Holpriger Start am Porta Denkmal

Holpriger Start am Porta Denkmal

Die Probleme am Fuße des Kaiser Wilhelms

Schön ist er geworden, der „neue“ Kaiser am Wittekindsberg. Rund 17 Millionen Euro haben die Arbeiten an Technik, Gastronomie, Parkplatz und Zuwegungen verschlungen. Doch alle Schönheit hat auch eine Schattenseite. Das zeigen einige Planungsversäumnisse.

Die Kaiserstraße
Chaotisch, und das ist noch untertrieben, waren die Umstände an den ersten Tagen nach der Neueröffnung auf der Kaiserstraße, die zum Parkplatz am Denkmal führt. Ein Sicherheitsdienst wurde zur Unterstützung der Verkehrsberuhigung hinzugezogen. Doch darf ein Sicherheitsdienst den Verkehr überhaupt regeln? Nein, denn dies darf im fließendem Verkehr nur durch Polizei oder Ordnungsbehörden geschehen. Im fließendem Verkehr, in diesem Fall dem Stau auf der Kaiserstraße, darf der Sicherheitsdienst hingegen nur einweisen oder Empfehlungen aussprechen. Deshalb sind auch Mitarbeiter des Ordnungsamtes an Wochenenden vor Ort. „Unserer Kenntnis nach ist dies größtenteils problemlos und in Rücksprache mit unserem zuständigen Bezirksdienstbeamten erfolgt“, sagt Thomas Bensch von der Polizei Minden-Lübbecke. Selbstverständlich habe man von Seiten der Stadt Porta mit einem erheblichen Besucherstrom gerechnet, doch diese Zahl wurde offenbar unterschätzt, gesteht Detlef Brand von der Stadt Porta. „Die Zahl der PKW, insbesondere an Sonntagen, war doch überraschend hoch“, sagt er.

Viel Gutes, aber auch viel Schlechtes am neuen Kaiser - Für einige Angereiste wird es wegen der Probleme der letzte Besuch gewesen sein.

Viel Gutes, aber auch viel Schlechtes am neuen Kaiser. Für einige Angereiste wird es der letzte Besuch gewesen sein.

Die Busse
Einen fairen Preis bietet der Shuttle-Bus, der an Kanzlers Weide startet. Der Preis für die Hin- und Rückfahrt zum Kaiser ist mit 2,50 Euro durchaus erschwinglich. Doch auch der Shuttlebus muss sich durch die chaotischen Straßenverhältnisse die Kaiserstraße hochkämpfen. Der Vorteil hieran: Auch bei übervollem Parkplatz kann die Auffahrt gewährt werden. Doch wieso halten diese Busse auf dem Parkplatz und fahren nicht zum Kaiser hinauf, denn die Einplanung für eine Bustrasse wäre durchaus sinnvoll gewesen. In einem Leserbrief an unsere Redaktion heißt es: „Vom Parkplatz gibt es leider keine Transfermöglichkeit für gehbehinderte Personen.“ Hierzu sagt Matthias Gundler vom WLV: „Ein Befahren dieses Aufganges ist weiterhin nur im Ausnahmefall möglich.“ Dies geschehe aus Gründen der Unfallgefahr: „Eine Bushaltestelle auf der Ringterrasse können wir uns schon auf Grundlage der großen Wenderadien der Busse nicht direkt am Denkmal vorstellen.“ Außerdem sei die barrierefreie Erschließung des rund 280 Meter langen, durchschnittlich drei Prozent ansteigenden Weges zur Ringterrasse ein wichtiger Aspekt. „Ein dort abzweigender rollstuhlgerechter Weg bietet zudem seit einigen Jahren auch die Möglichkeit noch näher an das Denkmal zu kommen“, so Gundler weiter. Dies sehen viele Besucher freilich anders, denn zumindest kleinere Transferbusse könnten vermutlich problemlos auf der Ringterrasse wenden. Lutz Lippe, dessen Frau im Rollstuhl sitzt, sagt dazu: „Ich bezweifele, dass die Herrschaften aus der Planungsabteilung je einen Rollstuhl diesen Weg nach oben geschoben haben und wissen, welche Anstrengung dafür nötig ist. Gleiches gilt auch für das Halten des Rollstuhles für den Rückweg.“

„Eine Bushaltestelle auf der Ringterrasse ist für uns nicht vorstellbar.“ (Matthias Gundler, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband)

„Eine Bushaltestelle auf der Ringterrasse ist für uns nicht vorstellbar.“ (Matthias Gundler, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband)

Der Parkplatz
Besonders an den Wochenenden ist der Parkplatz hoffnungslos überfüllt. Zwar sind aus ehemals 140 nun rund 170 Parkplätze geworden – die Angaben von der Stadt Porta und dem WVL unterscheiden sich hier – und auch Flächen für Schwerbehinderte, Wohnmobile, E-Fahrzeuge und Motorräder sind entstanden, doch gerade letztere finden mitunter keine Möglichkeiten zum Parken. „Wir durften beobachten, wie eine Gruppe von weitgereisten Motorradfahrern die Fahrradstellfläche nutzen wollte, weil der vorgesehene Parkplatz durch Autos blockiert wurde. Nach Zurechtweisung zog die Gruppe letztlich wutentbrannt von dannen – alles andere als optimal“, sagt ein Augenzeuge.

Der Fahrstuhl
Auch einer der beiden in die Ausstellung und zur Gastronomie „Wilhelm 1896“ führenden Fahrstühle auf der Ringterrasse hatte bereits Probleme. „Wir waren erschüttert, dass der Fahrstuhl nicht funktionierte“, schreibt der Verfasser unseres Leserbriefes. „Meine Lebensgefährtin humpelte in mühseliger und fast unendlicher Anstrengung Stufe für Stufe die steile Treppe hinab.“ Seit der Inbetriebnahme habe es einige Störungen am Aufzug des Hauptzuganges gegeben, bedauert Matthias Gundler. Wir wissen aber tatsächlich noch nicht im Detail, ob die Störungen durch die Technik, Bedienfehler oder durch das hohe Besucheraufkommen aufgetreten sind“, rechtfertigt er. Alle Störungen habe man allerdings zeitnah beheben können, der barrierefreie Zugang des Gebäudes bleibe durch den Lift im zweiten Treppenhaus gewährleistet. Natürlich mag es Menschen geben, die von dem zweiten Fahrstuhl wissen, doch gerade Ortsunkundige können diesen mangels Ausschilderung meist nur erahnen. „Wir rechnen damit, dass wir die Kinderkrankheiten der Aufzugsanlage zeitnah behoben haben“, so Gundler.

Der steile Weg im Treppenhaus ist für gehbehinderte Menschen eine Qual.

Der steile Weg im Treppenhaus ist für gehbehinderte Menschen eine Qual.

Den Verfasser unseres Leserbriefes dürfte diese Aussage nicht mehr interessieren: „Für uns wird es der erste und letzte Besuch des Denkmals bleiben.“ Stattdessen fordert er ein Umdenken, denn auch „die oft vergessene Randgruppe der Schwerbehinderten habe ‚ohne wenn und aber‘ ein Recht zur vollständigen Teilhabe an unserer Gesellschaft.“ (ns)