Lihra meint...

Lihra meint…

Dein Wille geschehe

Kennen Sie diesen Satz? Sicherlich aus dem „Vater unser“. Da gehört er auch hin. Aber die „Herrscher“ in der Verwaltung der Stadt Minden haben ihn sich zu Eigen gemacht. Wir Bürger sollen es ganz genau so sehen. Dein Wille, liebe Stadt, liebe Dezernenten, geschehe! Ja, ich bin mal wieder bei dem Rathausprojekt. Denn mir geht dabei wirklich die Hutschnur hoch. Es kann doch alles nicht wahr sein. Da wird dieses Projekt im Rat mit einem Deckel von 34 Millionen versehen. Damit bekommen wir alles hin, so Herr Kresse und Herr Bursian. Ein wunderschönes neues Geschäftshaus, Büros für die Verwaltung, die Teileigentümer werden abgefunden. All das geht für die 34 Millionen. Das Projekt war kaum gestartet, das musste der Deckel auf 37 Millionen angehoben werden. Klasse. Aber das war es jetzt.

Liebe MiKu-Leser, entschuldigen Sie meine drastische Ausdrucksweise, aber wollen die uns wirklich verar…, auf den Arm nehmen? Das darf doch alles nicht wahr sein. Es geht hier um das Eigentum der Bürger. Um Ihr Eigentum, liebe Leser. Das ist verschleudert, verramscht worden. Wissen Sie, was Sie dafür bekommen? Ich will es Ihnen sagen. Die Stadt verschenkt das Sahnestück in Minden für 800.000€! 800.000!!! In Timmendorfer Strand bekommen Sie dafür eine 100 qm große Eigentumswohnung. Und die Stadt gibt dafür dieses bebaute Grundstück her. Und wissen Sie, was Sie noch dafür bekommen? Den dritten Drogeriemarkt in Minden. Müller zieht dort ein und zwei weitere kleine Läden. Am Scharn. Mindens guter Stube. Direkt am Rathaus! Und Sie bekommen noch etwas dafür: zwei Büroetagen für die Verwaltung. Nein, nicht ausgestattet. Im Rohbau! Heizung und Wasserleitungen sind vorhanden. Alles andere muss dazugekauft werden. Und im Dachgeschoss kann man die Büros nur auf einer Seite nutzen. Auf der anderen sind die Wände zu schräg. Finden Sie das lustig? Ich nicht.

Aber das ist ja noch lange nicht alles. Die Büros müssen beim Investor angemietet werden. Schon nach ein paar Jahren sind die 800.000€ aufgebraucht und dann wird draufgezahlt. Ihr Geld. Jedes Jahr. 20 Jahre lang. Ach, eh ich es vergesse, diese Beträge sind natürlich nicht in den 37 Millionen drin. Die kommen oben drauf. Und die Etagen reichen auch nicht aus. Es fehlen Büros für über 80 Mitarbeiter. Da will man eventuell die ehemalige Stadtsparkasse gegenüber kaufen. Eigentlich sinnvoll, aber auch nicht in 37 Millionen enthalten.

Wissen Sie, was weiterhin nicht in der Summe enthalten ist? Die Abfindung der fünf verbliebenen Teileigentümer. Und die wollen, das ist verständlich, zusätzliches Geld für das Grundstück bekommen, auf dem die neue Domschatzkammer steht. Denn ein Teil dieses Grundstücks gehört ihnen. Und die Stadt, dein Wille geschehe, hat die Genehmigung für den Bau gegeben, obwohl nicht sie, sondern die Teileigentümer des Rathauses im Besitz waren.

Sie meinen, das wäre alles? Weit gefehlt. Stellen Sie sich vor, es passiert etwas mit der Rathaustiefgarage. Darauf wird gebaut. Beim Abriss des Gebäudes am Scharn wackelten die Wände so stark, dass sich Augenzeugen schnell in Sicherheit gebracht haben, aus Angst, es würde alles zusammenbrechen. Die Tiefgarage ist eh marode und muss schnellstens saniert werden. Und jetzt fahren Bagger, LKW und andere schwere Geräte darüber, obwohl sie für diese Gewichte kaum ausgelegt ist. Schon die normale Sanierung der Garage ist sehr teuer. Diese Kosten sind ebenfalls nicht in den 37 Millionen enthalten. Die ganze Angelegenheit stinkt zum Himmel. Hier wird das Eigentum der Bürger verschleudert. Ihr Eigentum! Und Sie können nur zusehen. „Dein Wille geschehe“. In unserer Verwaltung sitzen keine Kaufleute, sondern Geschäftemacher. Das bringt es auf den Punkt. Und noch eines zum Schluss: kommt Procom überhaupt mit dem Geld aus? Siehe Tiefgarage und Spätfolgen. Procom kann doch nur dieses Haus bauen, weil die Verwaltung auf 20 Jahre die Büros anmietet. Sonst hätte diese Firma nie den Kredit von den Banken bekommen. Das ist doch längst durchgesickert. Ich jedenfalls wünsche Ihnen, dass nicht noch Ihre Enkel und Urenkel diese Sünden ausbaden müssen. Minden wird nicht attraktiver, sondern verschlechtert weiterhin sein Image. Ich könnte weinen.