Mosterei Oevermann vor Saisonstart Ende August

Mosterei Oevermann vor Saisonstart Ende August

Wie der Apfel in die Flasche kommt

Umringt von viel Natur kommt man auf idyllischen Wegen direkt an den ersten reif anmutenden Apfelbäumen vorbei. Doch die Herbsternte dieser Bäume wird erst der Anfang für die im beschaulichen Petershäger Südfelde gelegene Familienmosterei Oevermann sein.

Von der Vergangenheit in die Zukunft
Die Mosterei Oevermann ist ein klassischer Familienbetrieb. Bereits seit 1947 gibt es das kleine Unternehmen. Durch die Eheleute Heinz und Dorothee Oevermann gegründet, begann die Petershäger Erfolgsgeschichte mit der Produktion von Rübenkraut. „Später, in den Jahren des Wirtschaftswunders, ging der Bedarf an dem braunen „Goldsaft“ zurück und um 1954 verlagerte sich der Schwerpunkt mehr und mehr in Richtung des Apfelsaftes sowie zum Zwetschgenmus“, berichtet die Tochter der Firmengründer, Doris Heese. Heese, die zusammen mit Mann Günter mittlerweile die Mosterei in ihrem eigenen Elternhaus führt, erhält zudem tatkräftige Unterstützung von Sohn Rouven, Schwiegertochter Annika und den Enkelkindern Alegra und Justus.

Die Äpfel in ihrem Wasserbad auf dem Weg zur Mühle.

Die Äpfel in ihrem Wasserbad auf dem Weg zur Mühle.

Apfelzeit steht bevor
„Herbstzeit ist Apfelzeit. Ende August geht’s wieder los“, lacht Günter Heese zu Beginn der Führung des Betriebes mit der Anschrift „Im Ort 12“ und freut sich auf die bevorstehende Ernte. „Wir erwarten in diesem Jahr eine gute Ernte – rund 50 bis 80 Tonnen, nicht vergleichbar mit den schlechten Erträgen des Vorjahres.“ Heese, gelernter Werkzeugmacher, hat sein Hobby im Ruhestand „ein bisschen ausgebaut“ und man merkt mit welcher Passion, er dieses betreibt, wenn er den Weg des Apfels im Produktionsprozess mit strahlenden Augen beschreibt.

Die Äpfel in ihrem Wasserbad auf dem Weg zur Mühle.

Die Äpfel in ihrem Wasserbad auf dem Weg zur Mühle.

Äpfel können schwimmen
Zunächst werden uns die Äpfel als Streuobst angeliefert und gewogen. Anschließend, sagt Günter Heese, fallen die Äpfel per Rutsche auf ein Förderband und danach in eine große Sammelbox, die etwa 15 Tonnen Äpfel fasst. Von dort werden die Äpfel mit Wasser in eine Rinne gespült, gewaschen und in eine Mühle befördert. Die sogenannte „Maische“ entsteht. Diese rutscht anschließend in eine Presse und wird entsaftet. „Maximal 1000 Liter pro Stunde schafft die Presse“, sagt Heese. Dabei laufe der Saft ständig in Vorbehälter und werde von dort in große Tanksilos gepumpt. Im Anschluss füllt eine Anlage den erwärmten wahlweise goldgelben oder naturtrüben Saft auf einer Füllstraße in Flaschen. „Alles vollautomatisiert“, freut sich Heese. Der „Trester“, das Restprodukt des Apfels, wandert gleichzeitig über ein Förderband nach draußen: „Ein sehr beliebtes Futtermittel für Bauern und Förster.“ Dieses kann nach Absprache kostenfrei bei der Mosterei abgeholt werden.

Günter und Rouven Heese beim Kochen der Pflaumen am großen Kessel.

Günter und Rouven Heese beim Kochen der Pflaumen am großen Kessel.

Echte Handarbeit – Das Zwetschgenmus
Das zweite Standbein bildet das Zwetschgenmus nach dem ursprünglichen Originalrezept. Ab Anfang September bringen die Kunden aus dem gesamten Mühlenkreis traditionell ihre Pflaumen gewaschen und entsteint vorbei. Damit wird eine lange Vorhaltezeit vermieden. „Bei uns kommen nur die Ursprungsprodukte – Pflaumen, Zucker, Vanille und Kandis – in den Kessel“, so der gemeinsame Tenor der Inhaber. Und dieser Kupferkessel ist riesig. Ganze 400 Kilogramm Pflaumen passen hinein. „Seit einiger Zeit haben wir für den Kessel ein spezielles Rührwerk, das unter ständigem Rühren das Anbrennen verhindert“, so Doris Heese. Dieser Vorgang sei früher mit Muskelkraft betrieben worden und sehr kraftraubend gewesen.

Im Hofladen gibt es viele Produkte, darunter die Säfte und das Zwetschgenmus.

Im Hofladen gibt es viele Produkte, darunter die Säfte und das Zwetschgenmus.

Extra Abfüllung für Diabetiker
Beim Kochvorgang soll das Fruchtfleisch samtig werden, das Fruchtwasser verdunsten. „Wenn das Mus soweit ist, füllen wir es in Gläser, kippen und etikettieren diese. Für Diabetiker entnehmen wir – auf Vorbestellung – zwischendurch Zwetschgenmus ohne Zucker“, berichtet die Chefin und unterstreicht dabei die besondere Eignung. Das Team sei eine eingespielte Truppe, jede kenne seine Aufgaben – das A und O. Verständlich, wenn man hört, dass im vergangenen Herbst rund 10.000 Gläser abgefüllt wurden.

Der Hofladen
Auch außerhalb der Saison sind die Produkte der Mosterei Oevermann im hauseigenen Hofladen erhältlich. Hier finden Kunden neben den gemosteten Säften – darunter unter anderem Erweiterungen mit Orangensaft – das traditionelle Zwetschgenmus, aber auch weitere leckere Produkte wie Imker-Honig, Rübenmus oder Spirituosen. Die Zusammenarbeit mit dem Edeka Händler Röthemeier erleichtert zudem den Vertrieb des Saftes in der Region. Weitere Informationen unter: www.mosterei-oevermann.de.

Das fertige Produkt der Mosterei Oevermann - der Apfelsaft.

Das fertige Produkt der Mosterei Oevermann – der Apfelsaft.

Infobox

Was eignet sich zum Mosten
Viele köstliche Fruchtsäfte eignen sich zum Mosten. Grundsätzlich sind hierfür neben Äpfeln auch Birnen, Trauben und Beeren gut geeignet. Im Falle von Äpfeln ergeben hundert Kilogramm Früchte etwa gut 80 Liter Saft. Je nach Apfelsorte etwas mehr oder weniger. Am besten eignen sich säuerlich und gut ausgereifter Apfel. Weniger geeignet sind süße, milde Tafeläpfel.

Apfelsaft liegt wieder im Trend
Nach langen Jahren des Verschmähens scheint ein Umdenken bei der jüngeren Generation stattzufinden. Dabei wird die Nachfrage nach regionalen Produkten und Säften wieder größer. Grund hierfür ist das wiederkehrende Naturbewusstsein und das Wissen, woher ein Produkt stammt. Massenhaft produzierte Säfte mit hohen Zuckerzusätzen sind nicht mehr „trendy“. Stattdessen wollen die Menschen wieder vermehrt Produkte aus der Region. (Text: ns / Fotos: Jürgen Krüger)