Verworrene Verhandlungen ums Parken in der Obermarktpassage

Verworrene Verhandlungen ums Parken in der Obermarktpassage

Hier parkt bald niemand mehr

Es sind schon viele Weserlieder gesungen worden, seit die Obermarktpassage im Jahr 1985 mit einem bunten Fest eröffnet wurde, doch nach dem Auszug der letzten Mieter und der Aufkündigung der Parkplätze in der Tiefgarage rückt das Ende immer näher und das Drama nimmt farblos seinen Lauf. Übernahmegespräche fruchten nicht, Mitarbeiter des Parkhauses klammern sich an letzte Hoffnungen und fatale Handlungen erfolgen genauso wie widersprüchliche Aussagen. Wir geben einen Überblick über die neusten Entwicklungen.

Die ganze Entwicklung sei absolut unschön und zu erwarten gewesen, sagt eine Insiderin der Stadt Minden. Innenstadtkoordinator Michael Lax habe die Entwicklung bereits im Sommer nach dem Auszug der letzten gewerblichen Mieter wie dem „China Wok“ oder dem „Döner King“ kommen sehen und in Sitzungen auf ein „riesiges bevorstehendes Parkplatzproblem“ hingewiesen. Man habe schlicht und ergreifend nicht schnell genug gehandelt, sagt die Insiderin. Ob die Stadt aus diesem Grund, so sagte kürzlich der Bauabgeordnete Lars Bursian, von der Neuigkeit unerwartet getroffen wurde, darf aus diesem Grund zumindest angezweifelt werden. Nichtsdestotrotz werde die Stadt nochmals an den Eigentümer der Obermarktpassage herantreten, „da die Stellplätze nach Ansicht der Stadt Minden auch ohne den Betrieb der Passage erhalten bleiben könnten“, erklärt Katharina Heß, Pressesprecherin der Stadt Minden.

"Insgesamt 96 Stellflächen sind für die Mitarbeiter der Stadt kostenfrei." (Katharina Heß, Stadt Minden)

„Insgesamt 96 Stellflächen sind für die Mitarbeiter der Stadt kostenfrei.“ (Katharina Heß, Stadt Minden)

Wut über die aktuelle Situation
Existenzbedrohend stellt sich die Situation unter anderem für die Mitarbeiter von Contipark (CP) sowie den ansässigen Arztpraxen in der Obermarktpassage dar. Im Gespräch mit einem Mitarbeiter des Parkhauses, den wir hier zu seinem Schutz im weiteren Jan T. nennen, wurden Sorgen und zugleich auch Frustration über die aktuelle Situation offensichtlich. Jan T. und seine Kollegen wurden Ende August von ContiPark darüber unterrichtet, dass das Parkhaus vermutlich zum Septemberende schließen werde. In einem persönlichen Gespräch habe ContiPark den Mitarbeitern über aktuelle Entwicklungen und auch Vermittlungsversuche mit den Inhabern der Obermarktpassage berichtet. So soll zunächst eine Pachterhöhung angeboten worden seien, danach habe Contipark sogar ein Kaufangebot für die Tiefgarage angeboten – bisher aber ohne Erfolg. Zur Schadenbegrenzung versucht CP nun zumindest, die in der Obermarktpassage angestellten Mitarbeiter in anderen Parkhäusern ihres Unternehmens unterzubringen. Bei einem habe das geklappt, bei weiteren seien aufgrund der Entfernung ein Einsatz in einem anderen Parkhaus nicht umsetzbar. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, wir wollen bis zum letzten Tag um unsere Arbeitsplätze kämpfen“, bekräftigt Jan T. Die Mitarbeiter von CP zeigten sich indes verärgert darüber, dass die Stadt Minden nicht früher eingegriffen habe und es überhaupt so weit kommen konnte. „Die mussten doch wissen, was hier vor sich geht. Das hat schließlich Konsequenzen für so viele Bürger und Pendler Mindens, die auf zentrale und günstige Parkmöglichkeiten angewiesen sind“, so Jan T.

Über dieses enge Treppenhaus können Nutzer des Parkhausen auf die Lindenstraße gelangen - für Menschen mit Mobilitätsproblemen ein unüberwindbares Hindernis.

Über dieses enge Treppenhaus können Nutzer des Parkhausen auf die Lindenstraße gelangen – für Menschen mit Mobilitätsproblemen ein unüberwindbares Hindernis.

Schwer zu überwindende Hindernisse
Vor allen Dingen für Patienten der beiden verbleibenden Ärzte und auch Personen, die in die Richtung Innenstadt wollen, wird der Zugang zu den sich oben befindlichen Praxen zusätzlich erschwert. Durch die Schließung des Zuganges vom ZOB und der kommenden Schließung des Zugangs von der Obermarktstraße wird lediglich der Ausgang zur Lindenstraße, begehbar über ein enges Treppenhaus, erhalten bleiben. Für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß oder auf Gehhilfen angewiesen sind, ist dies ein unüberwindbares Hindernis. „Daher sind wir im Moment gezwungen, diese Personen über die Parkhauszufahrt nach draußen und wieder herein zu leiten. Durch die Steigung und die Kurve in diesem Bereich eine schon relativ gefährliche und ohnehin mühsame Angelegenheit, die so nicht tragbar ist“, erklärt Jan T. verärgert. Im Moment passen er und seine Kollegen in solchen Fällen auf, dass die Personen sicher hoch und runter gelangen. Doch dieser Zustand regt sie ungemein auf. Auch im MiKu-Gespräch mit einem der ansässigen Ärzte, dem Zahnarzt Fouad Jaddou, wird deutlich, dass die aktuelle Situation mehr als nur ein Ärgernis ist.

