Lihra meint...

Lihra meint…

Über den Löffel barbiert?

Kennen Sie den Ausspruch: über den Löffel barbieren? Der Volksmund meint damit, hier wurde jemand übervorteilt, abrasiert. Woher stammt dieser Ausspruch eigentlich? Wenn früher die Männer zum Frisör gingen, gehörte auch eine Rasur dazu. Da aber die alten oftmals nur noch wenig Zähne im Mund hatten und der Frisör dadurch die eingefallenen Wangen schlecht rasieren konnte, steckte er den Personen einen Löffel in den Mund und rasierte somit die ausgestopften Wangen.
Geschieht so etwas zurzeit in Porta Westfalica? Versucht man dort das „eingefallene“ Gebäude und Grundstück des ehemaligen Hotels Kaiserhof mit einem Löffel auszustatten und den Verein KZ Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica sowie Teile der Bürger Portas über den Löffel zu barbieren? Wieso stelle ich diese Frage? Jeder Leser hier kennt die Geschichte. Das Gelände der ehemaligen Reithalle gehörte im dritten Reich zum Außenlager des KZ Neuengamme. In Porta Westfalica sind in diesem Außenlager prozentual mehr Menschen gestorben als in Dachau. Das Hotel Kaiserhof wurde 1891 eröffnet. Eine bewegte Zeit lag vor diesem ehemals wunderschönen Haus. Mit allen Höhen und Tiefen. Erstes Haus am Platz, drittes Reich mit allen Irrungen und Wirrungen. Die letzte Eigentümerin war Elli Vonalt. Im März 2011 kam dann die bisher letzte Station des Hotels. Das Konkursverfahren wurde eröffnet. Die Forderungen betrugen 400.000 €.
Im Dezember 2011 kam es zu einem Großbrand im leerstehenden Hotel. Die verhandelte Schadensregulierung lag bei ca. 4 Millionen €. Die beauftragten Bauleistungen betrugen 400.000 €. Bisher abgerechnet wurden 1,7 Millionen €. Davon sollen noch 500.000 € nicht beglichen sein. Die Wiederherstellungskosten des Hauses betragen nach Schätzungen 6 bis 8 Millionen €. Dieses einmal zu Daten und Fakten.

Der Insolvenzverwalter verkaufte das ganze Areal an den heutigen Besitzer für 100.000 €. Wir alle kennen die ständigen Erklärungen in der Presse, dass der Kaiserhof „gehalten werden solle“. Nun aber wird das Kaiserhofareal für 990.000 € angeboten. Ein Denkmalwürdiges Objekt mit 10.000 qm Bauland? Ein Schelm, wer sich böses dabei denkt? Ein Mitglied des Vereins Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica hat inzwischen einen Antrag auf Denkmalschutz beim LWL gestellt, welcher auch dort befürwortet und geprüft wurde.

Die Stadt Porta Westfalica als Untere Denkmalschutzbehörde, hat die ehemalige Reithalle (Außenlager KZ Neuengamme) vorläufig unter Denkmalschutz gestellt. In dieser Zeit sind alle baulichen Maßnahmen mit der Behörde abzustimmen. Diese prüft ebenfalls, was auf dem Gelände zulässig ist und was nicht. Die West Immo als jetziger Eigentümerin des Areals möchte, dass dort Wohnungen gebaut werden. Das ist allerdings schwierig, denn das Hauptgebäude und der Laubengang stehen zurzeit unter Denkmalschutz. Hohe Kosten gibt es bei der Altlastenentsorgung und für einen eventuellen Hotelbetrieb. Und ein Investorenmodell ist im Moment nicht genehmigungsfähig.

Was versucht die Stadt Porta Westfalica nun und was die Gegenspieler, die dieses historische Gebäude erhalten möchten? Porta möchte Bauland davon machen, zumindest teilweise. Dort Wohnungen errichten. Der heutige Besitzer will Geld verdienen. Siehe Kaufpreis und heutiger Angebotspreis. Die Gegenseite hat inzwischen einen “ Verein für Denkmalpflege Porta Westfalica e.V.“ gegründet. Grundgedanke dort ist, eine Wohnbebauung zu verhindern, denn dieser würde die Historie zum Opfer fallen. Der Kaiserhof sei ein Aushängeschild Barkhausens, fest mit dem Kaiser Wilhelm Denkmal verbunden.

Bei meinen Recherchen platzte einem Beteiligten der Kragen. Er sagte mir: „Wir Portaner Bürger haben die Schnauze voll, dass an unserem Willen vorbei entschieden wird. Wir möchten den Kaiserhof retten, in seiner bisherigen Form und die Aufarbeitung seiner Geschichte. Wir möchten nicht weiter von Investoren, Architekten, windigen Käufern und wem auch immer, an der Nase herumgeführt werden. Das ist der Grund für den“ Verein für Denkmalpflege Porta Westfalica e.V.“ Nicht nur der Kaiserhof, auch das Drama um andere Denkmäler widert uns an. Bürgerinteressen zählen nicht mehr, man ist nur noch dem Euro hörig.“ Entscheiden Sie selbst, soll in dieser Angelegenheit über den Löffel barbiert werden?