Des Kaisers feinste Kleider

Des Kaisers feinste Kleider

Große Eröffnung von Ringterrasse, Besucherzentrum und Gastronomie dieses Wochenende

Nach rund 22 Monaten intensiver Bauzeit ist es an diesem Wochenende endlich soweit: die große Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Wittekindsberg in Porta Westfalica steht an. Das Denkmal, zweitgrößtes Nationalmonument Deutschlands, mit seiner wiederhergestellten Ringterrasse, dem Besucherzentrum und der Gastronomie im Unterbau des Denkmals ist ein Prestigeprojekt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und der Stadt Porta Westfalica und soll als über allem thronenden Wahrzeichen als touristischer Magnetpunkt der Region dienen.

Von der neue Ringterrasse können Gäste eine „kaiserliche Aussicht" genießen.

Von der neue Ringterrasse können Gäste eine „kaiserliche Aussicht“ genießen.

Der Stolz des Kaisers
Stolz blickt Kaiser Wilhelm von Wittekindsberg herunter, die Sonne färbt den Baldachin, unter dem er weilt, in ein goldiges Gelb. Lange hat das Denkmal in einer Art Winterschlaf geschlummert, um nun endlich wieder im vollen Glanze zu erstrahlen. Vor dem großen Kaiser erstreckt sich die wiederhergestellte Ringterrasse und ermöglicht den gleichen, atemberaubenden Blick über das Tal und den Jakobsberg, den der „Willem“ bereits seit rund 122 Jahren genießt. Doch zu seinen Füßen, im Unterbau der wiederhergestellten Ringterrasse, erstreckt sich nach fast zwei Jahren Bauzeit ein ganz neues, eigenes Universum. Über einen gläsernen Eingang geht es die Stufen zum neuen Besucherzentrum und zur Gastronomie „Wilhelm 1896“ hinunter. Treten Besucher ein, begrüßt sie eine Galerie mit „Kaiserlichen Aussichten“, inklusive der unübersehbaren Aussicht aus den Panoramafenstern rund um die Ringterrasse. 15 neue Ringbögen, ausgestattet mit großen Glasfenstern, ermöglichen den Besuchern bei klaren Tagen einen Ausblick bis zum Steinhunder Meer in der einen Richtung, nach Hausberge und Porta und Petershagen und Lahde in den anderen Richtungen. Die Aussicht über das Wiehengebirge und die Weser ist atemberaubend und lässt einen fast die weitere Umgebung vergessen. Besinnt sich der Besucher und steuert seinen Blick wieder ins Innere der Ringterrasse, erstreckt sich auf 270 Quadratmetern ein modernes Besucherzentrum, dass sowohl historische und kulturelle Aspekte rund um das Denkmal aufbereitet hat. „Hier erzählen wir die ganze Geschichte: von den Römern in Germanien über Preußens Pomp bis zum Elend der Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg in den Stollen direkt unter dem Monument“, erklärt LWL-Direktor Matthias Löb. Hier öffne sich nicht nur geologisch, sondern auch historisch das Tor zu Westfalen.

Insgesamt 15 neue Ringbögen zieren die wiederhergestellte Terrasse.

Insgesamt 15 neue Ringbögen zieren die wiederhergestellte Terrasse.

Was bisher geschah
Der LWL hatte 2015 beschlossen, das Denkmal mit der notwendigen Sanierung durch ein Restaurant und ein Besucherzentrum aufzuwerten. Hierzu wurde ein Wettbewerb für entsprechende Entwürfe eingerichtet, der Entwurf vom Architekten Peter Bastian aus Münster konnte sich durchsetzen. In dem preisgekrönten Entwurf wurde moderne Architektur und Denkmalschutz unter der Würdigung der Geschichte vereint. Das neu aufgewertete Denkmal ist Bestandteil der „Straße der Monumente“, welche sieben Denkmale in Deutschland, darunter das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, beinhaltet. Der Gedanke, die Gastronomie und das Besucherzentrum in den Ringsockel zu verlagern, sei anfangs eine „verwegene“ Idee gewesen, die sich jedoch nach einer Machbarkeitsstudie als gar nicht so abwegig erwies. Dazu spielten dem LWL noch zwei Zufälle in die Hand: Im Rahmen einer Bodenuntersuchung wurde festgestellt, dass der Ringsockel abgerutscht war und dringend saniert werden müsste. Fast zeitgleich wurde der LWL auf das Förderprogramm des Bundes aufmerksam, das die Sanierung bedeutsamer Denkmäler in Deutschland unterstützt. Mit einem guten Konzept und dem Entwurf von Architekt Bastian wurde dem LWL vom Bund eine Förderung von 5,8 Millionen Euro zugesichert. Die Stadt Porta Westfalica beteiligte sich ebenfalls mit 600.000 Euro an den Gesamtkosten von 16,6 Millionen Euro. Im Herbst 2016 ging es dann richtig los: drei Baustellen in einer wurden bearbeitet. Am Denkmal wurden Ringsockel aus Obernkirchener Sandstein und die Außenfassade rekonstruiert; die Gastronomie mit Panoramablick hielt Einzug in den Unterbau der Ringterrasse und das eigens entwickelte Besucherzentrum nahm langsam Formen an. „Wir haben glücklicherweise umfangreiche Erfahrungen damit, historische Sachverhalte aufzuarbeiten“, erklärt Matthias Löb.

