Ausbildungsstart im Mühlenkreis

Ausbildungsstart im Mühlenkreis

Viele unbesetzte Stellen und unversorgte Bewerber

Am 1. August sind wieder die Ausbildungen gestartet und auch im Mühlenkreis haben zahlreiche junge Menschen eine Berufsausbildung angefangen. Auch die Unternehmen in der Region haben sich auf neue Auszubildende vorbereitet – doch nicht alle konnten ihre freien Stellen besetzen. Besonders im Handwerk und ausgewählten Branchen fehlt es an Bewerbern.

Mehr Stellen als Bewerber
Für den Ausbildungsbeginn 2018 seien bei der Agentur für Arbeit in Herford für den Kreis Minden-Lübbecke 2.161 Ausbildungsstellen gemeldet worden, berichtet Pressesprecherin Janine Billerbeck. Davon seien Ende Juli noch 912 Stellen unbesetzt gewesen. Dem gegenüber stehen 1.959 Bewerber, die sich auf der Suche nach einer Stelle bei der Agentur für Arbeit gemeldet hätten, hiervon waren Ende Juli noch 799 Bewerber unversorgt. Gerade in den handwerklichen Berufen fehle es an Bewerbern, doch hier würden oft auch Stellen noch nachträglich besetzt. Beispielsweise würden in der Nachvermittlungsphase im Oktober einzelnen Bewerbern noch Angebote zu offenen Ausbildungsstellen gemacht und zu diesem Zeitpunkt 2017 lagen der IHK noch 26 offene Ausbildungsplätze vor. Die Industrie und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) verzeichnete bis Anfang Juli 983 neu-registrierte Ausbildungsverträge, was einem Plus von 11,5 Prozent entspräche. Insgesamt habe die IHK in der Jahresbilanz fast zwei Prozent mehr Ausbildungsverträge verzeichnen können. Swen Binner, Geschäftsführer des Bereiches berufliche Bildung bei der IHK, bewertet die Entwicklung durchaus positiv, besonders erstaunlich sei der deutliche Anstieg der gewerblich-technischen Ausbildungsverträge um etwa 18 Prozent. Auch die kaufmännischen Ausbildungsverträge hätten einen deutlichen Anstieg mit 6,6 Prozent erfahren. Des Weiteren geben es deutliche Zuwächse in den Metall- und Elektroberufen. Gerade die Elektroindustrie sei mit ihren Ausbildungsberufen im Mühlenkreis stark vertreten.

 Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Herford: „Wir raten Bewerbern zu mehr Flexibilität und können darüber hinaus Alternativen anbieten".

Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Herford: „Wir raten Bewerbern zu mehr Flexibilität und können darüber hinaus Alternativen anbieten“.

Aktiv suchen
Einer dieser Betriebe ist die Firma Krückemeier Elektrotechnik aus Dankersen. Geschäftsführerin Meike Müller führt mit ihrer Schwester den Familienbetrieb, der insgesamt 39 Mitarbeiter beschäftigt, darunter neun Auszubildende. Auch in diesem Jahr hatte das Unternehmen wieder zwei Ausbildungsstellen für Elektroniker ausgeschrieben. Im MiKu-Gespräch zeigt sich Müller zufrieden, dass sie in diesem Jahr die beiden Stellen mit den passenden Bewerbern besetzen konnten, jedoch bemerkt sie auch einen Rückgang an Bewerbungen. „Die Anzahl der Bewerber ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Wo wir früher einen ganzen Stapel Bewerbungen erhalten haben, sind es heute nur noch eine Handvoll, aus denen wir die passenden Auszubildenden auswählen. Doch wir haben immer Glück dabei und finden, wie auch in diesem Jahr, die passenden Personen für unser Unternehmen“. Dafür habe aber das Unternehmen auch neue Wege beschritten, indem der Meister aktiv in die Schulen gegangen sei, um dort für den Ausbildungsberuf zu werben. „Wir haben es auf Anfrage das erste Mal so gemacht, sind aktiv eingestiegen und haben den Schülern Möglichkeiten und neue Wege aufgezeigt“, erklärt Meike Müller. Und das Engagement hat sich für Krückemeier Elektrotechnik ausgezahlt – denn ein Auszubildender für das nächste Jahr steht bereits jetzt in den Startlöchern.

