Tierärztlicher Notdienst: Erste positive Entwicklungen in der Region

Tierärztlicher Notdienst: Erste positive Entwicklungen in der Region

MiKu-Artikel zieht Online-Petition nach sich

Es kommt erste Bewegung in die Problematik des fehlenden tierärztlichen Notdienstes in der Region (wir berichteten exklusiv). Unmittelbar nach Veröffentlichung unseres Artikels in der letzten Ausgabe ist nun eine Online-Petition ins Leben gerufen worden, die die Unterschriftenliste von Tierärztin Dr. Anja Sommer unterstützt.

„Ich hatte erfahren, dass die Tierklinik Scholten ihren Klinikstatus aufgegeben hat und zeitgleich den Artikel im Minden Kurier gelesen“, begründet die Initiatorin der Online-Petition, Alexandra Dirksmöller, ihr Vorgehen. Da es nicht jedem Tierhalter möglich sei die Praxis von Dr. Sommer aufzusuchen, habe sie überlegt, wie man diese Angelegenheit dennoch unterstützen könne. „Jede Stimme zählt bei dieser Petition“, sagt Dirksmöller. Sie selber habe bereits mit ihrem Weimaraner-Rüden ‚Churchill’ nach einem Wespenstich den Notdienst aufsuchen müssen. „Es war wirklich knapp, der allergische Schock hätte ihn fast einmal das Leben gekostet.“ Für die Zukunft wünscht sich Alexandra Dirksmöller eine Lockerung des Heilberufsgesetzes in NRW: „Damit es den Tierärzten mit kleinen Praxen überhaupt möglich ist, einen Notdienst bis zur nächsten Sprechstunde anzubieten.“ Und damit eine Kettenreaktion weiterer Kliniken bei der Aufgabe des eigenen Status nicht erfolgt.

Hoffen auf viele Unterschriften in der Online-Petition: Initiatorin Alexandra Dirksmöller mit Hund ‚Churchill’.

Hoffen auf viele Unterschriften in der Online-Petition: Initiatorin Alexandra Dirksmöller mit Hund ‚Churchill’.

Auch die ursprünglichen Initiatoren Anja Sommer und ihr Team, in deren Praxis die Unterschriftenliste ausliegt, begrüßen die Unterstützung von Dirksmöller. „Wir wurden von Frau Dirksmöller hierzu kontaktiert und fanden die Idee sehr gut“, sagt Sommer. Die daraus resultierende Entwicklung könne sich nur förderlich auf das Tierwohl auswirken. Grundsätzlich sei seit dem Bekanntwerden des tierärztlichen Engpasses eine Verunsicherung bei den Tierhalten zu bemerken, sagt die Tierärztin, doch Viele hätten bei aller Besorgnis auch Verständnis, dass die Praxis das Notdienstproblem trotz ihrer Bereitschaft bis 22 Uhr zu arbeiten, nicht alleine stemmen könne.

Tierärztin Dr. Manuela Tiefmann ist derzeit gezwungen, schwere Notfälle in weitentfernte Tierkliniken weiterzuleiten.

Tierärztin Dr. Manuela Tiefmann ist derzeit gezwungen, schwere Notfälle in weitentfernte Tierkliniken weiterzuleiten.

Ebenfalls weit über die übliche Arbeitsbereitschaft hinaus geht auch die Erreichbarkeit von einer weiteren Mindener Tierärztin. Auf ihrer Facebook-Seite schreibt Dr. Manuela Tiefmann: „Unsere Praxis hat bisher immer Notfälle versorgt, wenn ich zuhause war. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts.“ Auf Miku-Anfrage sagte Tiefmann: „Da ich in meiner kleinen Praxis die einzige Tierärztin bin und nicht dem Arbeitszeitgesetz unterliege, mache ich einfach weiter wie bisher.“ Ihre Patienten wüssten, dass sie immer für Notfälle auch ans Telefon gehe, wenn sie zuhause sei, so die Veterinärin: „Dies gilt für Tag und Nacht.“ Doch bei schweren Fällen wie Magendrehungen sind nach einer Erstbehandlung auch Manuela Tiefmann mitunter die Hände gebunden: „Alle schweren Fälle, die ich sonst zu Dr. Scholten nach Porta geschickt habe, schicke ich nun nach Bielefeld oder Hannover.“ Dabei mache sie sich Sorgen um die Menschen mit Tieren, die älter sind oder die kein Fahrzeug haben und daher Probleme haben, in eine weit entfernte Klinik zu fahren, so Tiefmann. Gleiches gelte auch für das komplizierte Finden eines durch Zufall notdienstbereiten Tierarztes in der Region. „Zu aufwendig“, denn es könne im dringenden Notfall wichtige Zeit kosten, sagt Tiefmann, die folglich einen klar geregelten und gut kommunizierten Notdienstkreis in der Region als Lösung für Routinefälle fordert. (ns)

Infobox

Aus all diesen Gründen muss schnellstmöglich wieder ein tierärztlicher Notdienst für unsere Region ins Leben gerufen werden. Nächster Termin für eine Besserung ist die außerordentliche Gremiensitzung der Tierärzte Mitte August. Daher möchten wir Sie, liebe Leser, auffordern, die Petition von Alexandra Dirksmöller zu unterschreiben. Dies ist denkbar einfach und mit wenigen Handgriffen erledigt.

Sie finden die Online-Petition unter:
www.change.org/tier-notdienstregelung-nrw

Sollten Sie die handschriftliche Unterschrift bevorzugen, so können Sie dies bei Dr. Anja Sommer in der Todtenhauser Dorfstraße 21 und auch in MiKu-Redaktion, in der Obermarktstrasse 22, erledigen.