Die Saison 2017/2018

Die Saison 2017/2018

Ein GWD-Fazit

Vor kurzem endete die Spielzeit in der 1. Handball-Bundesliga. Die SG Flensburg-Handewitt zitterte sich zum Meistertitel, der TuS N-Lübbecke rutschte nach einer Niederlage in Lemgo unter die Linie und tritt erneut den Gang in die 2. Liga an. Profitiert haben davon die Eulen aus Ludwigshafen, die sich mit einem Erfolg gegen den HC Erlangen den Klassenerhalt sicherte. Davon profitierte auch GWD, die nach einem 25:32 gegen den THW Kiel den 12. Platz vor eben Erlangen halten konnte.

Die Begegnung gegen die Landeshauptstädter aus Schleswig-Holstein war irgendwie ein Spiegelbild der Saison. Eine sehr gute erste Halbzeit gegen den Favoriten, die dann ernst machten, auch von Zeitstrafen profitierten und letztlich sicher gewannen. Für die Grün-Weißen aber ganz sicher kein Beinbruch, da die angestrebten 26 Punkte geholt wurden. Dabei hatte die Saison sportlich mit einer Katastrophe begonnen. Im Pokal flog die Carstens-Truppe gleich in der 1. Runde in der heimischen Kampa-Halle gegen den Drittligisten TuS Ferndorf raus. Im Nachhinein eine heilsame Pleite, weil GWD dann in der Liga eine gute Rolle spielte. Auffällig war, das sich Doder und Co. nicht zu schade waren, auch gegen hohe Rückstände anzukämpfen. Respekt verdiente sich die Truppe mit grandiosen Aufholjagden in Wetzlar und gegen Göppingen. Dazwischen lag der Derby-Sieg gegen Nettelstedt in einer leider nicht ausverkauften Halle. Auch von dem schweren Auftaktprogramm ließ man sich nicht irritieren. Im Oktober und November blieb man sogar in allen Auswärtspartien ungeschlagen. Wann hat es das zuletzt gegeben? Das Tempospiel machte sich bezahlt und hinten hatten wir mit Espen Christensen und Kim Sonne Hansen starke Torhüter. Die Heimspiele gegen Flensburg und Berlin in der dunklen Jahreszeit gingen zwar verloren, doch GWD begeisterte mit einem tollen Kampf und hielt beide Gegner lange in Schach, bevor sie ihre individuellen Stärken ausspielen konnten. Gegen Hannover war es dann soweit. Punktgewinn gegen einen Hochkaräter! Aber ein negativer Höhepunkt sollte noch kurz vor Weihnachten folgen. Gütliche Mühlenkreis-Hilfe für den Nachbarn bei dem 22:29-Debakel, was dem TuS ja nun am Ende nichts bringen sollte. Am 2. Festtag wurde man aber wieder schnell versöhnt und man konnte Wetzlar in die Schranken weisen. Planungssicherheit für unseren neuen Macher Frank von Behren und auch Trainer Frank Carstens. Das Jahr 2018 plätscherte so dahin. Immerhin einige sogenannte Pflichtsiege gegen Hüttenberg und Ludwigshafen sowie in Gummersbach, ein verlorengeglaubtes Match gegen Lemgo mit einem Punkt gerettet, aber auch viele maue Auftritte wie in Hannover, Melsungen, Berlin und zu Hause gegen Magdeburg und Bittenfeld Stuttgart.

Die Neuzugänge
Espen Christensen im Tor und Miljan Pusica sind echte Volltreffer gewesen. Anton Mansson muss noch torgefährlicher am Kreis werden. Andreas Cederholm hat seine 1-gegen-1-Stärken andeuten können. Leider hatte er Pech mit vielen VerletzungenNächste Saison können wir ihn hoffentlich unfallfrei genießen. Luka Zvizej kam in der Saison, hat sich gut hereingefunden und sich zum Siebenmeter-Werfer Nr. 1 katapultiert.

Die Abgänge
Charlie Sjöstrand war lange klar, sein Knorpel-Knie-Schaden setzte ihn früh schachmatt. Nenad Bilbija kam leider auch nie wirklich über längere Zeit auf die Beine und konnte selten eine Entlastung sein. Hoffentlich wird er in Bukarest wieder der alte! Sören Südmeier hatte ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Das war für die Verantwortlichen zu wenig, sein Weg führt nun nach Hamm.

Die Nachwuchsspieler
Marian Michalczik hat sich weiterhin prächtig entwickelt und es zum Nationalspieler geschafft. Wie schön wäre es, wenn er trotz guter Angebote noch über 2019 ein Grün-Weißer bleibt und den Vertrag verlängert. Einen großen Sprung nach vorne machte auch Mats Korte. Er und Luka Zvizej teilen sich ihre Spielanteile auf ihrer Außenposition. Des einen Leid, des anderen Freud, heißt es bei Max Staar. Teils merkte man ihm verständlicherweise seine Nervosität und Respekt noch an, doch gegen Göppingen und Kiel hat er den Schalter umgelegt und sich wohl endgültig freigeschwommen. Lukas Kister hatte es auf seiner Position im linken Rückraum am schwierigsten. Aber in der Abwehr hat er auch zuletzt seinen Mann gestanden.

Die Zuschauer
Der neue Sky-Service (alle Spiele live oder in Konferenz) mit den neuen Anwurfzeiten hat auch einige bequeme Couch-Sitzer hervorgebracht. Trotzdem muss man ganz klar sagen, dass ein Live-Erlebnis damit nicht zu vergleichen ist. Aber man hat auch den Eindruck, dass dieses neue Mittelfeld-Gefühl von GWD gänzlich ohne Abstiegssorgen bei manchen anscheinend den Reiz verloren hat. Für den Fan-Club wünsche ich mir, dass wir wieder ordentlich Nachwuchs bekommen und die Auswärtsfahrten wieder besser angenommen werden. Immerhin kamen wir 8 Mal mit Punkten zurück, und warum sollte es in der Spielzeit 2018/2019 schlechter laufen. GWD ist auf einem guten Weg, der momentan nur gestoppt werden kann, wenn sich der angestrebte Hallen-Neubau mit neuen Vermarktungsmöglichkeiten in Luft auflöst. Statt mutig und offensiv an dieses Projekt heranzugehen, werden leider immer wieder Dinge von viel zu vielen Leuten im Kreis kaputtgeredet. Also macht die Stadt Minden mit Sport- und Kulturveranstaltungen in verkehrstechnisch guter Lage am Bahnhof in Zukunft wieder interessanter statt eine Dorfidylle in einer 81.000 Einwohner großen Stadt zu forcieren!

Euer Frank Wentzlawsky