Positiver Trend, rückläufige Bewerbungen
Insgesamt gehe die Anzahl der Bewerbungen deutlich zurück, berichtet Binner weiter. Es gebe Unternehmen, beispielsweise im Gastgewerbe und bei Speditionen, die gar keine Bewerbungen erhalten würden. Auf der anderen Seite gäbe es natürlich auch Bewerber, die keine Stelle finden würden, obwohl sie aktiv suchen. Grund hierfür seien oft Passungsprobleme. Das bestätigt auch Janine Billerbeck: „Es gibt Bewerber, die suchen nach Stellen, die es hier im Kreis nicht gibt oder Arbeitgeber suchen nach Bewerbern, die es nicht gibt. Wir raten in diesen Fällen zu Flexibilität, also auch Alternativen zuzulassen“. Auch die gesteigerte Studienneigung spiele hier eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus sei auch eine oft genutzte Alternative, eine berufliche Tätigkeit ohne Ausbildung aufzunehmen.

 Swen Binner, Bereich berufliche Bildung bei der IHK: „In vielen Fällen führte nicht nur der Traumberuf, sondern auch eine Alternative zu einem erfüllten Berufsleben“.

Swen Binner, Bereich berufliche Bildung bei der IHK: „In vielen Fällen führte nicht nur der Traumberuf, sondern auch eine Alternative zu einem erfüllten Berufsleben“.

Folgen für die Unternehmen
Besetzungsschwierigkeiten gebe es in vielen Bereichen, besondere Beispiele seien die Pflege und das Handwerk. Die Mühlenkreiskliniken haben in diesem Jahr einen Bewerbertag veranstaltet, um passendes Personal einstellen zu können. „Am Bewerbertag sind viele gute Bewerbungsunterlagen eingegangen, sodass noch freie Stellen besetzt werden konnten. Am 1. August haben 49 Personen die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege begonnen. Für den dualen Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege, der zum 1. September 2018 in Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld beginnt, gibt es noch einige freie Plätze“ berichtet Pressesprecher Christian Busse.
Zur Veranschaulichung des Engpasses im Handwerk führt Binner die ausgeschriebenen Stellen in der „Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung“ sowie im Bereich „Bau, Vermessung, Architektur und Gebäudetechnik“ an, wo noch etwa 44 Prozent unbesetzt seien. Generell seien auch „Bürojobs“ beliebter als das körperliche Arbeiten auf dem Bau oder in der Bäckerstube. Aus der Nichtbesitzung der Arbeitsstellen ergeben sich langfristig Konsequenzen für alle, im Handwerk spüre man durch fehlendes Personal, wodurch es bei den im Moment vollen Auftragsbüchern oft Monate dauern kann, bis der bestellte Handwerker kommen kann, erläutert Janine Billerbeck.

Alternativen für unversorgte Bewerber
Swen Binner empfiehlt unversorgten Bewerber, sich zunächst flexibler und mobiler in ihrer Berufswahl zu zeigen. „In vielen Fällen führte nicht nur der Traumberuf, sondern auch eine Alternative zu einem erfüllten Berufsleben“. Weitere Möglichkeiten gebe es über die sogenannten Einstiegsqualifizierungspraktika, die sich eng an den Inhalten des ersten Ausbildungsjahres orientieren und einen guten Einstieg in die duale Ausbildung liefern würden. Weiterhin werden auch immer wieder Ausbildungsverträge während der Probezeit aufgelöst, sodass es hier oft noch die Möglichkeit für unversorgte Bewerber ergebe, verspätet einzusteigen. Auch Janine Billerbeck erklärt, dass es neben den bereits erwähnten Alternativen noch vielzählige Fördermöglichkeiten gebe, die es auch schwächeren Bewerbern ermöglichen würden, eine Ausbildung zu absolvieren. Doch diese Möglichkeiten benötigen immer eine vorherige Prüfung, wer für was infrage käme. Daher rät Janine Billerbeck potenziellen Bewerbern: „Wir helfen, wo es nötig ist und Sinn macht, aber das können wir nur, wenn man uns im Voraus einbindet. Das heißt: Der Kontakt zur Berufsberatung ist wichtig und hilfreich“.