Mit 2.000 km/h durch die Lüfte

Mit 2.000 km/h durch die Lüfte

Ehemalige Eurofighter Pilotin zu Gast in Bückeburg: Nicola Baumann will jetzt ins Weltall

„Ich würde diesen Weg jederzeit wieder so gehen“, beginnt Nicola Baumann ihren Vortrag auf der Bühne des bis auf den letzten Platz gefüllten Rathaussaals. Anlässlich der Ortsversammlung der Volksbank in Schaumburg spricht sie dort „von Träumen, Disziplin und dem wichtigen Quäntchen Glück“.
Sympathisch, hübsch und dynamisch hat die 1985 in München geborene Kampfjetpilotin die Zuschauer schnell in ihren Bann gezogen. „Eurofighter fliegen zu dürfen, ist für das Selbstbewusstsein sehr gut“, sagt sie und grinst. Doch bis zur Piloten ist es ein langer, langer Weg gewesen. „Ein Marathon“, wie sie sagt. Mit 19 Jahren hat sie sich bei der Bundeswehr beworben. Sie wollte fliegen, das fand sie schon immer faszinierend. Für die Pilotenausbildung bei der Lufthansa war sie ein paar Zentimeter zu klein.

„Ich hatte anfangs ein klischeehaftes „Top Gun“-Bild von der Pilotenausbildung im Kopf. Das wurde aber schnell wieder geradegerückt“, erzählt Major Nicola Baumann. Sie wurde Fluglehrerin und schließlich zur zweiten Frau, die als Kampfpilotin bei der Bundeswehr gedient hat. 2015 schulte sie auf den Eurofighter um und ist eine von drei Frauen in der deutschen Luftwaffe, die dieses Jagdflugzeug fliegen durften. „Das ist ein wahnsinniges Gefühl, so eine Maschine zu fliegen. Zwei Triebwerke mit je 70.000 PS beschleunigen den Jet auf zweifache Schallgeschwindigkeit in 18 Kilometern Höhe“, beschreibt sie ihren Zuhörern.

2018 nahm Baumann Abschied von der Bundeswehr und arbeitet nun in der Unternehmensberatung. Doch völlig vom Fliegen verabschieden, das kann sie sich noch nicht. Nicola Baumann will ins Weltall. Eine privat finanzierte Initiative gründete sich, wollte weibliche Astronauten ausbilden und ins Weltall zur Raumstation ISS schießen. Nach Abschluss ihres Maschinenbaustudiums hat Baumann sich dort beworben. Von 400 Bewerberinnen wurden nach Tests in Konzentration, Kurzzeitgedächtnis und Stressfestigkeit zwei Frauen ausgewählt, sie war eine davon. Die Mission: Zehn Tage Aufenthalt auf der ISS im Jahr 2020. Baumanns Motivation 400 Kilometer hoch über der Erde zu fliegen: „Ich habe noch nie Polarlichter gesehen. Von dort oben ist es fast so, als könnte man sie anfassen“, schwärmt sie. Das Astronautentraining dafür hat sie in Russland absolviert. „Parabelflüge zur Simulation von Schwerelosigkeit, das ist ein geiles Gefühl. Es ist mit nichts zu vergleichen, das ich kenne“, erzählt sie begeistert.

Das Konzept, um das Projekt zu finanzieren, sie jedoch leider nicht aufgegangen. Baumann musste auf der Erde bleiben: „Ich warte noch auf meine Chance ins All zu fliegen. Zehn Jahre bleiben mir dafür noch.“ (Foto: jh)