Lihra meint...

Lihra meint…

Mindens schönstes Haus – was kann daraus werden?

Vor einiger Zeit bekam ich von einem Leser des Minden Kuriers eine Mail, in dem hieß es sinngemäß: „Lieber Herr Lihra, Ihre Kolumnen lese ich immer sehr gern. Sie greifen immer interessante Themen auf. Wie wäre es, wenn Sie sich einmal mit dem ehemaligen Regierungsgebäude beschäftigen würden?“ Soweit der zitierte Leser. Okay, warum nicht einmal Gedanken machen zur „neuen Regierung“ am Klausenwall. Ein Versuch ist es allemal wert.

Sind Sie nun schon zu Anfang irritiert? Wieso schreibt der Lihra von der „neuen Regierung“? Das ist doch die „alte Regierung“ – oder? Nein, ist sie nicht. Die alte Regierung ist das Gebäude seitlich des Doms, welches auch „Stadthaus“ genannt wird. Dort war die Bezirksregierung untergebracht, als es das Haus am Klausenwall noch nicht gab. Erst später zog die Regierung dann um.

Nachdem diese dann nach Detmold verlegt wurde, zog das Bundesbahn Zentralamt dort ein. Nachdem diese das prunkvolle Haus nicht mehr benötigten, ist dort zurzeit übergangsweise die Stadtverwaltung untergebracht. Aber auch nicht von Dauer. Und dann, was wird dann damit? Wirklich haben will es niemand. Zu hohe Kosten in der Unterhaltung, es steht unter Denkmalschutz und kann für ein Hotel oder sonstige Betriebe nicht genutzt werden. Irgendwie kann das doch alles nicht wahr sein. Das schönste Haus von Minden ist nicht nutzbar? Wird durch Leerstand vor sich hingammeln? Und der tolle Menzel Brunnen?
Warum wird die „neue Regierung“ nicht zum „Haus der Künste“? Ein Haus der Künste in Form einer öffentlich privaten Partnerschaft. Eine Herberge für alle, die vom Kulturbüro der Stadt Minden als die „freie Szene“ bezeichnet werden. Und die ist in Minden sehr groß. Mit einziehen könnte auch die MMG (Minden Marketing GmbH). Da stellt sich allerdings auch die Frage: Haben wir nicht schon genügend Standorte in Minden, die für kulturelle Zwecke genutzt werden?

Stadttheater mit „kleiner Bühne“, Tucholsky Bühne im Fort A, Schauspiel; Musik und Ausstellungen, Jazz Klub, Kleines Theater am Weingarten, Preußen Museum (Ausstellungen), Hansehaus (Vorträge), Sparkasse Minden Lübbecke (Die Stichlinge).
Und im Freien: der Marktplatz, der Kleine Domhof, der Simeons Platz, der Friedensplatz, die Kanzlers Weide, die Weserpromenade, die Fischerstadt, den KAAK, das Weserstadion, den Weserstrand. Was bleibt dann für ein Haus der Künste übrig?
Ein konzentrierter Standort für alle, die mit dem weiträumigen Begriff „KUNST“ etwas zu tun haben. Dafür werden (Lebens)Räume benötigt, in denen man an diesen Themen arbeiten kann. Um zu sammeln, verwalten, vormachen, nachmachen, üben, nochmal üben und präsentieren. Auch ein Haus um zu lehren, vortragen, diskutieren, philosophieren, planen und vieles mehr. Im Haus der Künste könnten Visionen entworfen werden, könnte auch mal gesponnen und auf jeden Fall kommuniziert werden. Hier könnten Menschen meditieren.

Fassen wir einmal meine spinnerten Ideen zusammen. Die „neue Regierung“ könnte zu einem Ort in der Stadt Minden werden, zu einem Freiraum für Menschen, die bereit sind einfach einmal frei zu denken und zu arbeiten. Die sich mit Gleichgesinnten aber auch Andersdenkenden zum Austausch treffen.

Nicht machbar? Zu teuer? Kann sein. Aber nichts zu tun ist viel schlimmer, als einmal rumzuspinnen und zu überlegen, was werden könnte. Die Idee kam von einem interessierten Leser des MiKu. Vielleicht können wir ja in der nächsten Zeit einmal öffentlich darüber diskutieren, was man machen könnte. Auch wenn die „neue Regierung“ noch von der Stadtverwaltung belegt ist, der Tag kommt, da steht sie leer. Und die Zeit ist abgelaufen, zu diskutieren, zu planen und zu handeln. Dann doch lieber jetzt einmal schauen, was machbar sein könnte. Auch wenn es ein wenig gesponnen klingt.