Karl-Friedrich Lihra meint...

Karl-Friedrich Lihra meint…

Blüh im Glanze – Mehr Vielfalt für Mindens Innenstadt

„Schleswig Holstein blüht auf“, verkündete das dortige Umweltministerium in der letzten Woche. Toll, das hätte ich in Minden auch gern. „Minden blüht auf“. Was würden Sie zu dieser Meldung sagen? Angesichts der Dürre des Sommers lesen Sie dann lieber noch ein zweites Mal, ob sich Ihre Augen nicht täuschen? Müsste es nicht besser heißen „Minden verblüht“? Würden Sie das passender finden, wo uns doch täglich Meldungen wie diese erreichen: Wegen der Trockenheit ist die Milch nicht fett genug und die Kartoffeln sind so klein, dass sie sich schämen, geerntet zu werden. Nun ja, ein gewisser Kohl hat auch von blühenden Landschaften gesprochen. Es braucht eben Geduld.

Zurück zu der Meldung aus unserem nördlichsten Bundesland. „Schleswig Holstein blüht auf“ ist eine Aktion, bei der 202 Landwirte kostenloses Saatgut in die Erde gebracht haben. Es geht darum, möglichst viele Blühflächen entstehen zu lassen, seltene Arten zu retten statt jeden Acker mit neuen Häusern zu bebauen. Rückzugsräume für Insekten und Feldvögel sollen entstehen. 4725 Kilo der einjährigen Blühmischung „Bienenweide“ wurden ausgebracht. „Blüh im Glanze dieses Glückes“ möchten wir die Nationalhymne zitieren.

„Blüh im Glanze“ würde ich auch gern für Minden als Slogan haben. Aber da gibt es ja ein paar Dummköpfe, die das mal wieder ganz falsch verstehen. Die singen eine andere Strophe der Nationalhymne. Vielfalt scheint in Minden nicht gewünscht. Erst vor kurzer Zeit noch wurde beklagt, dass es in der Innenstadt nach dem Weggang von Kaufland aus der Obermarktpassage, keinen Lebensmitteleinzelhändler mehr in der City gab. Aus und vorbei. Doch dann machten sich ein paar wagemutige Geschäftsleute auf und eröffneten kleine Läden. Keine Vollsortimenter. Nein, aber dort kann sich jede und jeder mit allen Lebensmitteln des täglichen Bedarfs versorgen. „Blüh im Glanze“, Minden.

Aber nichts da mit Artenvielfalt. Den einen wird es schwer gemacht ihr Geschäft zu betreiben, weil die Werbung nicht passt. Zu bunt, zu groß, nicht passend. Aus der gerade ausgesäten Blumenmischung wurden die buntesten Sorten, um im Bild zu bleiben, sofort wieder aussortiert. Passt nicht in die Innenstadt. Wir wollen doch dort keine Blühfläche entstehen lassen. Zwei weitere Läden machten in der oberen Altstadt auf. Die einen stammen aus der Türkei, die anderen aus Syrien. Und dann kommen gleich ein paar Idioten, die wollen sie vertreiben. Im Internet tauchen Schmähungen auf. Bleibt zuhause! Haut ab! Was wollt ihr hier? „Blüh im Glanze dieses Glückes“, liebes Minden.
Was ist bloß los in dieser Stadt? Glauben diese Spinner wirklich, dass wir uns davon beeinflussen lassen und dort nicht kaufen? Ja wo sind wir denn hingekommen? Diese Zeiten gab es schon einmal. Liebe Mi-Ku-Leser, jetzt erst recht. Wenn Sie in der Obermarktstraße sind, am Kaak, dann gehen Sie in diese Geschäfte und kaufen Sie frisches Obst und Gemüse. Auch Fleisch vom Rind und Lammkoteletts. Sie sind jetzt an der Reihe zu säen, damit Minden aufblüht.

„Blüh im Glanze“, Minden. Wie kann das noch geschehen? Wir benötigen in Minden eine Regio-Saat. Eine spezielle Blühmischung, die auf Minden zugeschnitten ist. Sonst wird das nichts. Ich sehe nämlich viele Flächen, die sind verwüstet. Noch gehört die Obermarkt-Passage dazu. Hier fehlt diese Regio-Saat. Dünger muss her. Aber hier habe ich die Hoffnung, dass die „Säleute“ schon unterwegs sind. Mit dem richtigen Saatgut im Beutel und dem dafür benötigten Dünger. Allerdings sieht es in der unteren Bäckerstraße und am Wesertor ebenso fatal aus. Ödes Brachland, kein Wachstum, keine Blüten oder Blumen. Auch hier benötigt Minden eine ganz spezielle Minden-Saat, damit sich dort endlich etwas tut. Die Geschäftsleute stöhnen. Die Hitze des Alltags hat dort fast alles verbrannt. Hier fehlt es an fast allem. Dieses Jahr soll dort nichts mehr wachsen. Passen wir auf, dass das, was dort noch lebt, nicht auch noch abstirbt. Hier ist die Kommune an der Reihe zu säen. Mit einer neuen Saatmischung. Die den Insekten der Stadt Minden angepasst ist. Sozusagen unseren Mindener Wildpflanzen. Lichtnelken und Wegewarten zum Beispiel. Die dort dann zum Glanze dieser Stadt blühen. Wir benötigen in Minden mehr Nachhaltigkeit. Damit auch 2019 noch etwas blüht.