Mehr als nur ein Freizeitbad

Mehr als nur ein Freizeitbad

Sommerbad Minden – Engagement von wenigen für viele

Verschlafen liegt es dar im Glacis, die Fahrradständer beherbergen keine Drahtesel und nur wenige Stimmen sind aus dem Inneren, von den Liegewiesen und dem Schwimmbecken zu hören. Ein großer Schäferhund läuft fröhlich mit seinem quietschenden Ball den Beckenrand entlang, ein Windhund rennt ihm spielerisch hinterher, derweil springt ein bunt-gefleckter Hund voller Elan ins Kinderbecken. Zum Saisonende veranstaltet das Sommerbad bereits zum vierten Mal das beliebte Hundeschwimmen, und auch nach Ende dieser Aktion diesen Samstag wird hier noch lange keine Ruhe einziehen, denn umfangreiche Sanierungsmaßnahmen stehen an und werden dem beliebten Mindener Freizeitbad im nächsten Jahr ein neues Gesicht geben.

Das Mindener Sommerbad blickt auf annähernd 90 Jahre Tradition zurück und wird diesen Herbst umfassend saniert.

Das Mindener Sommerbad blickt auf annähernd 90 Jahre Tradition zurück und wird diesen Herbst umfassend saniert.

Mehr als nur ein Freizeitbad
Das Traditionsbad ist inzwischen annähernd 90 Jahre alt und wird, was viele nicht wissen, bereits seit 2002 von einem gemeinnützigen Verein geführt und größtenteils durch Ehrenamtliche betrieben. Einige Angestellte unterstützen den Verein Sommerbad e.V., jedes Jahr werden unter anderem drei Bäderfachangestellte beschäftigt. Einen Großteil stemmt aber der Verein, der aus etwa 40 aktiven und 800 passiven Mitgliedern besteht. Hinzu kommen einige Helfer, die Sozialstunden ableisten, Praktikanten aus dem Club74 und weitere. „So wird der Betrieb des Bades seit Jahren durch das Engagement des Vereins aufrechterhalten“, erklärt Katrin Kosiek beim Besuch der Staatssekretärin Andrea Milz und weiteren Vertretern aus Politik und Verwaltung vergangenen Mittwoch. Da das Bad nicht auf städtische Gelder zurückgreifen kann, wurden viele anstehende Renovierungen und Sanierungen in den vergangenen Jahren partiell und aus eigenen Mitteln sowie Spenden finanziert. Im Durchschnitt besuchen rund 85000 Besucher pro Saison das Sommerbad – in diesem heißen Sommer waren es jedoch wesentlich mehr.

Zum Ende der Saison veranstaltet das Sommerbad bereits zum vierten Mal das beliebte Hundeschwimmen.

Zum Ende der Saison veranstaltet das Sommerbad bereits zum vierten Mal das beliebte Hundeschwimmen.

Ein Bad, in dem nicht nur Wasser ist
Viele Menschen stecken ihre Energie und Mühe in das Sommerbad, sodass hier bei weitem nicht nur geschwommen werden kann. Das Bad ist inzwischen ein Ort der Begegnung geworden, der regelmäßig Veranstaltungen für Jung und Alt organisiert. Seien es das Osterfeuer vor Beginn der Saison, das Nachtschwimmen, Kanupolo in Zusammenarbeit mit dem Kanuverein Mindens oder eben das allseits beliebte Hundeschwimmen, was allein letztes Wochenende rund 300 Hunde samt fröhlicher Besitzer ins Bad lockte. Jeden dritten Monat findet zudem das „Repair Cafè“ dort statt, bei denen Personen kaputte Geräte mit ins Sommerbad bringen und mit technikbegeisterten ehrenamtlichen Tüftlern reparieren können. Auch soziales Engagement wurde sich hier auf die Fahne geschrieben: seit 2015 werden hier Flüchtlingsschwimmkurse angeboten. Seit 2009 bereits bietet das Sommerbad bedürftigen Kindern die Möglichkeit, Schwimmkurse zu absolvieren. Die Kosten hierfür werden zu 90 Prozent von einer Stiftung finanziert, da sich aber regelmäßig mehr Kinder anmelden als die Stiftung übernehmen kann, wird den Übrigen diese Möglichkeit durch Gelder des Vereins ermöglicht. Eine Veranstaltung steht auch in diesem Jahr noch an: der Herbstmarkt am 3. Oktober.

Bei einem Besuch der Staatsekretärin Andrea Milz (zweite v. rechts) zeigt Vereinsvorsittende Kathrin Kosiek (mitte) den Besuchern den Zustand des Sommerbades.

Bei einem Besuch der Staatsekretärin Andrea Milz (zweite v. rechts) zeigt Vereinsvorsittende Kathrin Kosiek (mitte) den Besuchern den Zustand des Sommerbades.

Förderung durch den Bund
Im Rahmen des Förderprogramms des Bundes „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ erhält das Sommerbad nun seine verdiente Sanierung. Den Förderantrag erstellte die Stadt Minden Ende 2015 in enger Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden Kathrin Kosiek mit den drei Eckpunkten Nachhaltige Sanierung der Schwimmbecken, energetische Sanierung und Herstellung der Barrierefreiheit. Als im März 2016 die Nachricht kam, dass diese Maßnahme förderfähig sei, waren alle im Sommerbad höchst erfreut. Nun stehen bereits die ersten Gerüste, den Anfang macht die Technik. Filteranlage, Rohrleitungen und Umwälzpumpen werden erneuert, die alte Anlage stammt noch aus den 70er Jahren. Auch die Betonsanierung werde bald beginnen sowie Duschen und Umkleiden erneuert. Die energetische Sanierung wird folgen und auch das Gelände und die Zugänge zu den Schwimmbecken werden barrierefrei umgebaut. Herzstück der Sanierung ist das neue Becken, welches bereits in der neuen Saison den Besuchern des Sommerbades große Freude bereiten soll. Insgesamt werden für die Sanierung des Sommerbades rund 2,4 Millionen Euro benötigt, 2.16 Millionen kommen aus dem Förderprogramm des Bundes, die restlichen 240.000 Euro legt die Stadt Minden obendrauf. Und schon bald wird es losgehen, sodass sich alle Freunde des Sommerbades auf das neue Gesicht ihres beliebten Freizeitbades freuen dürfen. (nh)

Viele Menschen aus Minden und Umgebung haben im Sommerbad schwimmen gelernt und kommen heute mit ihren Kindern und Enkeln hierher.

Viele Menschen aus Minden und Umgebung haben im Sommerbad schwimmen gelernt und kommen heute mit ihren Kindern und Enkeln hierher.