Karl-Friedrich Lihra meint...

Karl-Friedrich Lihra meint…

Kann ein Loch spalten?

Was für eine Frage. In ein Loch kann man hineinfallen. Es ist meist rund und oftmals auch tief. Aber kann ein Loch auch spalten? In Minden scheint das möglich zu sein. Die Wellen schlagen im Moment mal wieder etwas höher. Es geht um die alte preußische Bordellstraße, das Rampenloch. Eine Straße, hinten zugemauert, in der angeblich kein Mindener jemals gewesen sein will. Eine Straße, in der das Pflaster und ein Haus unter Denkmalschutz stehen. Eine Straße, in der nur noch zwei Damen ihrem Gewerbe nachgehen. Aber nicht mehr lange. Denn auch diese beiden Damen werden ausziehen. Und was kommt dann? Auf einmal haben viele Mindener die Liebe zu dieser kleinen Gasse entdeckt. Warum?

Die nicht denkmalgeschützten Gebäude sollen laut sozialen Medien abgerissen werden. Das hat einen Sturm der Entrüstung unter den Mindenern hervorgerufen. Der Haupt- und Finanzausschuss hat dieses angeblich innerhalb von nicht einmal 30 Tagen beschlossen. Unterschriften wurden daraufhin gesammelt und ein Brief an den Bürgermeister geschrieben, dass das so nicht gehe. Man spricht sich in diesem Brief dafür aus, die Straße zu erhalten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Das Rampenloch spaltet also die Bürger dieser Stadt. Denn es ist gar kein Loch, sondern eine Straße. Und eine Straße ist nicht rund, sondern eher ein Spalt. Länglich und eng.
Was kann nun also damit geschehen? Die meisten Häuser sind alt, schief und in einem schlechten Zustand. Hat die Verwaltung nicht Recht, diese Teile abzureißen und etwas Neues entstehen zu lassen? Wollen die Unterzeichner des Briefes etwa den „Puff“ dort weiterhin lassen? Auf Sankt Pauli gibt es ein berühmtes Etablissement mit dem Namen „Ritze“, das ursprünglich „Spalte“ heißen sollte. Ja Lihra, kannst du mal aufhören mit dem Quatsch? Was soll mit der Straße denn nun geschehen?

Sie soll nach dem Willen einiger kreativer Köpfe zu einer Kulturinsel werden. Und gleich mit einbezogen das alte Gefängnis, welches vom Rampenloch nur durch eine 4,70 Meter hohe Gefängnismauer getrennt ist. Die im Rampenloch bestehenden Gebäude, teilweise mit Gärten, können von Touristen der Stadt oder auch von Mindenern für ein paar Tage gemietet werden. In diesen Wohnungen, so eine Idee, könnten unterschiedliche Zeitepochen Mindens erlebt werden. Zum Beispiel in einem Haus das Leben ohne Elektrizität oder auch das Leben mit Tieren, wie Schaf, Schwein und Huhn, unter einem Dach. So wie es früher einmal in Minden war. Eine weitere Idee ist, kleine individuelle Läden in die Häuser zu integrieren und vieles mehr.
Und im ehemaligen Gefängnis, so ist der Vorschlag, sollten Räume geschaffen werden, für Kunstschaffende. Auch ein Tonstudio für Musik, welches Gruppen anmieten können. Büros für ehrenamtliche Gruppierungen aller Art. Weiterhin denkt man über eine Überdachung des Gefängnishofes mit einer tragenden Betondecke nach. Diese könnte der Unterbau für eine ökologische Insel mitten in der Stadt, bepflanzt mit einer Wildwiese, die nicht betreten werden darf. Ein Durchbruch in der bestehenden Gefängnismauer, so ist die Idee, soll das Rampenloch und das alte Gefängnis zu einer Kultur Insel verbinden.

Liebe MiKu-Leser, was halten Sie davon? Soll die Stadt Minden die nicht unter Denkmalsschutz stehenden Häuser im Rampenloch abreißen und dort moderne Wohnungen bauen oder sind Sie für ein aktives und auch innovatives Projekt Kultur Insel Minden, in welchem Kenntnisse und Erfahrungen aus vergangenen Epochen der Stadt Minden erlebt und erfahren werden können. Eignet sich diese Idee vielleicht durch die Nähe zu den Mindener Schulen zu einer Einbindung in die verschiedensten Lehrpläne? Oder ist das alles Quatsch? Nicht zu bezahlen, zu teuer, zu spinnerig? Ja, die Meinungen gehen hier auseinander. Das Rampenloch spaltet die Bürger unserer Stadt. Aber gemeinsam an einem Strang ziehen, Ideen einbringen, darüber beraten, einige Teile wieder verwerfen und neue zu kreieren, hat noch nie geschadet. Es ist auf jeden Fall besser, als ein Schnellschuss mit Abriss.