Die Wittekindsburg im Nebel der Verhandlungen

Die Wittekindsburg im Nebel der Verhandlungen

Das Ringen um eine Lösung für alle Wegevertrags-Partner

In der vergangenen Woche ist der neue Wegevertrag über den Burgweg nicht zustande gekommen. Bis zum 15. Juli sollten alle Vertragspartner ihre Unterschriften unter den Vertrag gesetzt haben. Der Verein der Wittekindsburg „Witthüs“ und die Stadt Minden taten dies jedoch nicht.

„Bitte wisst, dass Witthüs e. V. niemals etwas unternehmen würde, damit die Burg Schaden erfährt. Auch wenn der Schaden gerade immens ist. Es wäre noch schlimmer geworden durch eine Unterschrift auf dem Vertrag“, lässt der Verein Witthüs e.V. verlauten. Der Verein hofft auf weitere Gespräche mit den beteiligten Akteuren.
Die „Akteure“ sind in diesen Vertragsverhandlungen um die Übernahme der Verkehrssicherungspflicht und die Instandsetzung und Unterhaltung des Waldweges die Waldbesitzer, der Forstbetriebsverband „Waldgenossenschaft Wiehengebirge“, der Verein Witthüs e.V., die Eigentümer des Gästehauses, die Stadt Porta Westfalica und die Stadt Minden. Mindens Bürgermeister Michael Jäcke hatte gegenüber dem Mindener Stadtrat erklärt, dass es für die Stadt Minden keinen Sinne mache, eine Vereinbarung zu unterschreiben, sofern die beiden „Hauptprotagonisten“ in Porta Westfalica keine gemeinsame Lösung erreicht haben. Die Stadt Minden ist in dem Vorvertrag vom 15. April bis 15. Juli noch gar kein Vertragspartner gewesen. Erst jetzt taucht sie als Akteur in dem der Redaktion vorliegenden (nun hinfälligen) Vertragsentwurf auf. Für die Baugenehmigung der Burg ist die Stadt Minden jedoch nie zuständig gewesen. Erst durch die Gebietsreform im Jahr 1974, als sich der Kreis Minden-Lübbecke formierte, fielen 60 Meter des Burgweges und der Bierweg in Mindener Gebiet. „Die Stadt Porta will hier Minden in die Zuständigkeit mogeln“, sagt Frank Tomaschewski von der Piratenpartei. Die Erschließung der Burg sei außerdem über den Bierweg auf Mindener Grund gesetzt. Es mag an dieser Stelle jeder mit dem Kopf schütteln, der schon einmal den Bierweg bewandert hat und um die Beschaffenheit dieses Weges weiß.

Der schöne Blick trügt. Die Zukunft der Wittekindsburg bleibt weiter ungewiss.

Der schöne Blick trügt. Die Zukunft der Wittekindsburg bleibt weiter ungewiss.

Unkalkulierbare Kosten
Fünf Prozent der Kosten für die Verkehrssicherungsmaßnahmen und Instandhaltung sollte die Stadt Minden laut Vertragsentwurf zahlen. Der Verein Witthüs e.V. hätte einen Anteil von 50 bzw. 70 Prozent tragen sollen. Im Endeffekt ein kaum zu kalkulierender Betrag, den der Verein für die Instandhaltung des Privatwegs, sei es für Ausbesserungen nach Unwettern oder starken Regenfällen, pro Jahr hätte aufbringen müssen. „Wir haben seit Jahren versucht, eine schriftliche Regelung zu bekommen. Jetzt haben wir eine mit der wir arbeiten können und müssen“, so Witthüs.
„Weitere Gespräche sind zwingend notwendig, um die Probleme der Zufahrt, der Verkehrssicherungspflicht und der Erschließung an der Wittekindsburg ganzheitlich zu lösen und für alle beteiligten Parteien und Nutzer des Weges, eine verlässliche Einigung und Kostentransparenz zu erhalten,“ fordert Tomaschewski. Er vermittelt seit Wochen zwischen den einzelnen Vertragspartnern und versucht offene Fragen zu klären.

Die Forderung von Tomaschewski ist einfach: „Alle beteiligten Gruppen und Akteure an einen Tisch und den Resetknopf drücken und noch einmal ganzheitlich die Probleme angehen! Die positiven touristischen und kulturellen Effekte der Wittekindsburg für die Region sind zu wertvoll, um an einer Diskussion über ein Wegerecht zu scheitern. Hier gilt es auch, die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder wert zu schätzen.“

Die Burg soll durch den Bierweg erschlossen sein - eine Farce.

Die Burg soll durch den Bierweg erschlossen sein – eine Farce.

Porta übernimmt Anteil an Verkehrssicherungspflicht
Portas Bürgermeister Bernd Hedtmann äußert sich wie folgt zu der Problematik und der Position seiner Stadt: „Es handelt sich faktisch, was in dem Vertrag auch anerkannt wird, um Absprachen gerade auch hinsichtlich einer touristischen und gästefreundlichen Zuwegung zur Wittekindsburg. Diese Zuwegung (Burgweg) ist keine dem öffentlichen Verkehr gewidmete Straße oder Weg. Durch diesen Vertrag bringt vielmehr die Stadt Porta Westfalica zum Ausdruck, dass sie sich vertraglich bereit erklärt, die Verkehrssicherungspflicht für die Wegeflächen des Burgweges sowie des oberen Teils des Kapellenweges zu übernehmen. Insgesamt handelt es sich um einen ersten, sachgerechten vertraglichen Rahmen für die tatsächliche Wegebenutzung. In diesem Zusammenhang ist es das gemeinsame Ziel, dass der obere Abschnitt des Bierweges für die Erschließung herangezogen werden soll und muss, da Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge ganzjährig den unteren Abschnitt des Burgweges, nicht aber den oberen Abschnitt des Burgweges/Kapellenweges befahren können.“

„Weitere Gespräche sind zwingend notwendig, um die Probleme der Zufahrt, der Verkehrssicherungspflicht und der Erschließung an der Wittelkindsburg ganzheitlich zu lösen und für alle beteiligten Parteien und Nutzer des Weges, eine verlässliche Einigung und Kostentransparenz zu erhalten", fordert Tomaschewski.

„Weitere Gespräche sind zwingend notwendig, um die Probleme der Zufahrt, der Verkehrssicherungspflicht und der Erschließung an der Wittelkindsburg ganzheitlich zu lösen und für alle beteiligten Parteien und Nutzer des Weges, eine verlässliche Einigung und Kostentransparenz zu erhalten“, fordert Tomaschewski.

Das von dem Forstbetriebsverband „Waldgenossenschaft Wiehengebirge“ beschlossene Vorhaben, bei einem Nichtzustandekommen des Wegevertrags ein Schloss vor die Schranke zu setzten, ist bisher noch nicht durchgeführt worden. „Bis jetzt ist die Schranke offen“, so Witthüs.“Der blinde Aktionismus der Waldbauern, wie die Ankündigung „Baumstämme“ zu verlegen, und Schlösser an die Schranke anzubringen, um den Weg zu sperren, ist keine Maßnahme, die Vertrauen schafft. Ich erwarte auch klare und deutliche Signale, wie die Erschließung der Wittekindsburg insgesamt sinnvoll geregelt werden kann. Eine Zufahrt für Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr über den großen Bierweg auf Mindener Grund kann wohl kaum die Lösung sein“, so Frank Tomaschewski. (Text: jh / Fotos: ns)