Bekanntwerden von Tätern würden in der Schule pädagogische Maßnahmen ergriffen werden, hierbei sei jedoch umsichtiges Handeln geboten. Auch wird vermehrt in Schulen Wert auf Prävention gelegt, um Fälle vom CM zu vermeiden. Hierbei sind Aspekte wie die Förderung der Empathiefähigkeit und der sozialen Kompetenz sowie eine Schaffung eines sozialen Klimas der Wertschätzung von ernormer Wichtigkeit. (nh)