Minden, die freundliche Stadt?

Minden, die freundliche Stadt?

Ich weiß, viele von uns können es ganz einfach nicht mehr hören, das Geschacher um die Multifunktionshalle oder die Kampa-Halle.

Ich kann es verstehen, denn es geht mir ebenso. Aber darum geht es heute eigentlich nicht wirklich. Es geht um die Art und Weise, mit der man hier in Minden miteinander umgeht. Es geht auch um Respekt, um Achtung, um Freundlichkeit.

Wie gehen wir miteinander um? Ein aktuelles Beispiel ist das Geplänkel um den Neubau der Arena auf dem rechten Weserufer oder um die Renovierung der alten Kampa-Halle. Der Landrat hat bis zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe, noch immer keine Zahlen rausgelassen. Selbst die Politik bekam bisher keine Einblicke in die Gutachten und Zahlen des Kämmerers. So geht das nicht. Wie sollen die zuständigen Politiker sich denn ein Urteil bilden oder gar eine Entscheidung fällen, wenn sie von allen Detailinformationen ausgespart werden. Der Landrat sagt sinngemäß, es sei Sache des Kreises und das geht Euch (die Stadt Minden) nichts an. Das ist falsch, ganz falsch, denn der Kreis bezieht seine Einnahmen aus den Umlagen der Gemeinden und Kommunen. Somit also auch zu einem großen Teil von uns Mindener Bürgern. Ist das Respekt, den man hier an den Tag legt? Ist das freundlich? Geht man so miteinander um?
Wie ist das in der Stadt Minden? Anders? Bilden Sie sich selbst ihr Urteil. Ein Mindener Unternehmer wollte eine Zweigstelle eines weltbekannten Unternehmens auf einem von ihm verwalteten Grundstück ansiedeln und sprach deshalb in der Verwaltung vor. Antwort des zuständigen Mitarbeiters dort: „Da müssen wir erst einmal schauen, ob da überhaupt etwas möglich ist.“ Du liebe Güte, ist das denn die Möglichkeit? Minden kann doch froh sein, wenn sich neue Unternehmen ansiedeln wollen. Wenn zusätzliche Einnahmen fließen. Eigentlich hätte man es doch so formulieren müssen: Prima, wir sind froh, dass Sie sich so für unsere Stadt einsetzen. Natürlich stehe ich Ihnen mit meinen Leuten zur Verfügung. Sie verstehen, dass wir natürlich auf die Einhaltung der Gesetze achten müssen. Aber wir werden Sie selbstverständlich unterstützen und prüfen, was machbar ist. Senden Sie uns die Pläne zu. Wir schauen sie uns an, ob wir das so umsetzen können, wie die Firma sich das vorstellt. Wenn es so nicht geht, werden wir sicherlich einen gemeinsamen Weg bei einem Ortstermin finden. Das ist bürgerfreundlich, das ist Respekt voreinander.

Wie sieht das denn woanders aus. Vor Jahren ging eine Geschichte eines Bürgermeisters einer süddeutschen Stadt durch die Presse. Er hatte erreicht, dass seine Gemeinde die „freundlichste Stadt Deutschlands“ genannt wurde. Wieso das? Dieser Mann ging mit seiner Verwaltung mit gutem Beispiel voran:

* Kunden wurde die Tür geöffnet und begrüßt,
* Menschen wurden auf der Straße angesprochen, die Kaugummi ausspuckten etc.,
* Die Verwaltung hielt Sprechstunden in der Stadt ab, ohne Thema und irgendwelche Beschränkungen,
* Er hat Bürgern bei Problemen direkt geholfen,
* Er hat seinen Bediensteten erklärt, das der Bürger der Kunde ist und nicht umgekehrt.

Ein Beispiel aus vergangenen Tagen? Schauen wir nach Bassum in Niedersachsen, ganz in unserer Nähe. Im Juni war der dortige Bürgermeister erst neun Tage im Amt und stellte sich schon den Fragen seiner Bürger. Er sagte, der neue Posten als Bürgermeister sei für ihn Berufung und kein Job. Dann nahm er zu allen ihm gestellten Fragen ausführlich Stellung. Holte seine Bürger dort ab, wo sie waren. Stellte sich nicht darüber. Er kündigte ein Rathaus mit geöffneten Türen für seine Bürger an. „Wenn meine Tür geöffnet ist, ist Bürgerfragestunde“. Sei sie geschlossen, dann in dem Moment eben nicht. „So will ich es erst einmal versuchen. Wenn etwas ist, kommen Sie zu mir“, lud er die Bassumer ein.  Sein Motto: „Tue Gutes und rede drüber“. Transparenz und Vertrauen hingen zusammen, auch die Verwaltung solle in Zukunft offener zu Bürgern sein.

Und in Minden? Da gibt es noch viel Luft nach oben um als eine freundliche Stadt zu gelten.