Der Stich der Mücke

Der Stich der Mücke

Ungewöhnlich intensive Reaktionen des Körpers

Ein normaler Mückenstich ist eigentlich noch kein großes Problem. Er juckt ein oder zwei Tage und es zeichnet sich ein unschöner roter Fleck auf der Haut ab.In diesem Sommer führen die Mückenstiche immer häufiger zu brutalen Schwellungen, dicken Gliedmaßen und wochenlangen Problemen.

Erst vor kurzem hatten wir in unserem Kollegium in der Redaktion den Fall eines erst scheinbar harmlosen Mückenstichs am Bein, der sich innerhalb von wenigen Stunden zu einer tennisballgroßen Quaddel entwickelt hatte. Das Ergebnis: Die Kollegin wurde vom Arzt zwei Tage krankgeschrieben: Allergischer Schock und Beginn einer Sepsis. Kühlen, das Bein hochlegen und ein Antihistaminikum einnehmen, waren die Ratschläge des Arztes. Ihm zufolge sei diese Patientin eine von Vielen, die in diesem Jahr mit solch akuten Problemen nach einem Mückenstich zu ihm gekommen waren. Erklärungsversuche dafür sind häufig eine besonders aggressive Mückengattung, akute Krankheitserreger oder auch chemisch behandelte Felder, die die Mücken vorher anfliegen.
Im Speichel der Mücken sollen oft Insektizide enthalten sein, gegen die die Tiere mittlerweile Resistenzen entwickelt haben. Diese Giftstoffe spritzen die Mücken dann zurück, was bei den Gestochenen wiederum zu heftigen allergischen Reaktionen führt.
Jutta Niemann von der Biologischen Station Minden-Lübbecke teilt diese Auffassung: „Zwar ist die Hypothese noch umstritten, jedoch gibt es viele Hinweise darauf, dass der Arzt Recht hat. Die Übertragung von Umweltgiften kann zusätzlich zu heftigen allergischen Reaktionen führen. Für die Auslösung eine allergische Reaktion ist es jedoch auch entscheidend, um welche Mücke es sich handelt. Schauen wir uns die Kriebelmücken an, die an Fließgewässern lebt und von denen etwa 50 verschiedene Arten in Deutschland vorkommen: Ihre Stiche sind aufgrund der sägeartigen Mundwerkzeuge sehr schmerzhaft und ihr Speichel enthält Stoffe, die beim Menschen häufig zu einer allergischen Reaktion führen. So kann es passieren, dass ein Kriebelmücken-Stich einen allergischen Schock hervorruft und eine lebensbedrohliche Situation eintritt.“
Erster Vorsitzender Lothar Meckling vom NABU Minden-Lübbecke differenziert sich etwas von der Hypothese: „Die Erklärung mit den Pestiziden halte ich nicht für sehr stichhaltig. Pestizide gibt es nicht nur seit diesem Jahren. Eine Mücke, die mit einem Insektenschutzmittel Kontakt hatte, sticht in der Regel dann auch nicht mehr, da sie selbst „vergiftet“ und geschwächt ist.“ (jh)