 Im Besucherzentrum im Inneren des Baus können Besucher allerhand rund ums Denkmal erfahren.

Im Besucherzentrum im Inneren des Baus können Besucher allerhand rund ums Denkmal erfahren.

Überraschungen am Bau
Erste Gespräche zur Übernahme der Gastronomie wurden bereits 2008 abgehalten; 2012 konnte der LWL sie schließlich erwerben. Der Entwurf stamme bereits von 2013, erklärt Matthias Gundler. „Doch solche Maßnahmen brauchen nun mal Zeit. Darüber hinaus standen wir vor dem gleichen Problem wie damals der Erbauer des Denkmals: Bauen ist teuer“. Da der Hang nicht standfest genug war und sich unter anderem durch Sprengungen der Briten 1946 gelockert hatte, waren umfangreiche Baumaßnahmen notwendig, um ihn abzusichern. Hierfür seien rund 27.000 Kubikmeter Fels und Boden herausbewegt worden und 270 Pfähle in bis zu 30 Metern Tiefe im Boden versenkt worden. Dabei sei das gesamte Fachwissen der Firmen sowie die Schwindelfreiheit der Mitarbeiter gefragt gewesen. Zeitweise hätten dabei über 100 Arbeiter an der Baustelle gearbeitet, so Gundler weiter. Danach seien die größeren Überraschungen glücklicherweise ausgeblieben, sodass es in raschen Schritten auf der Baustelle voranging. Große Herausforderung für die Handwerker sei jedoch die Form der Ringterrasse gewesen. „Hier ist alles rund und nichts rechtwinkelig, das ist schon etwas Besonderes“, sagt Matthias Gundler. Die letzten Handwerker würden voraussichtlich am Samstagabend die Baustelle verlassen, kleinere Maler- und Feinarbeiten müssten noch erledigt werden bis zur großen Eröffnung am Sonntag. Auch ein Angebot für Kinder im Außenbereich in Form eines Spielplatzes solle in Zukunft noch folgen. Hierfür habe die NRW-Stiftung eine Fördersumme von 380.000 Euro zugesagt, um den Außenbereich rund um das Denkmal zu verschönern. Auch eine Videoüberwachung sei bereits installiert worden, des Weiteren wurde auch der Parkplatz überholt. Einziges Manko für die Besucher: Parken am Kaiser ist nun kostenpflichtig. Auch in Zukunft werde man dem Denkmal treu bleiben, versprach Matthias Gundler. Am Denkmal selber solle die Sandsteinkuppel saniert werden, Ausbesserungen sollen gemcht sowie der Sandstein gesäubert werden.

 Bürgermeister Bernd Hedtmann: „Das „neue“ Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist ein Wahrzeichen an der Porta von nationaler Bedeutung".

Bürgermeister Bernd Hedtmann: „Das „neue“ Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist ein Wahrzeichen an der Porta von nationaler Bedeutung“.

Tourismusmagnet Denkmal
Fertiggestellt liefert das Besucherzentrum Informationen zum Denkmal und Einblicke in die wechselhafte Vergangenheit des Wittekindberges. Peter Bastian erklärt, man habe die kaiserliche Schatzkammer im Sockel öffnen und die Schätze des Kaisers zelebrieren wollen. Insgesamt sechs Stationen informieren mit Illustrationen, Animationen, Fotos und kurzen Texten über die Natur- und Kulturgeschichte der Porta Westfalica. Beispielsweise zeigt die gut 17 Meter lange Panorama-Wand, die sich entlang des Besucherzentrums zieht, wichtige Stationen in der Geschichte Portas. Multimediale Stationen geben den Besuchern die Möglichkeit, in die Geologie und die Historie rund um das Denkmal einzutauchen. Am Ende des Besucherzentrums wartet eine Kinostation und zeigt einen rund sieben minütigen Kurzfilm zur Geschichte des Denkmals. Diese Stationen nehmen den Besucher an die Hand und ermöglichen dennoch gleichzeitig, sich selber ein Bild über das Denkmal zu machen. „Wir wollen einen guten Eindruck vermitteln. Das Denkmal war früher schon immer gut besucht und für Freizeit und Tourismus von großer Bedeutung und soll sich nun zur touristischen Hauptdestination entwickeln“, erklärt Portas Bürgermeister Bernd Hedtmann. Das „neue“ Kaiser-Wilhelm-Denkmal sei ein Wahrzeichen an der Porta von nationaler Bedeutung und werde positive Auswirkungen für die gesamte Region haben, die kulturhistorisch viel zu bieten habe. Als Geotop wurde die Gegend bereits 2007 für seine naturreiche Landschaft ausgezeichnet. Durch die Baumaßnahmen am Denkmal habe der LWL einem Impuls in die Region gegeben, der bereits weitere Kreise gezogen hat. „Es ist viel passiert währenddessen“, berichtet Hedtmann. Die Entwicklung am Fernsehturm, der endlich wieder eine Gastronomie habe, sei überaus erfreulich. Die Besucherzahlen am Denkmal hätten sich bereits während der Baumaßnahme gesteigert, „Baustellen machen nun mal auch neugierig“, resümiert Hedtmann hierzu. Zertifizierte Landschaftsführer böten nun Führungen rund um das Denkmal an und auch bis in andere Stadtteile hinein seien diese Auswirkungen zu spüren. In Kleinenbremen beispielsweise werde die Museumseisenbahn bald wieder fahren. Des Weiteren sei aufgefallen, dass sich bereits 2017 die Übernachtungszahlen um 16 Prozent gesteigert hätten. Daher werde auch zukünftig erwartet, dass die Beherbergungsbetriebe einen „Schub“ erfahren würden.

