Sommer, Sonne, Brandgefahr

Sommer, Sonne, Brandgefahr

Auch nach zwei Regentagen bleibt das Risiko im Mühlenkreis weiter sehr hoch

Das Wetter ist endlich der Bezeichnung „Sommer“ würdig. Doch die lang﷯anhaltende Trockenheit birgt auch Risiken. Die Waldbrandgefahr und das Risiko für Stoppelfeldbrände besteht weiter im gesamten Mühlenkreis.
Nur ein Funke, eine unbedacht weg geworfene Zigarettenkippe oder ein überhitztes Kugellager eines Traktors könnten verheerende Folgen haben.

Die Gefahr von Wald- und Feldbränden ist in diesem Jahr höher als in den vergangenen Jahren. „Da wir seit Anfang März kaum Niederschlag und gleichzeitig überdurchschnittlich hohe Temperaturen hatten, ist sowohl der Boden als auch jeglicher Aufwuchs sehr trocken. Deshalb ist die Brandgefahr in den Wäldern, auf den Wiesen und den Äckern ungewöhnlich hoch“, erklärt Rainer Meyer, Vorsitzender Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband.
Auch die zwei Regentage in der letzten Woche bannen die Gefahr nur mäßig. Denn: zum Wochenende sind bereits wieder Temperaturen vorhergesagt, die an der 30-Grad-Marke kratzen. „Um das Brandrisiko nachhaltig zu senken, bräuchten wir schon um die 50 Liter Regen, die auf einem Quadratmeter fallen“, so Meyer. Hinzu käme, dass der teilweise stark ausgetrocknete Boden diese sehr hohen Mengen an Regenwasser bei einem Gewitterschauer nicht gut aufnehmen könne. ﷯
An welchem Standort besonders gefährdete Brand-Gebiete liegen, variiert kleinräumig je nach gefallenem Niederschlag. „Generell sind die o﷯stdeutschen und die nördlichen Bundesländer, also auch der nördliche Teil von NRW, am stärksten betroffen“, sagt Meyer.
„Beim Befahren der Feldwege und Parken auf Straßenrändern und Wiesen können heiße Katalysatoren und Auspuffanlagen das Gras und Laub unter den Fahrzeugen entflammen. Aber auch das Grillen in der Natur sollte im Moment unterlassen werden“, mahnt Meyer. „Sollte irgendwo Rauch aufsteigen oder ein noch so kleines Feuer zu sehen sein, bitte sofort die Feuerwehr rufen, um Schlimmeres zu vermeiden“, betont er.

"Die nördlichen Bundesländer sind am stärksten betroffen." Rainer Meyer, Vorsitzender Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband.

„Die nördlichen Bundesländer sind am stärksten betroffen.“ Rainer Meyer, Vorsitzender Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband.

Belastungsprobe für die Feuerwehr
In Ostwestfa﷯len, Schaumburg und Minden bestehe momentan die zweithöchste Gefahrenstufe, so Steffen Friedrichs von der Feuerwehr Minden. Für die Einsatzkräfte der Feuerwehren sind Wald- und Grasflächenbrände eine hohe Belastungsprobe: Zum einen sind die Kameradinnen und Kameraden in voller Schutzkleidung und bei 30 Grad Außentemperatur bereits nach rund 20 Minuten an der körperlichen Belastungsgrenze, zum anderen kann Funkenflug das Feuer unkontrolliert an andere Stellen bringen und die Einsatzkräfte einschließen. Eine große Herausforderung ist auch die Bereitstellung des benötigten Löschwassers in ausreichender Form – nicht immer sind Bäche oder andere natürliche Gewässer vorhanden, dann muss die Feuerwehr ihr „eigenes“ Wasser in den Löschfahrzeugen mitbringen.

Wasserknappheit
Wer in den vergangenen Wochen die Pflanzen in seinem Garten regelmäßig gewässert hat, der musste eventuell feststellen, dass der Inhalt des Regenwassertanks dem Ende zuging. Bei der derzeitigen Trockenheit die Pflanzen jedoch mit Leitungswasser zu wässern, ist allerdings auch keine optimale Lösung. Besonders in Petershagen ist es in der letzten Woche zu Wasserknappheit gekommen. „Der Wassermangel liegt insbesondere an dem gestiegenen Verbrauch und auch an zwei Brunnen, die wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten derzeit nicht für die Förderung zur Verfügung stehen“, erklärt Wilhelm Büsching von den Abwasserbetrieben der Stadt Petershagen. Der Mangel sei an den Wasserreserven in den Vorratsbehältern während der Verbrauchsspitzen messbar.“ Alle Bürger werden daher aufgefordert, das Wässern von Pflanzen und Rasen, Befüllen von Pools und Gartenteichen, Autowaschen oder dergleichen zu unterlassen“, betont Büsching. Der Regen am Dienstag und Mittwoch wird an dieser Problematik nichts ändern. Der Niederschlag hätte noch stärker ausfallen müssen. Die Reparaturarbeiten an den genannten Brunnen werden in Kürze abgeschlossen sein. Zudem ist der Bau von zwei neuen Förderbrunnen geplant.

"Viele Moore sind deutlich früher trockengefallen, als in den letzten Jahren." Dirk Esplör, Biologische Station Minden-Lübbecke

„Viele Moore sind deutlich früher trockengefallen, als in den letzten Jahren.“ Dirk Esplör, Biologische Station Minden-Lübbecke

Auswirkung der Trockenheit auf die Natur
Meistens gibt es in der Natur Gewinner und Verlierer. Gut an Wärme und Trockenheit angepasste Arten können sich ausbreiten (z.B. Arten die in Trockenrasen oder wärmeliebenden Säumen wachsen). Nässe und kühle Witterung bevorzugende Arten werden verdrängt (z.B. Arten der Auen und Moore). ﷯“Ungünstig wirken sich Trockenphasen beispielweise auf Amphibien- und Kleinfischarten aus, die dauerhaft wasserführende Gewässer benötigen“, schildert Dirk Esplör von der biologischen Station Minden-Lübbecke die aktuelle Lage. Besonders durch Trockenheit bedrohte Lebensräume sind Feuchtgebiete, Kleingewässer und Moore. „Wie Untersuchungen der Biologischen Station in der Bastauniederung zwischen Minden und Hille gezeigt haben, treten in den letzten Jahren verstärkt Defizite bei den Grundwasserständen auf. Ursächlich hierfür sind höhere Durchschnittstemperaturen bei gleichzeitig geringeren Jahresniederschlägen. In diesem Jahr fiel bereits auf, dass viele Moorbereiche deutlich früher trockengefallen sind als in früheren Jahren“, so Esplör. (jh)