Gesetze und Gewohnheiten im Konflikt

Gesetze und Gewohnheiten im Konflikt

Kommentar zu „Das Leben ist doch kein Ponyhof“ von Nadine Hartmann

Wir haben Gesetze und an die müssen wir uns halten. So weit, so gut. Doch es gibt auch viele Gesetze, die wir entweder nicht kennen oder die für das reguläre, gesellschaftliche Miteinander nicht immer relevant sind. In manchen Fällen können sie quasi plötzlich aktiviert und eingefordert werden – auch wenn sich jahrelang niemand dafür interessiert hat.
Natürlich stehen Gesetze über dem Gewohnheitsrecht. Doch ist es fair, plötzlich aus vielleicht persönlichen Beweggründen potenziell etwas zu zerstören, wovon viele profitieren und was bisher niemanden gestört hat? Eine schnöde Anzeige reicht, und die Stadt Minden, die dem Ponyclub eigentlich nichts Böses möchte, ist gezwungen, Frau Bitici zur Schließung ihres Betriebes aufzufordern. Obwohl sogar eine Genehmigung vom Veterinäramt vorliege – sollte das Bauamt nicht darüber Bescheid wissen oder umgekeht: das Veterinäramt über dieses Gesetz im Bilde sein? Drängt sich die Frage auf: Weiß hier die eine Hand nicht, was die andere macht?
Mit einem Ende des Ponyclubs Minden würde nicht nur der Traum einer einzelnen Person, Frau Bitici, und deren Tochter zerstört werden, die von der Aufrechterhaltung des Betriebes nicht mal finanziell profitieren möchten. Vielmehr leiden auch viele Kinder und Jugendliche darunter, die hier einen Anlaufpunkt und einen Ort, um ihr Hobby zu pflegen und mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen, gefunden haben. Doch nicht nur sie, sondern auch zahlreiche weitere private Pferdehalter im Mühlenkreis könnten hiervon betroffen sein.
Was vorher wahrscheinlich vielen nicht bewusst und bekannt war, könnte nun zu einer Katastrophe für viele Pferdebesitzer werden. Zeit, dass sich was ändert, bevor noch mehr Menschen und Pferden ein ähnliches Schicksal wie Frau Bitici droht. Die Petition ist auf dem Weg – kann man nur hoffen, dass sie auf genügend Unterstützer und Gehör im Landtag stößt. (nh)