Die Einfahrt zur Tiefgarage wird - Stand jetzt - ab Ende September geschlossen bleiben.

Die Einfahrt zur Tiefgarage wird – Stand jetzt – ab Ende September geschlossen bleiben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Jaddou ist Teileigentümer und bereits von Beginn an dort ansässig. Auch er zeigte seinen Unmut darüber, dass dem Eigentümer das Schicksal der betroffenen Personen egal sei. Viele seiner Patienten seien nicht mehr so mobil und haben Schwierigkeiten, von Seiten des ZOBs und der Lindestraße in die obere Etage zu den Praxisräumen zu gelangen. Um Abhilfe zu schaffen, wird demnächst ein Zugang seitlich zwischen den Wohnungen, zugänglich von der Obermarktstraße, geöffnet werden. Dieser soll dann den versperrten weg von der Obermarktstraße durch die Obermarktpassage ersetzen. „Der Fahrstuhl dort fährt zwar auch hoch bis zu den Wohnungen, daher kann es sein, dass sich mal ein Patient dorthin verirrt. Wir werden sehen, ob dies auf Dauer funktioniert und die Patienten den Weg zu uns auch weiterhin finden“, erklärt Jaddou. Ein Umzug aus der Obermarktpassage stellt für den Zahnarzt keine Alterative dar. Allein der Aufwand die gesamte Praxiseinrichtung und die nötige zahnärztliche Infrastruktur woanders zu installieren, wäre weder wirtschaftlich noch gewünscht. Bereits seit der 2010 erfolgten Umbildung der Obermarktpassage wuchs die Hoffnung, dass hier bald wieder Leben florieren würde, daher sei es umso enttäuschender, dass sich der Zustand immer mehr verschlechtert habe. Jaddou hegt daher die Hoffnung, dass sich die Situation und die Verhandlungen besser darstellen werden, wenn auch Contipark ausgezogen und die komplette Passage leer sei. „Eventuell kann sie dann besser veräußert werden und es ergibt sich eine Chance, neues Leben in die Obermarktpassage zu bringen.“

Dieser Zugang ist bereits seit längerem dicht, doch vor nicht allzu langer Zeit konnte man hier problemlos und barrierefrei ins Parkhaus rein und raus gelangen.

Dieser Zugang ist bereits seit längerem dicht, doch vor nicht allzu langer Zeit konnte man hier problemlos und barrierefrei ins Parkhaus rein und raus gelangen.

Alternativen suchen
Während die Parkplatzsuchenden künftig jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auf andere, teurere oder dezentralere Parkhäuser, Parkplätze oder zu Kanzlers Weide ausweichen müssen, hat die Stadt Minden bereits seit einiger Zeit ein großes Kontingent im Innenstadtgebiet inne. Dazu beauskunftet Katharina Heß: „Insgesamt 70 von der Verwaltung angemietete Parkberechtigungen im Parkhaus Marienwall, 14 Parkplätze an der Botenmeisterei und fünf auf dem kleinen vorgelagerten Parkplatz daneben auf eigenen Flächen, vier Plätze auf dem Parkplatz in der Poststraße sowie drei Parkberechtigungen in der Rathaustiefgarage stehen zur Verfügung.“ Diese 96 Stellplätze seien zur Nutzung für Privat- und Dienstfahrzeuge der Behördenangestellten sämtlich kostenfrei und würden durch die Stadt Minden getragen, so die Pressesprecherin. Auch Dr. Axel Berger von der Mindener Parkhaus GmbH merkt den einsetzenden Run auf die noch verfügbaren Dauerparkflächen. „Wir können ein hohes Anfragenaufkommen verzeichnen. Allmählich werden die verfügbaren Dauerparkflächen weniger. Allerdings haben wir noch einige Stellplätze zu vergeben.“ Die Rathaustiefgarage hingegen werde entgegen etlicher Hoffnungen auch künftig nicht für Dauerparker zur Verfügung stehen. Sie sei zu klein und werde in Kürze saniert, so Berger.

"Wir werden sehen was passiert." (Dr. Axel Berger, Mindener Parkhaus GmbH)

„Wir werden sehen was passiert.“ (Dr. Axel Berger, Mindener Parkhaus GmbH)

Verhandlungen gehen weiter
Eine Übernahme des Conti-Tiefgarage seitens der Mindener Parkhaus GmbH sei allerdings nicht vom Tisch: „Wir können hierzu aktuell nichts vermelden und werden sehen, was passiert“, zeigt sich Berger geheimnisvoll. Nach Informationen des Miku stehen zumindest Verhandlungsgespräche an. „Wir können nichts zu laufenden Verhandlungs-Gesprächen sagen“, berichtet auch Peter Lausmann von Jones Lang LaSalle (JLL), seines Zeichens zuständiger Dienstleistungs-, Beratungs- und Investmentmanagement-Anbieter im Immobiliensektor. Trotz allem sei JLL vom Vorgehen der Kündigungen der Parkplatznutzer enttäuscht: „In der Tat war die künftige Situation der Bestandsparker sowie der Praxisbesucher ein Punkt, den wir in den Gesprächen angeführt haben“, sagt Lausmann. Leider sei es zwischen Contipark und dem Eigentümer jedoch zu keiner Einigung gekommen, woraufhin ContiPark wiederum seinen Bestandsparkern gekündigt habe. Infolgedessen habe es einen erneuten Austausch mit ContiPark gegeben, der sich allerdings nur auf das Parkhaus bezog. Ein Teilverkauf des Objektes sei für die Eigentümer bis dato allerdings nicht in Frage gekommen, so Lausmann. (ns / nh)