 „Wir haben umfangreiche Erfahrungen damit, historische Sachverhalte aufzuarbeiten“, erklärt Matthias Löb, Direktor des LWL.

„Wir haben umfangreiche Erfahrungen damit, historische Sachverhalte aufzuarbeiten“, erklärt Matthias Löb, Direktor des LWL.

Des Kaisers Leibgerichte
Das Restaurant „Wilhelm 1896“ besticht durch zum Besucherzentrum passenden modernen Design und hochwertigen Materialien. Und der Ausblick tut sein Übriges für die Gesamtwirkung des gelungenen Ambientes. Lars Rohlfing, Junior-Chef des Restaurants, berichtet, dass sie für die neue Speisekarte alte westfälische Gerichte „in einen Topf geworfen“ und neu interpretiert hätten. Herausgekommen seien handfeste Gerichte für die Tagesgastronomie, wie unter anderem der Klassiker Currywurst. Doch abends darf es dann auch etwas mehr sein, „das kommt dann auch schon mal ein Filet auf den Tisch“ sagt Rohlfing mit einem Schmunzeln. Unter anderem steht eines der Leibgerichte des Kaisers auf der Speisekarte: Steinbutt. „Ein sehr edler Fisch, der aber gar nicht so einfach im Stück zu bekommen ist“, berichtet Rohlfing. Bereits jetzt erfreut sich das Restaurant über eine rege Nachfrage und sei bereits für die Silvesternächte in diesem und im kommenden Jahr ausgebucht. Auch Familienfeiern und Hochzeiten würden sich hier gut feiern lassen. Generell seien Anfragen immer gerne gesehen und das Gastroteam flexibel, Kundenwünschen entgegenzukommen. Rund 25 bis 30 Mitarbeiter werden sich dann zukünftig um das leibliche Wohl der Besucher kümmern.
Insgesamt erwartet der LWL rund 150.000 Besucher jährlich, generell solle sich die Aufenthaltsdauer am Denkmal verlängern. Aktuell fänden Gespräche mit der Stadt Porta und Minden über einen regelmäßigen Busverkehr hoch zum Denkmal statt. Matthias Löb versichert aber bereits jetzt: „Wir werden hier oben jede Menge Busse sehen“. Bürgermeister Hedtmann erklärt, dass bereits vor der Eröffnung an Wochenenden rund 1000 Fahrzeuge hoch zum Kaiser kommen würden, „aber das war in der Vergangenheit“. Nun werden natürlich wesentlich mehr erwartet. „Wir brauchen uns hier nicht zu verstecken, wir haben hier etwas hochwertiges gebaut“, so Löb abschließend. (nh)

Im Restaurent „Wilhelm 1896" kann man die Leibgerichte des Kaisers kosten.

Im Restaurent „Wilhelm 1896″ kann man die Leibgerichte des Kaisers kosten.

Eröffnung am Sonntag
An diesem Sonntag findet die große Eröffnung mit einem Festakt statt. Nach Festreden von LWL-Direktor Matthias Löb, Bürgermeister Berndt Hedtmann und Staatssekretär Adler wird ein umfangreiches Rahmenprogramm die Gäste erfreuen. Die Zufahrt zum Denkmal ist an diesem Tag nicht gestattet, lediglich mit den vorher verlosten Bustickets fahren Shuttle-Busse die Besucher zum Denkmal. Erst ab Montag, dem 9. Juli, wird die Zufahrt zum Denkmal wieder frei sein.

 Lars Rohlfing ist Junior Chef des Restaurants und wird mit seinem Team die Gäste am Kaiser verköstigen.

Lars Rohlfing ist Junior Chef des Restaurants und wird mit seinem Team die Gäste am Kaiser verköstigen.