Kreuzkraut und Riesenbärenklau wuchern überall

Kreuzkraut und Riesenbärenklau wuchern überall

Giftpflanzen sind hitzebedingt auf dem Vormarsch

Klimaforscher warnen bereits seit langem vor einer irreversiblen Erderwärmung. Nun fällt erstmals auch der Begriff einer „verheerenden Heißzeit“. Durch den extrem heißen Sommer 2018 bestehen nicht nur negative Auswirkungen auf den Äckern, in den Wäldern und den Gewässern (wir berichteten), sondern auch giftige Pflanzen sind hitzebedingt auf dem Vormarsch – und dies auch im Mühlenkreis. „Es ist zu bemerken, dass bestimmte Arten vermehrt auftauchen“, sagt Jutta Niemann, Leiterin der Biologischen Station Minden-Lübbecke.

Das Jakobskreuzkraut ist giftig für alle Pflanzenfresser und wird verheut nicht von diesen wahrgenommen.

Das Jakobskreuzkraut ist giftig für alle Pflanzenfresser und wird verheut nicht von diesen wahrgenommen.

Jakobskreuzkraut
Zu diesen vermehrt auftretenden Arten gehört im Mühlenkreis besonders das Jakobskreuzkraut, welches sich besonders auf Brachflächen und extensiv genutzten Flächen, aber auch auf ungepflegten Weiden und Koppeln findet. Früher wurde es als klassische Pionierpflanze von Straßen- und Automeistereien im Straßenbegleitgrün ausgesetzt, doch das ist lange vorbei. „Es ist für alle Pflanzenfresser gefährlich und giftig“, sagt Jutta Niemann. Die Pflanze enthalte Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in der Leber in toxische Substanzen umgewandelt würden. Diese Stoffe sind in hohen Dosen tödlich. „Weidetiere erkennen diese Pflanze und fressen sie nicht, solange sie nicht verheut worden ist.“ Im trockenen Zustand jedoch seien die schützenden Bitterstoffe für die Tiere nicht mehr wahrnehmbar. In der Vergangenheit auch mit tödlichen Folgen, je nach Menge. Nach Dr. Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut der Uni Bonn habe PA auch in Milch und Honig, Getreidesamen, Kräutertees und Wildkräutern nachgewiesen werden können und sei damit für Menschen ebenfalls gefährlich. Als Bekämpfung der Pflanze empfiehlt Jutta Niemann nur das vollständige Ausgraben, da sich selbst aus Wurzelresten eine neue Pflanze bilden könne. Ebenfalls sei die Verwechslung mit dem ungiftigen Johanniskraut gefährlich.

Riesenbärenklau sorgt für stärkste gesundheitliche Reaktionen beim Menschen.

Riesenbärenklau sorgt für stärkste gesundheitliche Reaktionen beim Menschen.

Riesenbärenklau
Eine weitere Pflanze, die immer wieder auch in unserer Region Probleme bereitet, ist der Riesenbärenklau, auch als Herkulesstaude bekannt. Bei starker Sonneneinstrahlung kann die Pflanze bei Hautkontakt stärkste Verbrennungen und schwere allergische Reaktionen verursachen. Dabei können Kinder und Menschen mit empfindlicher Haut durch die phototoxischen Reaktionen massiven, sehr schmerzhaften Schaden nehmen. „Er kommt vielerorts vor“, sagt Jutta Niemann und begründet dies mit geringen Habitatsansprüchen der Pflanze. „Die Reaktionen können großflächig sein und Verbrennungen ersten bis zweiten Grades hervorrufen.“ Hautreizungen und Blasen mit wochenlang anhaltenden nässenden Wochen können einhergehen. „Auch Fieber, Schweißausbrüche und Kreislaufschocks können die Folgen eines Kontakts sein. An heißen Tagen werden zudem durch Ausgasung Furocumarine in die Umgebung abgegeben und bereits ein längerer Aufenthalt unmittelbar neben der Pflanze kann zu den beschriebenen Erscheinungen oder Atemnot führen.“ Eine vollständige Entfernung empfiehlt Jutta Niemann ausdrücklich im Frühjahr mit entsprechender Schutzkleidung. „In vielen Bereichen hat sich der Riesenbärenklau so stark verbreitet, dass er kaum noch bekämpft werden kann“, so die Fachfrau. Außerdem sei eine Verwechslung mit dem als Heilpflanze geschätzten Wiesen-Bärenklau häufig üblich.

Der blaue Eisenhut gilt als giftigste Pflanze Europas. Alle Teile der Pflanze sind hochtoxisch. Bereits 0,2 Gramm bewirken Vergiftungen, zwei Gramm sind tödlich.

Der blaue Eisenhut gilt als giftigste Pflanze Europas. Alle Teile der Pflanze sind hochtoxisch. Bereits 0,2 Gramm bewirken Vergiftungen, zwei Gramm sind tödlich.

Weitere Giftpflanzen
Auch Seidelblast, die leicht mit dem Bärlauch zu verwechselnde Herbstzeitlose, der wunderschön blühende Goldregen, die interessant anmutende Tollkirsche, das Pfaffenhütchen, die Eibe und der Rizinus bergen große Gefahren, denn meist gibt es keine wirksamen Gegengifte nach einem Verzehr. Zudem gelten das Maiglöckchen und der blaue Eisenhut als die giftigste Pflanze Europas als hochriskant. Bei letzterem reichen kleinste Mengen für einen Erwachsenen, bis binnen weniger Stunden der Tod durch Atemlähmung und Herzversagen eintritt. (ns)