Lihra meint...

Lihra meint…

Eine Stadt baut einen Leuchtturm

Was ist ein Leuchtturm? Wikipedia sagt: Ein Leuchtturm ist ein Fest stehendes und stabiles Gebäude am oder im Meer, das durch sein Licht Orientierung gibt und so die Navigation von Schiffen erleichtert. Leuchttürme sind stabil. Sie überstehen Stürme und hohe Wellen und dieses über Jahrhunderte. Leuchttürme signalisieren oft auch „Land in Sicht“ und sie geben Anhaltspunkte über den eigenen Standort. Und im übertragenen Sinn kann alles als Leuchtturm oder Leuchtfeuer bezeichnet werden, das weithin sichtbar ist, Wirkung erzielt oder Vorbildfunktion hat.

Satire-Modus an: Es war einmal eine Stadt im norddeutschen Flachland, die wollte gerne einen eigenen Leuchtturm haben und auch bauen. Man hatte sich ein wenig umgehört und auch schon andere Leuchttürme besichtigt. Alle wichtigen Bürger, der Bürgermeister, seine Ressortchefs und auch die vielen Mitglieder des Rates waren ganz angetan von diesem Projekt. Zwar gab es in der Stadt schon so einige Bauten, die man früher auch schon mal mit dem Begriff Leuchtturm versehen hatte, aber sie genügten den vielfältigen Wünschen und Ansprüchen nicht mehr. Andere Städte hatten doch auch einen ganz großartigen Leuchtturm, der im vollen Glanz erstrahlte und in einem weiten Umkreis der schönste, der höchste und der Beste war. Der neue Leuchtturm sollte größer und schöner werden als alles Vergleichbare in der Umgebung. Es dauerte nicht allzu lange, da geriet man in Streit über die Art und Weise, wie so ein Leuchtturm gebaut werden muss, welche Aufgaben er zu bewältigen hat und wie er zu funktionieren hat. Trotzt aller Skeptiker, die es auch gab, machte sich die Einstellung „jetzt erst recht“ breit. Es wurde munter darauflosgeplant, besondere Wünsche für Sondernutzungen wurden berücksichtigt. Und doch gab es aber auch Skeptiker. Diese spürten plötzlich eine gewisse Kälte im Körper aufsteigen.
Was konnte man machen, um nachts wieder ruhig schlafen zu können? Die Antwort war schnell gefunden. Es muss ein Gutachten her. Das erste wurde leider von einigen Leuten nicht akzeptiert, es schien einfach viel zu negativ zu sein. Also zur Sicherheit lieber noch ein zweites Gutachten in Auftrag geben, denn zwei Meinungen sind immer besser als eine. Und es kam wie es kommen musste, die Gutachten waren grundverschieden und die Verwaltung bekam kalte Füße. Sie wollte keinen Leuchtturm mehr bauen. Nun alles ad acta legen? Nein, denn nun setzte bei den großen Gruppierungen im Stadtrat die Kindheitsphase ein: Ich will meinen Leuchtturm haben! Aber andere im Rat hatten zu denken begonnen. Man erinnerte sich an vergangene Zeiten. Gab es da nicht mal ein riesiges Projekt am Ende der Fußgängerzone – in der Nähe des Flusses? Man hatte dafür richtig Geld ausgegeben, Gutachter beauftragt und berühmte Architekten mit vielen bunten Bildern und noch mehr verrückten Ideen in die Stadt am Fluss geholt. Aber geleuchtet hat dieser Leuchtturm nicht lange. Er steht heruntergekommen wie ein Mahnmal da. Was ist zu tun? Wie könnte diese Geschichte zu Ende gehen? Hier eine mögliche Version: In der Stadt am Fluss besann man sich auf bewährtes. „Schuster bleib bei deine Leisten!“ Investoren beschäftigten sich mit dem investieren, Leuchtturmwärter kümmerten sich um den Betrieb eines Leuchtturms und Verwalter das taten, wozu die Bürger der Stadt am Wasser sie beauftragt hatten. Wurde der Leuchtturm nun gebaut, oder nicht?
Man hatte festgestellt, dass ein Leuchtturm alleine vollkommener Blödsinn sei. Leuchttürme leuchten leider nur in der Nacht und auch nur in eine Richtung. Es entstand stattdessen etwas Wunderbares. Projekte auf dem Areal des ehemals angedachten Leuchtturms erweckten den Teil der Stadt, welcher auf dem rechten Flussufer lag, zu neuem Leben. Es entstanden ganze „Lichtflächen“, die auch am Tage ihre Wirkung verbreiteten und zwar sieben Tage in der Woche. Eine Erleuchtung hatte die Stadt am Fluss heimgesucht.
Satire-Modus aus. Ich hoffe, Sie nehmen mir meinen Ausflug nicht übel. Das Schönste wäre es, wenn am nächsten Sonntag im Stadtgespräch einmal über die Möglichkeiten nachgedacht würde, die das rechte Weserufer benötigt und die auch machbar sind.